Mit intelligenten Konzepten können autonom fahrende Busse eine gute Ergänzung zum Nahverkehr sein.

Mit intelligenten Konzepten können autonom fahrende Busse eine gute Ergänzung zum Nahverkehr sein.

Bild: © MickisFotowelt/Adobe Stock

Autonomes Fahren steht in Deutschland vor dem Übergang in den Regelbetrieb. Während in den USA und China fahrerlose Fahrzeugflotten bereits kommerziell unterwegs sind, nimmt die Entwicklung hierzulande langsam Fahrt auf. Mit dem Gesetz zum autonomen Fahren wurde 2021 der rechtliche Rahmen geschaffen. Erste Pilotprojekte laufen, und ab 2026 wollen große Ride-Hailing-Plattformen autonome Verkehre einführen. 

Die Studie "Autonomes Fahren – Schlüssel zur Mobilität von Morgen", initiiert von DB Regio Straße in Kooperation mit Ioki, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Prognos, untersucht die langfristigen Auswirkungen dieser Technologie auf Mobilität, Wirtschaft und Gesellschaft.

Drei Szenarien, aber die Präferenz ist eindeutig

Die Studie betrachtet drei Szenarien für das Jahr 2045: das Basis-Szenario, das Wettbewerb-Szenario und das Daseinsvorsorge-Szenario. Im Basis-Szenario wird der öffentliche Straßenpersonenverkehr vollständig autonom betrieben, um Fahrpersonalmangel und Kostenprobleme zu lösen. Die Angebotsqualität verbessert sich jedoch nur moderat, vor allem in Metropolen. In ländlichen Räumen bleiben Wartezeiten und Reisezeiten deutlich hinter dem Pkw zurück. Zwar sinken die Betriebskosten im Linienbusverkehr um 14 Prozent, doch die Attraktivität des ÖPNV steigt kaum.

Das Wettbewerb-Szenario ergänzt den ÖPNV um privatwirtschaftliche Robotaxis. Diese erhöhen laut Studie die Angebotsqualität in Städten und Metropolen deutlich, führen aber zu einer massiven Zunahme der Straßenverkehrsbelastung – bis zu 30 Prozent mehr Fahrzeugkilometer in Metropolen. Zudem steigen die gesellschaftlichen Mobilitätskosten um 16 Prozent auf 400 Milliarden Euro jährlich. Die Kannibalisierung des ÖPNV durch Robotaxis erhöht den staatlichen Finanzierungsbedarf auf 27 Milliarden Euro.

Das Daseinsvorsorge-Szenario schließlich – eindeutig Favorit der Studienautoren – verfolgt einen anderen Ansatz: Autonome Fahrzeuge werden als Teil eines integrierten Mobilitätssystems eingesetzt, das eine bundesweite Mobilitätsgarantie sicherstellt. Die Reisezeiten entsprechen nahezu denen von Pkw. Der ÖPNV-Anteil am Modal Split verdoppelt sich, der Pkw-Bestand sinkt um 25 Prozent. Mit 850.000 autonomen Shuttles wird die Flächenerschließung sichergestellt, insbesondere im ländlichen Raum. Die Straßenverkehrsbelastung reduziert sich um bis zu 11 Prozent, die gesellschaftlichen Mobilitätskosten steigen nur um 2 Prozent. Gleichzeitig sinkt der öffentliche Finanzierungsbedarf trotz massivem Angebotsausbau um 20 Prozent.

Im Mittelpunkt des Daseinsvorsorge-Szenarios steht die Idee einer Mobilitätsgarantie: Jeder Mensch soll jederzeit und überall Zugang zu einem attraktiven öffentlichen Verkehrsangebot haben – unabhängig von Wohnort, Alter oder Einkommen. Die Mobilitätsgarantie definiert klare Mindeststandards: maximal zehn Minuten Wartezeit in Metropolen, 15 Minuten in Städten und 30 Minuten im ländlichen Raum. Die Distanz zur nächsten Haltestelle darf höchstens 300 Meter betragen, die Fahrzeit soll maximal 50 Prozent über der Pkw-Fahrzeit liegen. Diese Vorgaben bilden die Grundlage für ein integriertes Mobilitätssystem, das Linienverkehre, Expressbusse und flächendeckende On-Demand-Angebote miteinander verzahnt.

Massiver Ausbau des ÖPNV

Im Gegensatz zu heutigen Strukturen setzt das Szenario auf eine grundlegende Netzoptimierung. Autonome Linienbusse und On-Demand-Shuttles schließen Angebotslücken und sorgen für kurze Wege. Expressbusse entlasten überlastete Schienenverbindungen, während flexible Ride-Pooling-Angebote die Fläche erschließen. Alle Angebote sind über eine zentrale Plattform buchbar und tariflich integriert. Damit entsteht ein nahtloses, multimodales System, das erstmals echte Wahlfreiheit zwischen Pkw und öffentlichem Verkehr ermöglicht.

Trotz des massiven Ausbaus steigen die gesellschaftlichen Mobilitätskosten laut Studie nur um zwei Prozent auf 352 Milliarden Euro. Möglich werde dies durch die Reduktion der Pkw-Nutzung und eine neue Tarifstruktur: Das bundesweite Abo kostet künftig 100 Euro, On-Demand-Fahrten werden kilometergenau abgerechnet. Der staatliche Finanzierungsbedarf sinkt von heute 24 Milliarden Euro auf 19 Milliarden Euro.

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