Stadtbusse mit vollelektrischem Antrieb gehören inzwischen zum Straßenbild in vielen Städten. Elektrisch angetriebene Reisebusse sind aber noch die Ausnahme. Deren Einsatz stehen bisher die mangelnde Reichweite entgegen - es gibt meist keine Möglichkeit, die Batterien zwischenzuladen.
Diesen Umstand will das Projekt Elch (ELectrified CoacH) ändern. Ziel ist ein ganzheitlicher Ansatz vom Energieverbrauch bis zur Fertigung für batterieelektrische Reisebusse. Am Projekt sind Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie KIT und Daimler Buses beteiligt. Zu den Partnern gehört zudem die Universität Mannheim, die Technische Universität Kaiserslautern und der Betreiber Flix.
Anforderungen schließen sich gegenseitig aus
Die Anforderungen sind teils gegensätzlich: Nötig sind große Reichweite im Fernverkehr, Flexibilität im Einsatz, Zwischenladungen für Batterien, hohe Zuladung und der Raumbedarf für Fahrgäste und Gepäck. Bisher sei es noch keinem Bushersteller gelungen, einen batterieelektrischen Reisebus zu entwickeln, der praxistaugliche Reichweiten und Verfügbarkeit für ein breites Spektrum der Einsatzbedingungen abdeckt. Daimler verspricht nun: Ab dem Ende dieses Jahrzehnts will der Hersteller mit seinen Marken Mercedes-Benz und Setra vollelektrisch angetriebene Reisebusse anbieten.
Die Wissenschaftler bringen dabei ihr Fachwissen im Umgang mit großen Datenmengen ein. „Wir analysieren Einsatzbedingungen wie die Verfügbarkeit einer Ladeinfrastruktur oder den Energiebedarf des Busses und entwickeln eine intelligente Betriebsstrategie“, sagt Eric Sax vom KIT. Die Forschenden betrachten außerdem mithilfe von Künstlicher Intelligenz, wie sich der Energiebedarf minimieren, die Last des Antriebsstrangs optimal verteilen und sich Energie effizient rückgewinnen lässt.
Ziel des Elch-Projekts ist die Entwicklung eines modular aufgebauten Antriebsstrangs einschließlich zweier emissionsfreier und praxisgerechter Demonstrations-Fahrzeuge in den kommenden vier Jahren. Sie werden im Anschluss unter realen Einsatzbedingungen erprobt.
Bauraum soll Dieselbussen entsprechen
Der Bauraum der Fahrzeuge soll so weit wie möglich den heutigen Dieselbussen entsprechen. Außer deren Reichweite sind der Erhalt von Fahrgastkapazität inklusive der Zuladung für das Reisegepäck wichtige Voraussetzungen für den Erfolg von E‑Reisebussen. Neben dem Antriebsstrang und der Batterietechnologie messen die Projektpartner den Themen Aerodynamik und Leichtbau eine wesentliche Rolle bei.
Zudem wird die Wirtschaftlichkeit der resultierenden Fahrzeugkonzepte aus Sicht der Betreiber bewertet und in der Konzeptdefinition berücksichtigt. Ziel sei, kosteneffiziente Konzepte für einzelne Fahrzeuge und ganze Flotten von elektrisch angetriebenen Reisebussen für die verschiedenen Einsatzprofile zu identifizieren. (wa)



