Im Nordhessischen Nahverkehr gibt es ein funktionierendes System, um die Fahrgastnachfrage automatisch zu ermitteln. Das teilt die Universität Kassel mit. Ein Forschungsprojekt, das auch Daten über Handystandorte auswertet, sei erfolgreich abgeschlossen worden.
Das neue System helfe Verkehrsgesellschaften dabei, ihre Planung an der Nachfrage zu orientieren. Damit sei es möglich, teure Fahrgastbefragungen zu reduzieren. Der Praxistest lief beim Nordhessischen Verkehrsverbund NVV. Das Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel war daran beteiligt.
Der Datenschutz war sehr wichtig
Drei Jahre lang war ein Projektkonsortium der Frage nachgegangen, wie sich verschiedene Datenquellen zur Ermittlung der Fahrgastnachfrage im ÖPNV nutzen lassen. Datenschutzkonform haben Wissenschaftler und Praktiker hierfür ein geeignetes Verfahren entwickelt und in Nordhessen getestet. Das Projekt soll den Weg bereiten, um künftig aktuellere und aussagekräftigere Nachfragedaten zur ÖPNV-Nutzung bereitzustellen.
Das im Forschungsprojekt entwickelte Verfahren basiert auf der Fusion mehrerer Datenquellen. Dazu gehören Zähldaten aus dem Automatischen Fahrgastzählsystem (AFZS) und mittels Sensorik erfasste WLAN- und Bluetooth-Signale. Außerdem gehen Anfragen aus der Fahrplanauskunft und Wetterdaten ein.
Frage nach der Quelle-Ziel-Verflechtung
Die automatisierte Verknüpfung der Datenquellen ermöglicht tagesaktuelle Informationen über die Fahrgastnachfrage. Darin sind vor allem auch Informationen über Quelle-Ziel-Verflechtungen enthalten, also die Antwort auf die Frage: Von wo nach wo fahren die Fahrgäste und wo steigen sie um?
Für den Pilotbetrieb wurden zusätzlich zum AFZS acht Testlinien, 40 Haltestellen und 50 Fahrzeuge mit WLAN- und Bluetooth-Sensorik ausgestattet. Für die Kalibrierung wurden zudem zwei Fahrgastbefragungen durchgeführt. Das Verfahren soll zukünftig im Praxiseinsatz weiterentwickelt und für spezifische Anwendungen optimiert werden.
„Es ist ein großer Erfolg, dass wir mit Projektabschluss ein funktionierendes Verfahren vorweisen können. In Zukunft wird es vor allem darum gehen, weitere Datenquellen zu erschließen und dadurch die Aussagekraft der Ergebnisse zu steigern“, sagt Projektleiterin Antje-Mareike Dietrich von der WVI GmbH aus Braunschweig. (wa)



