Das Deutschlandticket soll die Menschen motivieren, häufiger den Nahverkehr zu nutzen. Ob es die Erwartungen erfüllt, zeigt eine repräsentative Befragung zum Mobilitätsverhalten. Die Fraunhofer-Institute IAO und IML haben auf ihre Fragen mehr als 3700 Antworten bekommen.
Für die Leute spielt der Preis des Deutschlandtickets eine wichtige Rolle. 49 Euro sind für die meisten ein akzeptabler Preis. Die Befragten empfanden 33 Euro als günstig, 53 Euro als teuer, während 75 Euro als zu teuer angesehen wurden. Auffällig ist laut der Fraunhofer-Institute aber, dass besonders die Nicht-Nutzenden des Deutschlandtickets nicht bereit wären, mehr zu zahlen.
Woran die Nutzung scheitert
Nicht-Nutzende des Nahverkehrs vermissen vor allem passende Verbindungen (36 Prozent), Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit (28 Prozent) sowie gute Anbindung der Haltestellen (23 Prozent). Dennoch zeige die Studie, dass das Deutschlandticket die Nutzung des ÖPNV fördert und eine Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr bewirkt. Das Ticket werde von der Bevölkerung grundsätzlich positiv wahrgenommen. „Es bedarf aber weiterer Maßnahmen wie besserer ÖPNV-Anschlüsse vor allem im ländlichen Raum sowie eines insgesamt zuverlässigeren Nahverkehrs, um einen großen Effekt zu erzielen«, betont Uwe Clausen, Institutsleiter am Fraunhofer IML und Vorsitzender der Fraunhofer-Allianz Verkehr.
Die Analyse zeigt außerdem, dass sich Nutzende und Nicht-Nutzende in Lebenssituationen, Persönlichkeitsmerkmalen und Mobilitätsverhalten stark unterscheiden. Keine Rolle spielt das Geschlecht. Das Alter ist jedoch umso relevanter.
Nutzende des Deutschlandtickets sind meist jünger und oft unter 55 Jahre alt, haben einen höheren Bildungsgrad und arbeiten in Vollzeit. Nicht-Nutzende sind häufiger 55 oder älter, im Ruhestand, leben meist zu zweit und haben ein niedrigeres Einkommen. Nutzende bezeichnen sich selbst als umweltbewusste ÖPNV-Fahrende. Nicht-Nutzende hingegen sind eher auf das Auto angewiesen und steigen seltener in Busse und Bahnen.
Das Ticket wird meist nur lokal verwendet
Anders als erwartet wird das Ticket von den Befragten selten deutschlandweit verwendet. Es kommt vor allem als lokale Erweiterung zum Einsatz und hilft dabei, den unübersichtlichen Tarif- und Verkehrs-Dschungel zu durchkämmen.
Generell erzeugt das Deutschlandticket vergleichsweise wenig Mehrverkehr. Mit Blick auf Nachhaltigkeitspotenziale trägt es laut Studie dazu bei, dass Menschen den ÖPNV häufiger nutzen als noch vor der Einführung des Tickets. Dabei werden Autofahrten, aber zu einem gewissen Teil auch zuvor mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegte Wege, reduziert.
Sebastian Stegmüller vom Fraunhofer IAO zieht ein positives Fazit „Vor allem aufgrund der gestiegenen Akzeptanz des ÖPNV und der Nachhaltigkeitseffekte kann das Deutschlandticket auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse als grundsätzlicher Erfolg gewertet werden. Dabei ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Besonders mit Blick auf Regionen mit eingeschränkter Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel müssen neue Mobilitätslösungen gedacht, erprobt und etabliert werden.“



