Corona hat die Carsharing-Branche nur kurz ausgebremst. Massives Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2021 hat die Delle der ersten Monate mehr als ausgeglichen. Die Branche ist 2021 weiter deutlich gewachsen. Sie könnte aber noch kräftiger zulegen, wenn sich einige Rahmenbedingungen ändern.
Sowohl die Zahl der Nutzer als auch die Zahl der Orte, in denen Carsharing bereitgestellt wird, ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Anbieter haben zudem ihre Flotten erheblich ausgebaut. Das zeigen die Zahlen für 2021, die der Bundesverband CarSharing (bcs) vorgestellt hat.
Wachstum auch in der Fläche
Rund 3,4 Millionen Kunden sind bei den Anbietern von Carsharing angemeldet. Das sind 18 Prozent mehr als im Jahr 2020. Die Zahl der angebotenen Fahrzeuge hat sich im gleichen Zeitraum um 15,2 Prozent auf jetzt 30.200 erhöht.
Das Angebot sei auch in der Fläche stark gewachsen. Zum Jahreswechsel gab es in Deutschland 935 Städte und Gemeinden mit Carsharing-Angebot. Das sind 80 Kommunen mehr als im Vorjahr. Neu hinzugekommen sind vor allem kleinere Städte und Gemeinden im ländlichen Raum.
Branche will dem Nahverkehr keine Fahrgäste wegnehmen
Ganz unproblematisch ist diese Wachstum aber nicht. Durch die Corona-Pandemie habe es im zweiten Halbjahr 2021 auch Wanderungsbewegungen vom Öffentlichen Nahverkehr zum Carsharing gegeben. Das sei eigentlich nicht im Sinne der Branche, erklärt bcs-Geschäftsführer Gunnar Nehrke. Die Unternehmen legten Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit dem ÖPNV. Nehrke glaubt aber, dass Carsharing zur Abschaffung privater Pkw führt. Menschen ohne Auto seien sehr viel multimodaler unterwegs - per Bus, Bahn, mit dem Fahrrad, zu Fuß oder eben mit dem Carsharing-Auto.
Ein knappes Viertel der rund 30.000 Carsharing-Fahrzeuge sind Elektroautos. Im vergangenen Jahr lag dieser Anteil noch bei 18,5 Prozent. Damit investieren die Anbieter weiterhin stark in die Antriebswende. Zum Vergleich: Der E-Anteil in der gesamten bundesdeutschen Pkw-Flotte liegt bei rund zwei Prozent.
Hohe Parkgebühren schrecken ab
Der Ausbau des Angebots stoße aber immer noch vielerorts an Grenzen. Der Bund müsse funktionierende Förderstrukturen für den Ausbau einer für Carsharing-Fahrzeuge nutzbaren Ladeinfrastruktur schaffen. Die Kommunen sollten die Einrichtung von Carsharing-Stellplätzen im öffentlichen Raum schnell vorantreiben.
Durchaus problematisch für die Unternehmen sei auch die unterschiedliche Handhabung von Parkgebühren in den Kommunen. Es gebe durchaus erfolgreiche Verhandlungen beispielsweise über Vignettenlösungen. Andere Kommunen aber „rechnen die Parkgebühren minutenweise ab - und das 24 Stunden am Tag“, beklagt sich Nehrke. (wa)



