Mobilität ist eine Voraussetzung für soziale Teilhabe. Einschränkungen in der Mobilität bedeuten deshalb auch Einschränkungen in der sozialen Teilhabe. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Mit einem Diskussionspapier will der Thinktank Agora Verkehrswende das Problem beschreiben und mögliche Lösungen zeigen. Betroffen sind Menschen vor allem dann, wenn sie sich Mobilität finanziell nicht leisten können, Orte des täglichen Bedarfs nicht gut erreichen, keinen Anschluss an Mobilitätsangebote haben oder wenn Mobilität viel Zeit und Organisation erfordert.
Mobilitätsarmut in Deutschland könne so angegangen werden, dass sowohl soziale Teilhabe als auch Klimaschutz gestärkt werden. Politische Maßnahmen müssten laut Agora vor allem darauf abzielen, die Abhängigkeit vom Auto zu verringern, einkommensarme Haushalte zu entlasten sowie Wege einfacher und kürzer zu gestalten oder überflüssig zu machen.
Steigende Benzinpreise verschärfen das Problem
„Deutschland steht erst am Anfang, sich ernsthaft mit Mobilitätsarmut zu beschäftigen“, sagt Wiebke Zimmer, stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende. „Schon im ersten Überblick wird deutlich: Das Thema ist auch in Deutschland relevant und wird noch relevanter werden, wenn die Preise für fossile Kraftstoffe zunehmend die Kosten für Klimaschäden enthalten.“
Deutschlands starke Ausrichtung auf das Auto berge große soziale Risiken. Subventionen nach dem Gießkannenprinzip wie Tankrabatte erreichten nur zu einem kleinen Teil diejenigen, die es tatsächlich brauchen. Von Pendlerpauschale und Dienstwagenbesteuerung profitieren vor allem Menschen mit hohen Einkommen. Umso wichtiger sei es, Mobilitätsarmut anzugehen und Maßnahmen zu entwickeln, die der sozialen Teilhabe und dem Klimaschutz zugleich dienen.“
Das ÖPNV-Angebot ist ein wichtiger Schlüssel
Einen großen Unterschied macht nach Einschätzung von Agora Verkehrswende das Angebot an Bus- und Bahnverbindungen. Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland haben keinen oder nur einen sehr schlechten Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Hinzu kommen Einschränkungen, wenn es an barrierefreien Zugängen oder vergünstigten Tarifen fehlt.
Als Alternative bleibe dann oft nur der eigene Pkw. Doch auch wer ein Auto hat, könne nicht immer wie gewünscht mobil sein. Vor allem einkommensarme Haushalte mit erwerbstätigen Personen müssten eher an anderer Stelle sparen, wenn sie für den Arbeitsweg auf das Auto angewiesen sind. (wa)
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