Neunzig Tage lang Nahverkehr für neun Euro pro Monat - ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Die Koalition hat die Maßnahme schnell beschlossen, doch nun geht es an die Umsetzung. Und da steckt der Teufel im Detail.
Erwartungsgemäß gibt es schon viele Anfragen von interessierten Kunden bei den Verkehrsunternehmen. Doch die wurden von der Maßnahme völlig überrascht. Und es zeigt sich, dass viele Detailfragen noch völlig ungeklärt sind. Für welche Räume oder Zonen gilt das Ticket, ab wann wird es eingeführt oder was passiert mit bestehenden Nahverkehrs-Abos?
Das Ticket soll auch für Abokunden gelten
Zu einer zentralen Frage hat sich die Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, schon positioniert: Das Ticket gelte auch für Fahrgäste mit bestehendem Monatsabo. „So entlasten wir gezielt auch die, die heute schon den ÖPNV nutzen“, teilte sie auf Twitter mit. Diese Angaben wurden später von Bundesverkehrsminister Volker Wissing bestätigt.
Am Freitag tagten die Landesverkehrsminister zusammen mit Wissing. Diese Sonderkonferenz war schon vor der Ticket-Entscheidung angesetzt worden. Es sollte eigentlich um die Finanzierung des ÖPNV gehen, konkret um eine Erhöhung der Regionalisierungmittel.
Teils chaotische Konferenz
Eine anschließend geplante Pressekonferenz wurde mehrfach verschoben. Aus vielen Ländern seien Hinweise auf Probleme und offene Fragen gekommen, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Die Rede war von einer „teils chaotischen“ Konferenz.
Ergebnis: Die günstigeren Tickets sollen ausschließlich online verkauft werden, um den administrativen Aufwand so niedrig wie möglich zu halten. Auch Fahrgäste, die bereits ein Abo haben, sollen laut Wissing von der Vergünstigung profitieren. Die Kosten für Abos würden dann nicht abgebucht oder erstattet. Die 9-Euro-Tickets gälten dann in den Verbundbereichen, in denen das sonst übliche Monatsticket auch gegolten hätte.
Unklar ist der genaue Starttermin des Rabatts. Im Gespräch war dem Vernehmen nach der 1. Mai oder der 1. Juni. „Die technische Abwicklung wird in den kommenden Tagen erörtert, damit das Ticket auch zeitnah an den Start gehen kann“, sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens
Zur Finanzierung hat die Ampel-Koalition geplant, die Regionalisierungsmittel so zu erhöhen, dass die Länder dies organisieren können. Diese Mittel gibt der Bund den Bundesländern eigentlich zur Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs, also etwa für Regionalbahnen oder S-Bahnen. Wissing sprach von Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro, die der Bund den Ländern erstatte. Wenn mehr Geld notwendig sei, werde sich der Bund nicht verweigern.
Um den administrativen Aufwand gering zu halten, hatten die Länder vorgeschlagen, einen Nulltarif einzuführen. Wissing lehnte das ab, weil es mit einem bezahlten Ticket leichter sei, die zusätzliche Nachfrage nachzuvollziehen.
„Populistischer Schnellschuss“
Der Fahrgastverband Pro Bahn nannte das Ticket einen „populistischen Schnellschuss ohne nachhaltige Wirkung“. Aus Sicht von Pro Bahn sei es sinnvoller, die Mittel in den Ausbau des ÖPNV zu investieren. Der Fahrgastverband monierte auch, dass zu viele Fragen zur praktischen Umsetzung offen seien. (wa/dpa)



