Die Finanzierung des Deutschlandtickets ist noch nicht endgültig geklärt.

Die Finanzierung des Deutschlandtickets ist noch nicht endgültig geklärt.

Bild: © Nikkimeel/Adobe Stock

Vor knapp einem Jahr wurde das Deutschlandticket eingeführt: Für 49 Euro pro Monat können Fahrgäste praktisch den gesamten Nahverkehr mit Bussen und Bahnen im Land nutzen. Die Nachfrage ist hoch, die Fahrgastzahlen haben deutlich zugenommen, doch die Finanzierung des Angebots steht aus Sicht der ÖPNV-Branche auf wackeligen Füßen. Das wurde auf einer Pressekonferenz des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) deutlich, an der auch Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer teilnahm.

Das Fazit der Branche: Auf der Nachfrageseite ist das Deutschlandticket ein Erfolg, auf der Einnahmenseite nicht. Im Monatsdurchschnitt besitzen 11,2 Mio. Menschen ein Ticket. Im Laufe des ersten Jahres haben sogar rund 20 Mio. Bürgerinnen und Bürger mindestens einmal ein Deutschlandticket besessen. Drei Viertel der Ticketbesitzer planen, dauerhaft das Angebot zu nutzen. Durch das Ticket seien die Fahrgäste in die Busse und Bahnen zurückgekehrt, heißt es beim VDV. Die coronabedingten Fahrgastverluste seien damit weitgehend rückgängig gemacht worden.

Krischer: Das Deutschlandticket bleibt

Minister Krischer äußerte sich zunächst sehr deutlich: Er sei sich absolut sicher, dass das Ticket auch in den nächsten Jahren eine dauerhafte Erfolgsgeschichte wird. Die grundsätzliche Finanzierungsarchitektur sei geklärt, es gebe im Lauf der kommenden Monate nur noch die „Frage, wie man das am Ende abwickelt“. Für die Länder, aber auch für den Bund könne er dieses deutliche Signal überbringen. Dankbar sei er der Branche, dass sie den Weg mitgegangen sei – auch wenn es kritische Stimmen gegeben habe.

Dass die Akzeptanz bei Kunden ein voller Erfolg sei, zeigte VDV-Präsident Ingo Wortmann, der auch Vorsitzender der Geschäftsführung der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist. Die Zahl der Fahrgäste liege in München an Werktagen mit 95 Prozent knapp unter dem Vor-Corona-Niveau, aber an Wochenenden bei 120 Prozent. Die Zahl der Abos habe sich in München auf gut 500.000 mehr als verdoppelt.

Damit Menschen in größerer Zahl vom Auto in den Nahverkehr umsteigen, hat sich die Branche als Ziel nun 15 Mio. Deutschlandticket-Nutzer gesetzt. „Das schaffen wir aber nur, wenn das Ticket vollständig durchfinanziert ist“, so Wortmann. Er verwies dabei auf hohe Materialpreissteigerungen und wachsende Personalkosten. In dieser Situation versuche die Branche, das Angebot zu halten. „Wir müssen dringend vermeiden, dass wir zwar ein tolles Ticket haben, aber das Angebot von Bussen und Bahnen einschränken müssen. „Das macht uns alle unglaubwürdig, sowohl Unternehmen als auch die Politik“, so Wortmann.

Es gibt zu viele Varianten

Laut VDV-Vizepräsident Knut Ringat vom Rhein-Main-Verkehrsverbund muss das Deutschlandticket einheitlicher werden. Nach seiner Zählung gibt es mehr als 150 Unterschiede. Seine Forderungen an die eigene Branche: Bundesweites Marketing, einheitliche Bestimmungen, einheitliche Vertriebsstruktur und faire Verteilung der Einnahmen. „Dafür brauchen wir auch eine Administration“, so Ringat. Derzeit buhle eine dreistellige Zahl von Unternehmen mit eigenen Apps um Kunden. Stattdessen wäre eine einheiliche digitale Vertriebsplattform sinnvoll, mit der sich auch massiv Kosten einsparen ließen. „Müssen wir noch schaffen“, so Ringat.

Aus Sicht von Stefanie Haaks, Vorsitzende des VDV-Wirtschaftsausschusses und Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), ist das Ticket zwar für die Kunden ein Erfolg, nicht aber für die Einnahmenseite der Verkehrsunternehmen. Das liege daran, dass die meisten Abonnenten aus zuvor deutlich teureren Abo-Verträgen oder dem Bartarif gewechselt sind.

Klimaschutzziele „keine kommunale Aufgabe“

Wenn der Ausgleichsbedarf für diese Mindereinnahmen nicht weiter steigen soll, müssen Bund und Länder dringend zu einer Einigung bei der Preisgestaltung und langfristigen Finanzierung kommen, etwa durch einen Preisindex. Im übrigen verwies Haaks darauf, dass das Erreichen von Klimaschutzzielen „keine kommunale Aufgabe ist“. (wa)

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