Im vergangenen Jahr fuhren fast doppelt so viele Busse mit elektrifizierten Antrieben auf Deutschlands Straßen wie 2020. Die Zahl kletterte von 683 auf 1269. „Das Jahrzehnt des E-Busses hat begonnen“, heißt es im fünften „E-Bus-Radar“ der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Deutschland.
Mehr als die Hälfte der Busse mit elektrifiziertem Antrieb sind in den drei Ländern Nordrhein-Westfalen (297), Hessen (186) oder Hamburg (162) im Einsatz. In Berlin sind wie im Vorjahr 137 E-Busse im unterwegs. Die Hauptstadt rangiert somit auf Platz vier, gefolgt von Niedersachsen (117), Baden-Württemberg (94) und Bayern (88). Die übrigen Länder betreiben insgesamt 188 Busse mit elektrifiziertem Antrieb.
Große Pläne in Berlin und Hamburg
Die überwiegende Mehrheit davon sind Batteriebusse (1.066). Die anderen Antriebsarten machen nur wenige Prozent aus: So fahren aktuell 88 Busse mit Brennstoffzellenantrieb und 80 Oberleitungsbusse sowie 35 Plug-In-Hybrid-Busse im deutschen ÖPNV.
Zehn Städte planen derzeit besonders umfangreiche Anschaffungen von E-Bussen. Dazu zählen Berlin (+1530), Hamburg (+1066), Kiel (+224), Essen (+217) und Wiesbaden (+208).
Fünf Hersteller dominieren den Markt
Aktuell entfallen auf fünf Fahrzeughersteller rund 85 Prozent des Marktes. Die E-Busse stammen überwiegend aus den Werken von Mercedes Benz (428), Solaris (287), VDL (239), van Hool (64) und Ebusco (53).
Mit 88 Fahrzeugen sind Elektrobusse mit Brennstoffzellenantrieb aktuell weniger stark verbreitet. Führend ist hier die Region Köln mit derzeit 52 Brennstoffzellenbussen. Wuppertal betreibt elf, Höchst acht solcher Fahrzeuge.
Bis 2025 wollen die Verkehrsunternehmen nach aktuellen Planungen knapp 3400 rein elektrisch angetriebene Busse anschaffen. Davon sind auch 513 mit Brennstoffzellenantrieb. Bis zum Jahr 2030 gibt es bereits heute Planungen für mehr als 5500 weitere elektrisch angetriebene Busse. Und diese Zahl steigt nahezu täglich, da immer mehr Kommunen und Verkehrsunternehmen ihre Planungen konkretisieren.
EU-Direktive kurbelt den Markt an
Aktuell machen Elektrobusse erst rund 2,4 Prozent der gesamten ÖPNV-Busflotte von rund 54.000 Fahrzeugen aus. PwC rechnet aber mit starken Impulsen durch die Clean Vehicles Directive der Europäischen Union. Sie sieht verpflichtende Mindestquoten für die Beschaffung emissionsfreier Busse vor: Bis 2025 muss der Anteil „sauberer“ Fahrzeuge an den neubeschafften Bussen mindestens 45 Prozent betragen. Mindestens die Hälfte von ihnen muss „emissionsfrei“ sein, etwa Batterie- und Brennstoffzellenbusse. Ab 2026 steigt die Pflichtquote auf 65 Prozent.
„Die Frage ist nicht, ob Verkehrsunternehmen ihre Flotten umstellen sollten, sondern wie sie am besten dabei vorgehen“, sagt PwC-Partner Hansjörg Arnold. „Unternehmen brauchen Standards für die Ladeinfrastruktur. Zugleich bietet die Digitalisierung der E-Bus-Systeme große Chancen dafür, die Betriebsabläufe zu optimieren. Verkehrsunternehmen brauchen eine zukunftssichere Elektrifizierungsstrategie – eher heute als morgen.“ (wa)



