Die Straßenbahnen der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) bringen rund 80 Prozent aller Fahrgäste an ihr Ziel. Die weiteren 20 Prozent der Fahrgäste nutzen Busse. Jetzt bereitet der größte nordhessische Mobilitätsdienstleister auch seine Busflotte für eine emissionsfreie Zukunft vor. Als letzten Schritt vor der Ausschreibung der ersten E-Bus-Tranche testet die KVG Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller auf „Herz und Nieren“.
Inzwischen steht in Kassel der erste E-Bus-Test auf dem Programm: Von den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) kommt als Leihgabe ein Bus des Herstellers Solaris. Etwa eine Woche lang wird er im realen KVG-Linienverkehr fahren. Mindestens ein weiterer Bus, diesmal von der Daimler AG, soll im September folgen.
Hügeliges Land und enge Kurven
Das Kasseler Liniennetz sei anspruchsvoll wie bundesweit kaum ein zweites für den E-Busbetrieb, heißt es bei der KVG. Die Topografie ist sehr hügelig, die Straßenradien sind vielfach eng, Busse fahren im Pulk mit Bahnen, und die Linienbusse der KVG absolvieren bis zu 380 km am Tag auf den unterschiedlichsten Linien, ohne in den Betriebshof zurückzukehren.
„Städte mit wesentlich einfacheren topografischen und verkehrlichen Bedingungen, die Elektrobusse in ihren Dienst gestellt hatten, mussten bereits ihren Betrieb völlig neu strukturieren“, erklärt KVG-Vorstand Olaf Hornfeck. Deshalb wollen die Verkehrsbetriebe vor der Ausschreibung der ersten E-Bus-Tranche möglichst genau wissen, was die Fahrzeuge leisten können und, wo sie eingesetzt werden können. Die europaweite Ausschreibung für die ersten zwölf Elektrobusse, die noch im Herbst auf den Weg gebracht werden soll, könne dann deutlich zielgerichteter starten.
Muss auch auf der Strecke geladen werden?
„Knackpunkt“ sei die Planung der Lade-Infrastruktur. Fest steht schon, dass die künftige E-Busflotte der KVG nachts im Betriebshof geladen werden soll. Fraglich ist aber, ob auch Ladepunkte im Liniennetz notwendig sind. Auch dafür sind die Tests gedacht.
Aufgrund der komplexen Planung werden die ersten E-Busse voraussichtlich erst im Jahr 2023 durch Kassel rollen, heißt es bei der KVG. (wa)



