Die Fahrgastzahlen auf dem hohen Vorjahresniveau gehalten, die Verkehrswende vorangetrieben, das Jahresergebnis besser als geplant: Bei der Mobilitätstochter moBiel des Stadtwerke Bielefeld-Konzerns ist man zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2019. Knapp 60,1 Millionen Fahrgäste nutzten im Jahr 2019 Busse und Bahnen von moBiel – genauso viele wie im Vorjahr. "Auch wenn erstmals seit Inbetriebnahme der StadtBahn 1991 die Fahrgastzahl nicht gewachsen ist, sondern stagnierte, ist dieses Ergebnis ein Erfolg", bewertet Geschäftsführer Martin Uekmann die Zahlen. Dabei verwies er insbesondere auf die schwierigen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die rege Bautätigkeit in der Stadt.
Das Jahresdefizit erhöhte sich leicht auf -23,3 Mio. Euro (Vorjahr: -22,1 Mio. Euro), dem standen höhere Umsatzerlöse von 61,6 Mio. Euro (Vorjahr: 60,1 Mio. Euro) gegenüber. Der Aufwanddeckungsgrad konnte leicht auf 75,6 Prozent (Vorjahr: 75,1 Prozent) verbessert werden. Er besagt, dass moBiel Dreiviertel des betrieblichen Aufwands aus eigener Anstrengung decken konnte. Rund 24,5 Mio. Euro (Vorjahr: 42, 8 Mio Euro) wurden im vergangenen Jahr investiert. Die Mittel flossen unter anderem in den Ausbau der StadtBahn-Linie 3 in der östlichen Innenstadt sowie den Kauf von 18 umweltfreundlichen Mildhybrid-Bussen.
Neue Sharingangebote kommen gut an
Einen großen Schritt in Richtung Mobilität der Zukunft ist das Verkehrsunternehmen laut eigenen Angaben in den letzten eineinhalb Jahren gegangen. Verschiedene Sharingangebote, wie E-Motorroller, Elektroautos, Rufbusse und Leihfahrräder, ergänzen jetzt den klassischen Linienverkehr mit Bus und StadtBahn. Sie machen den Nahverkehr flexibler und bieten den Kunden maßgeschneiderte Mobilität. »Wir sind mit den ersten Monaten respektive Wochen insgesamt zufrieden«, zieht Cornelia Christian, Geschäftsbereichsleiterin Kundenmanagement eine erste Bilanz. »Leider hat nach gutem Start im letzten Jahr die Coronapandemie auch unsere neuen Angebote ausgebremst. Aber grundsätzlich haben die Bielefelderinnen und Bielefelder die neuen Verkehrsmittel sehr positiv aufgenommen.«
Die Bielefelder Mobilität der Zukunft soll sich laut moBiel durch einen noch höheren Digitalisierungsgrad auszeichnen. Ziel sei es, dass ab 2021 die Kunden für ihren Mobilitätswunsch über eine einzige App umfassende Informationen zur besten Verkehrsmittel- und Ticketwahl bekommen und dort auch gleich buchen und bezahlen können. Christian: »Das Smartphone soll zum Ersatz für den Autoschlüssel werden und genau so einfach zu bedienen sein.«
Clipticket stößt auf positive Resonanz
Auch bei den Ticketverkäufen spürt moBiel den Trend zum Digitalen. So habe man das im April 2018 eingeführte Clipticket für Gelegenheitsfahrer im Jahr 2019 456.732 Mal verkauft (April - Dezember 2018: 173.177). Die Kunden schätzten das preiswerte (1,35 Euro) und flexibel zu beziehende Ticket, heißt es. Die allermeisten moBiel-Fahrgäste sind jedoch Stammkunden. 86 Prozent von ihnen (2018: 87 Prozent) waren im vergangenen Jahr mit Dauerkarten in Bus und Bahn unterwegs. Die größte Kundengruppe mit 54,7 Prozent sind die Nutzer der verschiedenen Abo-Formen und Zeitkarten.
Investition in Brennstoffzellenbusse und Wasserstofftankstelle
Für 2020 hält das Unternehmen trotz der erschwerten wirtschaftlichen Situation an den geplanten Investitionen von insgesamt rund 60 Mio. Euro fest. Allein für die 24 neuen Vamos-Stadtbahnen, von denen die erste Ende des Jahres ausgeliefert werden soll, sind in diesem Jahr 29,8 Millionen Euro fällig. Weitere 3,1 Millionen Euro kosten zehn neue Mildhybrid-Busse. Weitere sechs Millionen Euro hat moBiel in diesem Jahr für die Beschaffung von vier Brennstoffzellenbussen und die dazu gehörige Wasserstofftankstelle eingeplant.
Das Unternehmen setzt auf Wasserstoffbusse, weil es diese für zukunftsfähiger hält als batterie-elektrische Modelle. Die Vergabe soll diesen Sommer erfolgen, für die Auslieferung hofft moBiel auf den Jahreswechsel 2021/2022. "Praktisch die komplette Busflotte mit Euro-VI-Norm, dazu der Einstieg in die Wasserstoffnutzung – Bielefelds Nahverkehr ist deutschlandweit besonders sauber und klimafreundlich", betont Kai-Uwe Steinbrecher, technischer Leiter von moBiel. Man habe nicht einzelne Elektrobusse gekauft und den Rest gelassen, wie er ist, sondern in der Breite in Klimafreundlichkeit investiert.
Corona ließ Fahrgastzahlen einbrechen
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen indes mit deutlichen Auswirkungen der Coronakrise auf das Jahresergebnis. Im März brachen die Fahrgastzahlen ein, im April fuhr nur noch ein Viertel der Fahrgäste mit – 55.000 statt 220.000 an einem normalen Werktag. Anfang Juni hatte sich die Auslastung der Fahrzeuge auf etwa 40 Prozent des Normalen erholt. „Dieser Rückgang der Fahrgastzahlen wird sich bis zum Jahresende nicht ausgleichen lassen“, heißt es in der Pressemitteilung.
Millioneneinbuße wahrscheinlich
Geschäftsführer Martin Uekmann geht davon aus, dass die Corona-Pandemie selbst bei weiterhin positiver Entwicklung ein Loch in Höhe eines mittleren einstelligen Millionenbetrags in die Kasse reißen wird. Die finanziellen Folgen der Pandemie seien so heftig, dass man ebenso wie die anderen Verkehrsunternehmen und der Dachverband VDV froh sei, dass Bund und Land den systemrelevanten Nahverkehr mit einem Milliardenbetrag unterstützen wollen. »Denn wir brauchen den ÖPNV auch nach Corona, um Verkehrswende und Klimaschutz zu stemmen.«
Normalfahrplan seit Anfang Mai
Trotz der stark gesunkenen Kundennachfrage hat moBiel selbst beim Sonderfahrplan während der Hochphase der Corona-Einschränkungen, der ab dem 30. März galt, immer noch Zweidrittel der Fahrten angeboten. Und seit dem 4. Mai fahren Stadtbahnen und Busse - mit Ausnahme der Nachtbusse – wieder nach Normalfahrplan. (hoe)



