"Wir arbeiten jetzt schon am Anschlag. Unsere Verkehrsmittel, egal ob U-Bahnen, Straßenbahnen oder Busse sind total überlastet, nicht nur in den großen Städten", betonte Wortmann zum Auftakt der VDV-Konferenz "Elektrobusse – Markt der Zukunft" am Dienstag in Berlin. Dazu kämen Investitionsrückstände von insgesamt 5 Milliarden Euro, bei Tunneln, Brücken sowie bei Betriebshöfen. Da der Ausbau der schienengebundenen Verkehrsmittel und der entsprechenden Infrastruktur Jahre oder Jahrzehnte dauere, müssten es nun "verstärkt die Busse richten".
Und hierbei seien Elektrobusse die gewünschte Option, unterstrich Wortmann. "Doch es wäre für uns wesentlich einfacher, wenn wir die E-Busse von der Stange kaufen könnten, das ist jedoch leider noch längst nicht der Fall". Das Hauptnadelöhr beim Markthochlauf in den Kommunen sei die Verfügbarkeit der Fahrzeuge. "Wir brauchen auch die nötige Infrastruktur", betonte Paul Hemkentokrax, Geschäftsführer der Aktiv Bus Flensburg. Auch bei kleineren und mittleren Verkehrsunternehmen wird zudem die Personalknappheit immer drängender. "Wir brauchen schließlich auch die Kollegen, die die Busse fahren können, sonst nutzen die saubersten Fahrzeuge nichts", so Hemkentokrax.
Fördermittel sollten kombiniert werden können
Die hohe Bedeutung der Kombinierbarkeit der Fördermittel von Bund, Land und Kommunen für die Beschaffung der E-Busse unterstrich Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Verkehrsbetriebe. "Das Zusammenbringen verschiedener Fördertöpfe ist für uns ein wesentlicher Punkt", so Middelberg, denn aufgrund der noch hohen Kosten der E-Busse reichten alleine die Bundesmittel hier nicht immer aus. Auch die die Kosten und die Komplexität der Installation der nötigen Ladeinfrastruktur sollten nicht unterschätzt werden, gerade im dicht bebauten städtischen Bereich. Zudem sei effizientes Laden auch eine Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb der Busse. In Bälde soll in Leipzig die erste reine E-Buslinie mit sieben Fahrzeugen starten.
Die Bedeutung einer sauberen Mobilität und alternativer Antriebstechnologien unterstrich Axel Volkery, Policy Officer bei der EU-Kommission. Derzeit sei die Richtlinie für saubere Fahrzeuge (2009/33/EG) in der Endabstimmung im Ministerrat und solle noch in der laufenden Legislatur vom Europaparlament bis Mai verabschiedet werden. Zudem solle auch die Standardisierung in der Ladeinfrastruktur für E-Busse auf den Weg gebracht werden. Auch sei geplant bei der Europäischen Investitionsbank eine Finanzfazilität aufzubauen, um die Finanzierung für alternative Antriebe zu verbessern und auch Verkehrsunternehmen verstärkt bei der Antragsstellung zu beraten. Volkery unterstrich, dass es auch nicht darum gehen dürfe, E-Busse gegen Wasserstoff betriebene Busse auszuspielen. "Wir brauchen die gesamte Palette der verfügbaren Technologien", unterstrich er.
Inkrafttreten der EU-Richtlinie verschieben, bis genügend E-Busse verfügbar sind
Gegen ein zu schnelles Tempo bei den vorgesehenen Quotenregelungen der EU-Richtlinie für saubere Antriebe sprach sich VDV-Präsident Wortmann gegenüber der ZfK aus. Denn aufgrund von Engpässen bei geeigneten E-Bussen würden so Verkehrsunternehmen für einen Übergangszeitraum zur Beschaffung von Erdgasbussen gedrängt, obwohl diese nicht sauberer seien als Busse mit der neuesten Dieseltechnologie, die jedoch wiederum von der geplanten Richtlinie nicht anerkannt würden.
"Wir plädieren deshalb für ein Inkrafttreten der Richtlinie erst ab dem Jahr 2025" und nicht wie geplant innerhalb der kommenden 30 Monate, sagte Wortmann gegenüber der ZfK. Bis dahin sieht er realistische Chancen, ausreichend E-Busse beschaffen zu können und auf die Straße zu bekommen. Doch derzeit wirke die geplante EU-Richtlinie eher wie ein Investitionsanreizprogramm für Dieselbusse. Denn viele Verkehrsunternehmen beschafften momentan, noch vor Inkrafttreten der neuen Regelung, Euro-6-Dieselbusse der neuesten Generation, um überhaupt genügend Fahrgäste befördern zu können. (hcn)



