"Mobilität ist sexy, das gefällt den Leuten." Davon zeigte sich Walter Casazza, der Chef der Stadtwerke Augsburg (swa), bei einem Vortrag auf der VKU-Vertriebstagung in Würzburg überzeugt. Als Antwort darauf haben die swa ein "Mobility-as-a-Service-Konzept" entwickelt. Zentraler Baustein ist eine Mobilitäts-Flatrate, die seit Oktober vergangenen Jahres in einem Pilotprojekt bei 50 Testkunden erprobt und Ende dieses Jahres auf den Markt gebracht wird. Bereits jetzt lassen sich erste Schlüsse aus der Testphase ziehen.
Für 75 Euro monatlich können die Testkunden ein ÖPNV-Abo im gesamten Augsburger Stadtgebiet nutzen, zusätzlich 30 Stunden Carsharing ohne Kilometerbegrenzung sowie Leihräder beliebig oft für jeweils bis zu 30 Minuten verwenden. Bereits nach wenigen Monaten zeigt sich laut Casazza: Die Kunden richten ihr Nutzungsverhalten weitestgehend nach ihrem Mobilitätsbedarf und nicht nach dem Stundenkontingent aus. Das manifestiert sich in einem schwankenden Nutzungsverhalten.
"Beim Preis müssen wir noch nachjustieren"
"Der Grundgedanke einer Flatrate, Sicherheit und Verfügbarkeit zu verkaufen statt tatsächlicher Nutzung, scheint also zu funktionieren", erklärte Casazza.Eine weitere Erkenntnis: Bei gleichem Preis stegen die Kunden auf höherwertige Fahrzeugklassen um. Die gegenwärtige Preisgestaltung ist laut Casazza allerdings nicht auf Dauer wirtschaftlich vertretbar. "Hier müssen wir beim Preis noch nachjustieren und gegebenenfalls auch noch beim Produkt weiter differenzieren", bekräftigte der swa-Chef.
Grundlage für die ersten Ergebnisse sind Mobilitätstagebücher der Teilnehmer und Gespräche mit den Kunde. Bis zu 20 Teilnehmer an dem Pilotprojekt lassen sich zudem tracken, hier arbeiten die swa mit der ETH Zürich zusammen. Die Ergebnisse seien zwar noch nicht verlässlich, lieferten aber bereits wichtige Indikatoren für die Gestaltung eines marktreifen Produktes, so Casazza.
Über die Flatrate zur Verhaltensänderung
"Die Mobilitäts-Flatrate ist sehr gut geeignet, um eine Verhaltensänderung beim Kunden zu erzielen", betonte er. Neben der genauen Ausgestaltung des Produktes müssen auch noch technische Prozesse umgestaltet und Systemschnittstellen geschaffen werden. So ist noch zu klären, wie die einzelnen Fahrten künftig erfasst werden, dies soll mit einer Billingmaschine gelöst werden.
Die Mobilitäts-Flatrate soll laut dem swa-Chef nur der erste Schritt sein, um ein Cross-Selling der eigenen Dienstleistungen zu intensivieren. Hier seien künftig auch andere Kombi-Produkte respektive Flatrates denkbar. "Wir sind ja auch Wasser- und Energieversorger. Wir wollen die Einfachheit bei der Produktgestaltung voranbringen und auch das Thema Plattformen. Das soll alles unter einer Plattform laufen", blickte der kommunale Energiemanager in die Zukunft.
Großes Potenzial beim Carsharing
Großes Potenzial für Stadtwerke sieht er im Bereich Carsharing. Dieser Bereich wachse bei den swa rasant, bis Ende des Jahres werde man rund 300 Fahrzeuge im Pool haben und weite das Angebot auch erfolgreich auf die Region aus. Die durschnittliche Auslastung der Carsharing-Fahrzeuge liege bei rund acht Stunden am Tag. "Wenn sie einmal eine Gemeinde mit Carsharing erobert haben, dann geht auch noch vieles andere", sagte Casazza. Das Carsharing habe den swa sehr gute Imagewerte beschert. (hoe)



