Sabine Schnake komplettiert ab 1. Februar 2023 die Geschäftsführung der WSW Mobil.

Sabine Schnake komplettiert ab 1. Februar 2023 die Geschäftsführung der WSW Mobil.

Bild: © Claudia Kempf

Pünktlich zur Eröffnung einer neuen Wasserstofftankstelle in Wuppertal rollen neue Brennstoffzellen-Busse auf den Betriebshof. Ein Teil des Wasserstoffs erzeugen die Wuppertaler im eigenen Müllheizkraftwerk. Sabine Schnake, Chefin von WSW Mobil, nennt im Interview die Vorteile der Wasserstoff-Technologie bei Bussen, zeigt aber auch, was sich im täglichen Betrieb ändern muss.

Bild: © WSW Mobil

Die Wuppertaler Stadtwerke haben 32 neue Brennstoffzellenbusse erhalten sowie eine Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen. Setzen Sie künftig ausschließlich auf Brennstoffzellenbusse oder werden auch Batteriebusse in der Flotte sein?

Der Fokus auf Wasserstofftechnologie im ÖPNV ist ein wichtiger Bestandteil der langfristigen WSW-Strategie zur Förderung umweltfreundlicher und nachhaltiger Mobilitätslösungen. Die Entscheidung, Wasserstoffbusse anstelle von Batteriebussen einzusetzen, hängt von den spezifischen Anforderungen jedes ÖPNV-Unternehmens ab. Dazu gehören etwa die Streckenlänge oder die vorhandene Infrastruktur. Für uns und unsere mittlerweile 52 Wasserstofffahrzeuge (13 Gelenk- und 39 Solobusse) umfassende Busflotte überwiegen aktuell eindeutig die Vorteile der Wasserstofftechnologie. Vor allem, was die Reichweite sowie die Ladezeiten angeht. Die nötige Infrastruktur haben wir mit der neuen Wasserstofftankstelle auf unserem Betriebshof geschaffen. Wir beobachten die Entwicklungen in der Fahrzeugtechnik und bleiben grundsätzlich offen für den Einsatz anderer Antriebstechnologien.

Welche Vorteile haben Brennstoffzellenbusse in Wuppertal gegenüber Batteriebussen?

Die Wasserstofffahrzeuge überzeugen neben ihrer Emissionsfreiheit durch ihre hohe Reichweite und den relativ schnellen Tankvorgang. Rund 350 bis 400 Kilometer können die Busse mit einer Tankfüllung fahren, unabhängig von den Wetterbedingungen – das zeigt die Erfahrung mit den bereits vorhandenen Wasserstofffahrzeugen. Das Volltanken dauert zwischen zehn und zwölf Minuten, geht also sehr viel schneller als das Laden von Elektrobussen. Reichweite und schnelle Betankung sorgen dafür, Ausfall- oder Standzeiten zu vermeiden und die Verfügbarkeit der Busse im täglichen Betrieb zu erhöhen.

Bild: © WSW Mobil

Sie nutzen beim Betanken auch selbst produzierten Wasserstoff aus dem Müllheizkraftwerk. Ist die Menge skalierbar, wenn die Busflotte weiter wächst?

Die Erzeugungsmenge ist unter Berücksichtigung einer wirtschaftlich-optimierten Erzeugung auf eine bestimmte Fahrzeuganzahl ausgelegt. Insofern hängt eine Skalierung nicht nur von der Anzahl der Wasserstoffbusse in der Busflotte ab, sondern auch ganz wesentlich von der Regulatorik und der damit einhergehenden Entwicklung der Erzeugungspreise.

Sie kaufen grünen Wasserstoff zu. Der ist aber eine begehrte Ware. Jüngst gab es mehrere Meldungen über Lieferschwierigkeiten. Wie sichern Sie oder Ihr Lieferant die langfristige Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff für Ihre Busse?

Zurzeit läuft unsere Tankstelle noch im Testbetrieb und wir beziehen den Wasserstoff direkt vom Hersteller der Tankstelle. Die erwähnten Lieferengpässe resultieren daraus, dass der erwartete Hochlauf der dezentralen Erzeugungsanlagen noch nicht vollständig umgesetzt werden konnte. Die Lieferkette von grünem Wasserstoff konnte für die WSW jedoch – auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten – gesichert werden.

Könnte Ihre Entscheidung für Brennstoffzellenbusse auch Modellcharakter für andere Verkehrsunternehmen haben? Wenn ja, für welche?

Einige Städte in der Region und über unsere Region hinaus nutzen bereits die Wasserstofftechnologie im ÖPNV, um diesen klimafreundlicher zu gestalten. Besonders für Regionen mit hohen Anforderungen an Reichweite oder effizienten Fahrzeugeinsatz ist die Wasserstofftechnologie eine vielversprechende und zukunftsfähige Alternative zu anderen Antriebsarten.

Erfordert die Entscheidung für Brennstoffzellenbusse auch neue Konzepte für den Personaleinsatz oder die Gestaltung des Betriebshofs?

Der gesamte Ablauf der Instandhaltung muss verändert werden, unter anderem durch Digitalisierung der Arbeitsplätze. Diese neuen Herausforderungen sind aber auch eine Chance, den Arbeitsplatz wesentlich attraktiver für Mitarbeitende zu machen. Die Werkstätten müssen mit zusätzlicher Ausstattung wie Dacharbeitsständen und Deckenkränen ertüchtigt werden. Auf dem Betriebshof muss außerdem ein Havarieplatz für Fahrzeuge mit einer defekten Wasserstoffanlage eingerichtet werden. Und sofern die Betankung direkt auf dem Betriebshof erfolgen soll, muss eine Wasserstoffinfrastruktur mit Trailer-Stellplätzen, Zwischenspeicher, Verdichter und Zapfsäule errichtet werden.

Wann soll der letzte Dieselbus in Wuppertal ausgemustert werden?

Das hängt davon ab, ob es bei der gegenwärtigen Regulatorik für die Fahrzeugbeschaffung bleibt. Derzeit würden ab 2030 nahezu keine Neubeschaffungen von Dieselbussen mehr möglich sein, sodass dann nach 2040 die letzten Dieselbusse sukzessive außer Dienst gehen würden. Voraussetzung ist aber, dass die Verkehrsunternehmen wirtschaftlich in der Lage sind, die Anschaffung und den Betrieb emissionsfreier Busse langfristig zu stemmen. Aktuell bestehen hier aufgrund der im vergangenen Jahr fast vollständig eingebrochenen Förderung von Fahrzeugbeschaffungen große Probleme, die es vielen Verkehrsunternehmen nicht möglich machen, den Transformationsprozess in der ursprünglich vorgesehen Geschwindigkeit fortzusetzen. Hier ist eine enge Begleitung und Kenntnis der Regulatorik eine wichtige Aufgabe der ÖPNV-Betriebe – denn auch gegenläufige Kostentreiber wie der CO2-Preis können ein neues Bild ergeben. Stabile und verlässliche, wirtschaftliche Randbedingungen sind eine notwendige Voraussetzung für das Gelingen der Antriebswende.

Das Interview führte Jürgen Walk

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper