Bei der Reform des Taxi- und Fahrdienstmarktes geht es vor allem um kleine Busse oder Vans, bei denen sich mehrere Fahrgäste einen Wagen teilen.

Bei der Reform des Taxi- und Fahrdienstmarktes geht es vor allem um kleine Busse oder Vans, bei denen sich mehrere Fahrgäste einen Wagen teilen.

Bild: VAKSMANV/Adobestock

Carsharing-Autos sind häufig mit einem Verbrennermotor ausgestattet. Das kritisieren nicht nur Umweltschützer. Auch Stadtverwaltungen drängen inzwischen auf umweltfreundlichere Flotten. Aber noch ist es mitunter schwierig, bei der Buchung ein E-Auto zu finden.

Denn der Anteil der E-Autos in den deutschen Sharing-Flotten ist sehr unterschiedlich. So hatten Ende Oktober rund 20 Prozent der 5650 Share-Now-Fahrzeuge einen Elektroantrieb. Cambio kommt eigenen Angaben zufolge auf sechs Prozent. Einen alternativen Antrieb haben bei der Bahntochter Flinkster rund zehn Prozent der Autos. In der Carsharing-Flotte von Sixt ist es den Angaben zufolge ein Drittel.

Großbestellung bei Tesla

Spitzenreiter ist Weshare. Alle 2300 Fahrzeuge sind vollelektrisch, wie ein Sprecher sagte. Noch gibt es das Angebot aber nur in Berlin und Hamburg. Für Aufsehen sorgte zuletzt etwa der Autovermieter Hertz. In Amerika will das Unternehmen seine Flotte um 100.000 Elektroautos von Tesla erweitern.

„Aus unserer Sicht müssen Sharing-Fahrzeuge vor allem klein sein, sie müssen sparsam sein, und sie sollten elektrisch sein“, sagt Jens Hilgenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Was wir nicht brauchen, sind irgendwelche großen SUV und was wir auch nicht brauchen, ist auf absehbare Zeit der Verbrenner“.

Hohe Erwartung in Großstädten

In Großstädten sind die Erwartungen an die Anbieter hoch. So wünscht sich etwa die Hansestadt Hamburg die vollständige Elektrifizierung der Carsharing-Flotten, wie es von einem Sprecher heißt. Nach Einschätzung des Berliner Senats ist ein klimafreundlicher Leihbetrieb nur „mit einer kompletten E-Pkw-Ausstattung“ möglich. München sieht im E-Carsharing „einen Beitrag zur Verkehrswende“.

Der Weg zur vollelektrischen Flotte ist jedoch steinig, sagt Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Forschungsinstituts Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach. «Lukrativer ist die Umstellung auf E-Autos nicht», sagt er. Pro Kilometer seien sie zwar im Vergleich zum Benziner günstiger, E-Fahrzeuge seien allerdings in der Anschaffung teurer und wegen des Chipmangels derzeit ohnehin Mangelware. Dazu müsse das Laden irgendwie organisiert werden. „Kurz vor Ende der Miete das Auto noch mal an die Steckdose anschließen, das können sich bestimmt nur die wenigsten Kunden vorstellen. Eine Möglichkeit wäre, eigene Ladesäulen zu schaffen“, so Bratzel.

Ladepunkte exklusiv für Carsharing

Denkbar wäre auch, bei öffentlichen Ladesäulen mit zwei Stellplätzen einen Ladeplatz exklusiv für Carsharing-Fahrzeuge zu reservieren. Das fordert nicht nur die Umweltschutzorganisation BUND, sondern auch der Deutsche Städtetag. „Die Städte allein können aber nicht das E-Auto-Ladenetz aufbauen“, so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy. Betrieb und Unterhaltung der Ladesäulen sollten die Anbieter mittelfristig selbstständig ohne öffentliche Zuschüsse stemmen.

Auf die Frage nach finanzieller Unterstützung für die Ladesäulen reagiert der Bundesverband Carsharing zurückhaltend. In der Tat sei das Laden aber eine große Herausforderung, so ein Sprecher. „An normalen Ladesäulen im öffentlichen Raum dürfen die Fahrzeuge nur während des Ladevorgangs stehen.“ Das sei eine «praktisch unlösbare logistische Aufgabe» für Anbieter und Kunden. (dpa/wa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper