5. März 2026
Rheinbahn verstärkt Nahverkehrs-Allianz
Die Rheinbahn aus Düsseldorf schließt sich der überregionalen Kooperation führender Verkehrsunternehmen zur Weiterentwicklung zentraler Zukunftsthemen im Nahverkehr an. Neben der BVG aus Berlin, der Hochbahn aus Hamburg und der Münchner Verkehrsgesellschaft erweitert nun die Rheinbahn als Partner aus einer weiteren Metropolregion die Allianz.
Ziel der Zusammenarbeit ist es, den öffentlichen Nahverkehr kundenorientiert, effizient und interoperabel zu gestalten sowie gemeinsame Standards und Synergien zu schaffen. Die Kooperation konzentriert sich auf drei Schwerpunkte: Im Bereich Autonomes Fahren sollen Erfahrungen gebündelt, Roadmaps abgestimmt und Standards für eine wirtschaftliche Integration entwickelt werden. Mit der Mobilitätsplattform MAX wird eine interoperable Lösung für Bus, Bahn und Sharing-Angebote vorangetrieben. Zudem sollen offene, standardisierte Vertriebssysteme – insbesondere "Account Based Ticketing" und ID-basiertes Ticketing – weiter harmonisiert werden.
Die Rheinbahn bringt hierbei ihre Expertise aus digitalen Vertriebssystemen wie Calo ein. Fahrgäste können bei Calo künftig einfach mit ihrer Bankkarte, der virtuellen Bankkarte im Smartphone oder einer übertragbaren Guthabenkarte ein Ticket direkt im Fahrzeug kaufen – ganz ohne App, Bargeld oder weitreichende Tarifkenntnisse.
Autonome Kleinbusse verbessern den Nahverkehr am Land
Autonome Kleinbusse können den öffentlichen Nahverkehr verbessern und Autofahrten ersetzen. Das zeigt eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) auf Basis von über 1600 Testfahrten in Mannheim und Friedrichshafen. Die Forschenden untersuchten Zuverlässigkeit, Akzeptanz und notwendige Rahmenbedingungen für einen breiten Einsatz. Besonders ländliche Regionen könnten profitieren, da dort herkömmliche Busangebote oft Mangelware sind. Laut Studienleiter Martin Kagerbauer ist entscheidend, dass autonome Angebote verlässlich fahren und ihre Funktionsweise für Fahrgäste nachvollziehbar ist.
Die Befragungen zeigen eine hohe Offenheit gegenüber autonomer Technik – ausschlaggebend bleibt jedoch das Sicherheitsgefühl. Neben der technischen Systemsicherheit spielen ein übersichtlicher Innenraum, direkte Kontaktmöglichkeiten zur Leitstelle und klare Kommunikation während der Fahrt eine zentrale Rolle. Die Analyse verdeutlicht, dass autonome Shuttles alltägliche Wege erleichtern und Autofahrten ersetzen können, sofern sie zuverlässig verfügbar sind und sich in bestehende Ticket- und Informationssysteme integrieren lassen. Zudem müssen Zuständigkeiten zwischen Betreibern, Herstellern und Softwareanbietern eindeutig geregelt sein.
Die Ergebnisse aus dem Projekt "RABus" fließen in weitere KIT‑Vorhaben wie "Kira“ und "Alike" ein, die autonome Kleinbusse beispielsweise in Hamburg, Darmstadt und im Kreis Offenbach erproben. Als nächsten Schritt sehen die Forschenden ein zugelassenes Fahrzeug ohne Sicherheitsbegleitperson. Erst dann lassen sich größere Modellregionen realisieren, die mittelfristig besonders in dünn besetzten Räumen einen deutlichen Mobilitätsgewinn ermöglichen.
Flottenbetreiber können massiv Kosten sparen
Eine neue Studie des europäischen Strom-Branchenverbands Eurelectric sowie der Berater von Ernest&Young (E&Y) zeigt: Die Elektrifizierung von Fahrzeugflotten kann in Europa bis 2030 Kosteneinsparungen von bis zu 246 Milliarden Euro erzielen und zugleich einen zentralen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leisten.
Besonders batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) bieten deutliche finanzielle Vorteile – ihre Betriebskosten liegen je nach Fahrzeugtyp 20 bis 50 Prozent unter denen von Verbrennern. Da Betriebskosten einen Großteil der Gesamtausgaben bei Flottenbetreibern ausmachen, entsteht über die gesamte Lebensdauer ein klarer wirtschaftlicher Nutzen. Zudem haben EU-Hersteller im Segment der emissionsfreien Unternehmensflotten eine starke Marktposition, die durch verbindliche nationale Beschaffungsziele weiter gestärkt werden könnte.
Eine ehrgeizige Flottenstrategie würde laut Studie die Nachfrage nach bis zu zwei Millionen zusätzlichen BEVs bis 2030 erhöhen, Planungssicherheit für Ladeinfrastrukturbetreiber schaffen und durch intelligente Lade- und V2G-Lösungen zusätzliche Flexibilität im Energiesystem bieten.
Verband warnt vor Schlupflöchern
Die EU-Kommission hat mit dem Entwurf des Industrial Accelerator Act (IAA) einen zentralen Impuls gesetzt, um die Batteriewertschöpfung in Europa strategisch zu stärken und Abhängigkeiten von globalen Lieferketten zu reduzieren. Ab 2027 sollen fast zwei Drittel der in der EU verkauften Elektroautos nur dann in den Genuss steuerlicher Vorteile für Firmenwagen kommen, wenn ihre Batterien maßgeblich in Europa gefertigt wurden. Zudem sieht der IAA vor, dass Elektrofahrzeuge künftig zu einem erheblichen Teil aus in Europa produzierten Bauteilen bestehen müssen, inklusive dem Einsatz von grünem Stahl.
Der europäische Mobilitätsverband Transport&Environment (T&E) bewertet die Stoßrichtung grundsätzlich positiv, warnt aber zugleich vor erheblichen Schlupflöchern im Entwurf. Besonders kritisch sieht die Organisation die vorgesehene Ausweitung von Subventionen für den Kauf von Elektroautos auf Länder mit bestehenden Freihandelsabkommen (FTA). Dies könne Investitionen in die europäische Zell- und Komponentenfertigung unterlaufen, da Hersteller ihre Produktion weiterhin außerhalb Europas ansiedeln könnten, ohne finanzielle Nachteile befürchten zu müssen. Problematisch ist aus Sicht von T&E auch, dass nicht-strategische Teile wie Sitze in die Lokalisierungsquote eingerechnet werden, während entscheidende Wertschöpfungsstufen wie die Produktion von Kathoden‑Vormaterialien (pCAM) bislang ausgeklammert bleiben. Da pCAM mehr als die Hälfte des Zellwerts ausmacht, würde dies langfristig die Entwicklung einer eigenständigen europäischen Recycling- und Rohstoffstrategie behindern.



