Michael Meister (CDU), Staatssekretär aus dem Bundesforschungsministerium, betonte auf der Stakeholder Konferenz zur nationalen Wasserstoffstrategie am Dienstag in Berlin: "Aber ich bin überzeugt, was heute Erdöl ist, wird morgen Wasserstoff sein." Mit Wasserstoff würde bereits in lokalen Anwendungen CO2-frei gearbeitet. "Nun müssen wir es auch in die eine Produktionskette schaffen, hier liegt noch der Forschungsbedarf", so der Staatssekretär.
Wasserstoff müsse in industriellen Mengen produzierbar sein, daran schließe sich die Frage nach einer risikofreien und optimalen Speicherung an, gefolgt von einem sicheren Transport. "Wir sind in der Technologie weit vorne, müssen es jedoch nun schaffen, dass Geschäftsmodelle entstehe können und Marktanwendungen vorankommen", sagte Meister. Das Klimaprogramm der Bundesregierung sei hierfür helfend, weil es die Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff steigere.
Gasleitungen mit benutzen?
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, äußerte sich hinsichtlich des Transports von Wasserstoff: "Wir sollten uns die bestehende Gasinfrastruktur für die Klima- und Energiewendeziele zunutze machen. Unsere sehr gut ausgebaute Gasinfrastruktur aus Fernleitungs- und Verteilnetzen sowie Speichern ist die optimale Basis für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft."
Wobei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erläuterte, dass die Bundesregierung über den Bau einer eigenen Wasserstoffinfrastruktur nachdenke, die im zweistelligen Milliardenbereich liege. Denn die Idee, den Wasserstoff zum Teil über die Erdgasleitungen zu transportieren, sei als weniger zielführend betrachtet worden. "Wasserstoff ist zu kostbar als es mit dem Erdgas zu vermischen", so der Wirtschaftsminister.
Reallabore nicht für Grundlageforschung
Hinsichtlich der notwendigen, künftigen Wasserstoffproduktionsmenge verwies Altmaier auf die Reallabore: "Diese haben ihre Berechtigung. Es geht hierbei eben nicht um Grundlagenforschung, sondern um die Umsetzung von Wasserstoffprojekten und der Produktion in industriellen Maßstäben."
Andreae merkte jedoch an, dass die Gelder für die Forschung erhöht werden sollten, damit zum Beispiel mehr als die voraussichtlichen 20 Projekte in den Reallaboren umgesetzt werden könnten. Eingegangen seien nämlich rund 90 Bewerbungen, so die Vorsitzende. Zudem sprach sich der BDEW dafür aus, dass die Regierung die Steuer- und Abgabenlast auf Strom deutlich senkt. Auch die geplante "homöopathische Senkung" der EEG-Umlage reiche bei Weitem nicht aus.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit gefordert
VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche betonte darüber hinaus: Zum einen müsse der konsequente Ausbau der Erneuerbaren Energien weiterhin vorangetrieben werden. Zum anderen brauche es die frühzeitige Entwicklung einer Strategie zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit zukünftigen "Wasserstoff-Exportländern".
Ein Aspekt, dem sich der Bundesminister für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, Gerd Müller (CSU) widmet: "Wir bauen die Brücke nach Afrika. So haben wir letzte Woche mit Marokko eine Kooperation unterzeichnet." Denn in diesem Land scheint 360 Tage lang die Sonne. "Mit Marokko haben wir Rechtssicherheit und zugleich können wir den Strom für zwei Cent produzieren." Damit wäre Methanol bzw. Wasserstoff marktfähig. Bereits 2020 solle die Produktion aufgenommen werden.
Methanolwirtschaft notwendig
Müller ging darüber hinaus einen technologischen Schritt weiter: "Ich möchte den Sprung von Wasserstoff zum klimaneutralen, synthetischen Kraftstoff Methanol schaffen. Es bräuchte keine neuen Tankstellen oder gar Infrastruktur und wir könnten den Kraftstoff klimaneutral mit unseren Verbrennern nutzen." Mit der geplanten Kooperation könne es preisgünstig und konkurrenzfähig produziert werden.
Ferner solle Wasserstoff und die Methanolwirtschaft die Zukunftsversorgung Afrikas werden, weshalb das Land in den Blickpunkt für die Produktion gerückt ist. "Afrika möchte seine Haushalte stärker elektrifizieren. Wenn es hierfür hunderte an Kohlekraftwerken aufzieht, dann rückt das Zwei-Grad-Ziel in weite Ferne", merkt Müller kritisch an.
Beimischungsquoten überdenken
Zusätzlich müsse über die Beimischungsquote in den aktuellen Kraftstoffen nachgedacht werden, ergänzte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Diskussion: "In Südamerika ist diese viel größer, bei dem gleichen Motoren, die auch hier fahren." Wer Klimaschutzziele erreichen wolle, müsse über alle Mittel debattieren. Die höhere Beimischung von synthetischen Kraftstoffen könne Zeit zum Überbrücken liefern, bis die erneuerbaren Technologien für sich stünden. (ab)



