Hubert Aiwanger, bayerischer Wirtschaftsminster und Chef der Freien Wähler

Hubert Aiwanger, bayerischer Wirtschaftsminster und Chef der Freien Wähler

Bild: © V. Ellerkmann/StMWi

Die 2014 in Bayern eingeführte 10H-Regelung hat den Windkraftausbau in Bayern zum Erliegen kommen lassen. Seit April 2018 gab es keinen einzigen Antrag auf Errichtung einer Windkraftanlage, erklärte das bayerische Wirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Im vergangenen Jahr hat sich zudem der Wert von 2017 mit nur 8 Anträgen pro Jahr nochmals wiederholt.

Diese Werte stehen im krassen Gegensatz zu den Niveaus vor der Einführung der 10H-Regelung: 2012 wurden 212 Anträge eingereicht, 2013 gar 400 und 2014 genau 220.

Zwölf Genehmigungen im Jahr 2018

Auch bei den Genehmigungen kann der Freistaat keine Erfolgsmeldungen liefern: Im Jahr 2017 wurden insgesamt 7 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 22,6 MW und 2018 wurden bisher insgesamt 12 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 46,5 MW genehmigt. Derzeit befinden sich 36 Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 105 MW im Genehmigungsverfahren.

Nach dem Register Stand Oktober 2018 sind insgesamt 55 Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 169 MW genehmigt, jedoch noch nicht in Betrieb. In Betrieb gingen im vergangenen Jahr 8 Turbinen mit einer Leistung von 23 MW.

Zum Vergleich:

                        Zubau Windenergieanlagen               Leistung in MW

2018                             8                                                      23

2017                          111                                                   314

2016                          106                                                   288

2015                          140                                                   363

2014                          160                                                   423

2013                            94                                                    239

2012                            91                                                    221

2011                            65                                                    144

2010                            21                                                      43

Insgesamt wurden bei den verpflichteten Ausschreibungen für Windenergieanlagen seit Mai 2017 einschließlich Oktober 2018 32 bayerische Gebote mit einer Gesamtleistung von 257,5 MW abgegeben, erläutert das Wirtschaftsministerium. Zuschläge erhielten 20 Windenergieprojekte mit einer Gesamtleistung von 166,2 MW.

Da bei den Ausschreibungen die südlichen Länder sehr schlechte Zuteilungen bekamen, plädiert das bayerische Wirtschaftsministerium, gemäß des Koalitionsvertrages, für eine bessere regionale Steuerung des Ausbaus in Form einer Mindestquote für die Ausschreibungen südlich des Netzengpasses.

Regionale Steuerung wird angestrebt

Das Thema regionale Steuerung soll nun Gegenstand einer Arbeitsgruppe der Koalitionsfraktionen im Bundestag werden, heißt es in der Antwort. Die Staatsregierung plant ferner in dieser Legislaturperiode eine Evaluation der 10H-Regelung. Gemäß dem Bayerischen Energieprogramm vom November 2015 soll im Jahr 2025 der Anteil der Windenergie 5 bis 6 Prozent an der Bruttostromerzeugung in Bayern betragen.

Die Landtags-Grünen fordern aufgrund der desolaten Zahlen der Windkraft in Bayern wieder das Fenster zu öffnen. "Wozu noch auf eine Evaluation im Herbst warten? Diese Zahlen sprechen Bände – das 10H-Abstandsgesetz gehört in die Tonne", äußerte der Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig.

Stümpfig: "10H muss weg"

Bayern als moderner Industriestandort sollte auch bei der Energiewende selbstbewusst vorangehen. "10H muss weg und neue Ausschreibungsregeln müssen her", so Stümpfig, damit auch Bayern vom umweltfreundlichen und auf Dauer günstigen Windstrom profitieren könne. (al)

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