Geschafft: Rheinenergie-Chef Andreas Feicht (links) erhält den BEW-Förderbescheid von Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Geschafft: Rheinenergie-Chef Andreas Feicht (links) erhält den BEW-Förderbescheid von Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Bild: © Andreas Mertens/BMWK

Bei der Rheinenergie in Köln waren sie über den Scheck aus Berlin jüngst so erleichtert, dass sie kurzerhand ihren Vorstandsvorsitzenden Andreas Feicht vor die Kamera stellten und ein Youtube-Video produzierten. "Wir haben Großes zu verkünden", sagte der Manager. "Wir haben den Förderbescheid bekommen für die Großwärmepumpe."

Es geht voran mit der Wärmewende in Deutschland. Das zeigen auch neue Zahlen zur Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW), über die klimaneutrale Fernwärmeprojekte bezuschusst werden. Bis Anfang Juli wurden rund 2100 Förderanträge eingereicht. Davon wurden rund 1700 Anträge bewilligt.

"Antragslage ist vielfältig"

Auch die ausgeschütteten beziehungsweise reservierten Fördersummen lassen sich sehen. Fast 1,6 Milliarden Euro sind es mittlerweile. Auch hier geht die Kurve deutlich nach oben. Mehr als 700 Millionen Euro wurden allein im vergangenen Halbjahr für Wärmewende-Projekte ausgezahlt oder reserviert. Seitdem wurden weitere gut 170 Millionen Euro vergeben.

So schreibt dann auch das Bundeswirtschaftsministerium, dass das Programm inzwischen gut nachgefragt werde. "Die Antragslage ist vielfältig und deckt ein breites Spektrum an unterschiedlichen Projekten, Technologien und Volumina ab."

Abwärmeprojekt in Leuna

Da ist beispielsweise besagte Rheinenergie-Großwärmepumpe, die im Kölner Stadtteil Niehl errichtet werden und eine Leistung von 150 Megawatt haben soll. 100 Millionen Euro wurden dem Unternehmen nun zugesichert.

Und da ist ein Großprojekt, das Abwärme aus der Total-Energies-Raffinerie im sächsisch-anhaltinischen Leuna ins Leipziger Netz speisen soll. Hierfür sind 70 Millionen Euro an Fördergeldern eingeplant. Zuvor hatten bereits die brandenburgischen Stadtwerke Prenzlau und Neuruppin Förderbescheide für ihre Geothermie-Projekte erhalten.

Programm aus Branchensicht unterfinanziert

Alles rosig also? Nicht so schnell, heißt es aus der Wärmewirtschaft. Denn die bisher vergebenen Fördergelder stellen erst die Spitze des Eisbergs dar.

Bis 2030 stehen Investitionen in Höhe von 43,5 Milliarden Euro an, schätzte das Analysehaus Prognos AG im Auftrag der Verbände AGFW und VKU. Demnach wären für das BEW-Förderprogramm mindestens 3,4 Milliarden Euro nötig – und zwar jährlich und das bis in die Mitte der 2030er-Jahre hinein.

Unterschiedliche Bearbeitungszeiten

Und auch die Bearbeitungszeit bereits eingegangener Förderanträge ruft ein geteiltes Echo hervor. Anträge zur Förderung von Transformationsplänen und Machbarkeitsstudien sowie zu Einzelmaßnahmen an Wärmenetzen seien im Durschnitt nach sechs bis acht Wochen bewilligt worden, schreibt der Fernwärmeverband AGFW.

Anträge zur systemischen Förderung eines Wärmenetzes hätten hingegen eine Bewilligungsdauer von etwa sechs Monaten. "Der Unterschied liegt nachvollziehbarerweise im deutlich höheren Prüfaufwand der Anträge", ordnete Jens Kühne, Bereichsleiter Erzeugung, Sektorkopplung & Speicher bei der AGFW, ein. Aber: "Diese durchschnittlichen Bewilligungszeiten passen nicht mehr zur aktuellen Situation." Zwar seien die Genehmigungszahlen in den vergangenen Monaten gestiegen, "allerdings langsamer als möglich und notwendig".

Geld fließt nur scheibchenweise

Als einen der Hauptverantwortlichen dafür sieht die Energiewirtschaft Bundesfinanzminister Christian Lindner, FDP. Sein Haus stelle die vom Bundestag bewilligten Mittel nur verzögert und tranchenweise bereit, heißt es.

Vielleicht ist das auch schon ein Vorgeschmack darauf, was der Branche im kommenden Jahr blühen könnte. Noch immer gibt es keine konkreten Zahlen dazu, wie viel Geld das BEW-Programm dann erhalten soll. Bei Vorstellung des Haushaltskompromisses hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lediglich angedeutet, dass es keine großen Kürzungen geben werde. Das Finanzministerium wollte sich auf ZfK-Anfrage nicht äußern.

AGFW für BEW-Aufstockung

Für AGFW-Vertreter Kühne ist klar: Kürzungen wären das völlig falsche Signal. "Bei den steigenden Antragszahlen und der steigenden durchschnittlichen Bewilligungssumme pro Antrag reichen die bisher eingeplanten Mittel nicht aus. Wir plädieren für eine Aufstockung und Verstetigung der BEW." (aba)

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