Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München

Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München

Bild: © SWM

Am 25. Januar hat die Kohlekommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Dieser sieht den Kohleausstieg bis 2038 vor. Die Verbände der Energiebranche und die Energieversorger begrüßen den Vorstoß der Kommission einstimmig.

"Der Bericht ist eine gute Grundlage, die Beendigung der Kohleverstromung unter den Prämissen der Versorgungssicherheit, Erhalt von Wertschöpfungsketten, des Klimaschutzes sowie der Innovationsfähigkeit der Regionen zu gestalten", erklärte Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Zentrale Punkte seien Zukunftsperspektiven und Arbeitsplätze in den Revieren. Für die Stadtwerke seien die Fortführung der KWK-Förderung, die Digitalisierung der Stromnetze, eine Überarbeitung der Abgaben, Entgelte und Umlagen sowie eine Power-to-X-Strategie maßgeblich, führte sie weiter aus. Nun richte der VKU die Erwartung an die Bundesregierung, die Empfehlungen der Kommission umzusetzen.

Planungssicherheit für die Energiewirtschaft

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschft (BDEW) lobte die "Planungssicherheit für die Energiewirtschaft". Die Zukunft der Energiewirtschaft seien die erneuerbaren Energien, findet BDEW-Präsidentin Marie-Luise Wolff. "Sie werden mit Hilfe innovativer Technologien Schritt für Schritt die Energieversorgung der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt übernehmen – flankiert von Technologien wie der Kraft-Wärme-Kopplung sowie flexibler Erzeugung auf Basis von Gas". Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung und Mitglied der Kommission: "Der erzielte Kompromiss verlangt allen Seiten etwas ab." Klar sei jedoch, dass die ambitionierte zusätzliche Reduktion an gesicherter Leistung bis 2022 rasche Investitionen in Versorgungssicherheit erfordere.

Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung, lobt die Haltung der Kommission zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Die Förderung der KWK soll, so die Kommission, fortgeführt und auch ihre Weiterentwicklung durch die Bundesregierung unterstützt werden. Die Kommission empfiehlt, adäquate und langfristige Rahmenbedingungen für KWK-Anlagen zu schaffen, die Investitions- und Planungssicherheit gewähren. KWK-Anlagen sollen hin zu modernen, flexiblen Strom-Wärme-Systemen weiterentwickelt werden, zu denen auch Speicher, Fernwärmenetze, Wärmepumpen, Power-to-heat-Anlagen sowie Solar- oder geothermische Anlagen gehören.

Auf richtige Reihenfolge bei der Abschaltung achten

Bieberbach mahnt jedoch, ein besonderes Augenmerkt auf die Reihenfolge der Abschaltungen der Kohlekraftwerke zu legen. "Die Reihenfolge in der Auktionierung sollte sich an den CO2-Vermeidungskosten orientieren, außerdem muss gelten: Braunkohle- vor Steinkohlekraftwerken und ungekoppelte vor gekoppelten Anlagen", fordert Bieberbach. Auch der Umstellbonus im KWKG (Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz) müsse deutlich erhöht werden, so Bieberbach.

Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie, erachtet die KWK ebenfalls als wichtigen Aspekt für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit. "Denn wir müssen auch darauf achten, dass die Energiewende dauerhaft für die Menschen bezahlbar bleibt", erläutert Steinkamp.

BEE: Einhaltung des Pariser Klimaschutzkommens unrealistisch

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßt insbesondere das 65-Prozent-Ausbau-Ziel für erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030. Allerdings reiche die Reduktion der Kohleverstromung in den 2020er Jahren vorraussichtlich aus, um das nationale Klimaschutzziel 2030 zu erreichen, nicht jedoch, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten. Deswegen sei es wichtig, dass 2023 der Abschaltpfad an die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens angepasst werde.

Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft, warnt davor, Kosten wieder einfach auf den Strompreis umzulegen: "Das wäre das endgültige Aus jeder Verwendung von erneuerbaren Energien im Wärme- und Mobilitätssektor." Bei richtiger Umsetzung durch die Regierung könne der Kohlekompromiss tatsächlich ein Nukleus für eine Beschleunigung der Energiewende sein, die Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Preiswürdigkeit vereinigt und Lösungen zeigt, die tatsächlich dann in der Welt nachgemacht und nachgefragt werden, schließt Busch. (hol)

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