Blick auf das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg.

Blick auf das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg.

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Auch bei einem vollständigen vorgezogenen Kohleausstieg bis 2030 wäre eine sichere Stromversorgung gewährleistet - zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Bundesnetzagentur. Der Bericht wurde am Mittwoch (1. Februar) im Kabinett beschlossen.

Darin heißt es, die sichere Versorgung mit Elektrizität sei im Zeitraum 2025 bis 2031 gewährleistet - trotz des steigenden Stromverbrauchs durch Wärmepumpen, E-Mobile oder Elektrolyseure und auch mit einem vollständigen Kohleausstieg bis 2030. «Damit kann das auch im europäischen Vergleich sehr hohe Versorgungssicherheitsniveau in Deutschland aufrechterhalten bleiben», heißt es in einem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag.
 

Im Rheinischen Revier wird der Kohleausstieg um acht Jahre auf 2030 vorgezogen, in den ostdeutschen Revieren ist dies umstritten. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte sich für einen früheren Kohleausstieg auch im Osten ausgesprochen. Ein auf 2030 vorgezogener Ausstieg müsse im Konsens vereinbart werden, sagte Habeck. Umstritten ist auch die Entscheidung der Bundesregierung, dass Mitte April die drei noch verbliebenen Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Übertragungsnetzbetreiber arbeiten parallel an Bedarfs- und Systemanalysen

Der Bericht der Bundesnetzagentur zum Monitoring der Versorgungssicherheit mit Strom wird alle zwei Jahre von der Bundesregierung veröffentlicht. Der Bericht betrachte die für den Markt und das Netz erwartbaren Entwicklungen und ziele nicht auf die Analyse von Krisenszenarien, heißt es. Er sei damit klar zu trennen von parallelen Bedarfs- und Systemanalysen der Übertragungsnetzbetreiber. Diese werde aktuell erarbeitet und im April vorgelegt.

In Handlungsempfehlungen des Wirtschaftsministeriums zum Bericht der Bundesnetzagentur heißt es, um die Versorgungssicherheit auch weiterhin auf höchstem Niveau zu gewährleisten, müsse der Ausbau erneuerbarer Energien weiter vorangetrieben werden. Wasserstoff-, Bioenergie- und Gaskraftwerke müssten neu gebaut oder modernisiert werden.

Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter beschleunigen

Dazu solle zeitnah eine «Kraftwerksstrategie 2026» vorgelegt werden. Diese solle den Rahmen für die Errichtung neuer Kraftwerke noch in diesem Jahrzehnt setzen, um die Transformation in Richtung Wasserstoff zu unterstützen. Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Ausbau der Stromnetze sollten weiter beschleunigt werden.

VKU spricht von zu "optimistischen Prognosen"

"Der Monitoringbericht formuliert aus Sicht von Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern die richtigen Ziele. Bei der Umsetzung aber hakt es. Deshalb halten wir die positiven Prognosen der Bundesnetzagentur derzeit für zu optimistisch", kommentierte der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) in einer Stellungnahme.

Die Ausbaugeschwindigkeit bei den erneuerbaren Energien müsse im Vergleich zum heutigen Stand verdreifacht werden, um die im Bericht zugrunde gelegten Ziele bei den Erneuerbaren-Kapazitäten zu erreichen.

Auch was den genannten Zubau an regelbaren erdgasbasierten Erzeugungskapazitäten von bis zu 21 GW bis 2031 sowie an neuen Biomassekraftwerken von 7 GW und Wasserstoffkraftwerken von 9 GW über das EEG anbelangt, beschreibe der Bericht bislang nur Erfordernisse.

BDEW: "Das Monitoring ist kein Stresstest"

Ohne substanziell verbesserte Rahmenbedingungen seien die für die Versorgungssicherheit in 2030 notwendigen Ausbauziele für erneuerbare Energien, den Zubau von wasserstofffähigen Kraftwerken und den Netzausbau auch laut dem Verband BDEW aber nicht zu erreichen.

„Das wirtschaftliche Umfeld ist insbesondere für Energieversorgungsunternehmen derzeit enorm schwierig, zugleich wird das Zeitfenster bis zu den Zieljahren 2030/2031 immer kleiner“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Versorgungssicherheitsmonitoring stelle damit keinen "Stresstest“ respektive eine robuste Überprüfung der Versorgungssicherheitssituation im Jahr 2030 dar, sondern zeige lediglich, dass bei Erfüllung aller Prämissen die Versorgungssicherheit gewährleistet sei.

Zu wenig Anreize für Zubau an wasserstofffähigen Gaskraftwerken

Der erforderliche beträchtliche Zubau neuer steuerbarer Erzeugungskapazitäten, also wasserstofffähiger Gaskraftwerke und Biomasse-Anlagen, sei unter den aktuellen Marktbedingungen nicht realistisch. Der Energy-Only-Market setze hier nicht die notwendigen Investitionsanreize.

Unerlässlich sie deshalb, dass die Bundesregierung im Rahmen der Plattform klimaneutrales Stromsystem noch in diesem Jahr konkrete und wirksame Ergebnisse erzielt. Auch die Annahmen über den notwendigen Netzausbau seien sehr optimistisch.

Zweifel an Erreichbarkeit der Zielmarken bei den Flexibilitäten

Unklar bleibe auch, wie genau die im Bericht genannten Flexibilitätspotenziale erreicht und genutzt werden sollen. Immerhin gehe es hier um Flexibilitäten in Höhe von mindestens 41,2 Gigawatt (GW) zuzüglich der Steuerbarkeit von E-Autos und Wärmepumpen, so der BDEW.

Auch hier unterstelle der Bericht, dass die Zielzahlen – also 15,7 Millionen E-Fahrzeuge und 5,8 Millionen Wärmpumpen bis 2030 – erreicht würden und diese überwiegend steuerbar sind. 

Zudem mache die aktuelle Diskussion rund um steuerbare Verbrauchseinrichtungen deutlich, wie intensiv die Debatte um Akzeptanz und kluge Lösungen werden wird. Dieser Aspekt sei entscheidend, denn die verschiedenen Flexibilitätsoptionen hättem unterschiedliche Wertigkeiten für und unterschiedliche Wirkungen auf die Versorgungssicherheit.

(dpa/hoe)

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