Staatssekretärin und Grünenpolitikerin Franziska Brantner

Staatssekretärin und Grünenpolitikerin Franziska Brantner

Bild: © Marijan Murat/dpa

Die Parlamentatische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Franziska Brantner, hat Gasversorgern im Inforadio der Landesfunkanstalt RBB zu hohe Preise vorgeworfen.

Ähnlich wie beim Rohöl gebe es auf dem Gasmarkt "eine Entspannung auf hohem Niveau", sagte die Grünen-Politikerin. "Dort ist sogar bei Kriegsbeginn wieder wesentlich mehr Gas aus Russland gekommen als vorher. Und die Preise explodieren trotzdem."

Psychologische Effekte

Tatsächlich gingen die Gasflüsse aus Russland insbesondere über Polen und die Ukraine seit dem 24. Februar teilweise merklich nach oben – allerdings ausgehend von einem ungewöhnlich niedrigen Niveau. Inzwischen sinkt der Gasfluss über die Ukraine wieder leicht. Zudem kam zuletzt kein Gas mehr über Polen nach Deutschland.

Allerdings reagieren Händler nicht nur auf Änderungen bei fundamentalen Daten wie Wetter und Gasflüsse, sondern auch auf mögliche Zukunftsszenarien. Die Furcht, dass mit Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine auch die russischen Gasflüsse von russischer oder europäischer Seite gekappt würden, ließ die Preise nach oben schnellen.

Habeck gegen Energieembargo

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) hatte noch am Vorabend des russischen Angriffs auf die Frage, ob Deutschland komplett auf russisches Gas verzichten könne, mit "ja, kann es" geantwortet.

Inzwischen hat er sich gegen ein Embargo russischer Energie ausgesprochen.

Gab es Übergewinne?

Im RBB-Interview gibt Brantner zu, dass das Preishoch "auch etwas mit der Unsicherheit" zu tun habe. Das sei nachvollziehbar, sagt sie.

"Aber es muss auch überprüft werden, ob es hier eben Übergewinne gibt, ob es Absprachen gibt, die dazu führen, dass die Entlastungen, die eigentlich möglich wären, bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht ankommen."

"So viel wie nie zuvor"

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Check 24 zahlt ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh Gas diesen Monat bei Neuabschluss durchschnittlich 3305 Euro. "Das ist so viel wie nie zuvor", heißt es dort.

Allerdings werden bei Gas – anders als bei Benzin oder Diesel – Preissprünge im Großhandel in der Regel nicht unmittelbar an den Endverbraucher weitergereicht, sondern machen sich gerade bei Bestandskunden oft erst bei Preisrunden mit zeitlichem Abstand bemerkbar. So schreibt Check 24: "Durch den Russland-Ukraine-Krieg sind auch weitere Preissteigerungen nicht auszuschließen."

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