Über eine CO2-Abgabe ließen sich laut einer neuen Studie die Kosten für die Energiewende einkommensgerechter verteilen.

Über eine CO2-Abgabe ließen sich laut einer neuen Studie die Kosten für die Energiewende einkommensgerechter verteilen.

Bild: © SZ-Designs/Adobe Stock

Rund 39 Mrd. Euro zahlten die Deutschen allein im Jahr 2017 für die Integration von Wind, Sonne und Biomasse in das Strom- und Wärmenetz. Eine neue Studie des Vereins "CO2-Abgabe" in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München will die Finanzierung der Energiewende auf neue Füße stellen. Eine mit der Zeit ansteigende Abgabe auf jede emittierte Tonne CO2 soll zunächst alle Haushalte entlasten, sich aber nach und nach zum Leitinstrument für einen klimafreundlichen Lebenstil entwickeln, so die Kernaussage hinter dem Studientitel "Wirkungen und Verteilungseffekte des CO2-Abgabekonzepts auf Haushalte und Pendelnde".

Positiver Nebeneffekt: Vor allem Haushalte mit einem schwachen Nettojahreseinkommen, unterhalb von 15.000 Euro pro Jahr, werden bei ihren Energiekosten entlastet. Die Studie schlägt anstelle von Steuern und Umlagen (EEG, KWKG) eine Bepreisung von 40 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid vor. Im Durchschnitt würden dadurch 85 Prozent aller Haushalte 60 Euro pro Jahr mehr im Geldbeutel haben. Geringverdiener werden anteilig zu ihrem Gesamteinkommen jedoch deutlich stärker entlastet. Im aktuellen Steuer- und Abgabemodell fließen 9,4 Prozent ihres jährlichen Gesamteinkommens in die Strom- und Wärmeversorgung. Nach einer Abgabereform wären es nur noch 8,6 Prozent.  

190 Euro pro Tonne bis ins Jahr 2050

Bei einem Anfangspreis von 40 Euro pro Tonne senkt die CO2-Abgabe den Strompreis um neun Cent pro kWh. Leistungsempfängern von Hartz 4 könnte das am Ende des Monats ein wenig den finanziellen Druck nehmen. Bislang übernimmt der Staat die Kosten für Miete und Heizung, die Stromversorgung soll jedoch über den Regelsatz abgedeckt werden. Einem Single stehen dementsprechend knapp 37 Euro pro Monat für die Begleichung der Stromrechnung zur Verfügung – in vielen Fällen reiche das aber nicht, heißt es in der Studie.

Laut Modell soll die CO2-Abgabe ab 2020 jährlich um fünf Euro pro Tonne ansteigen. Während die Entlastung für alle Einkommensklassen bis 2023 anhält, heißt es danach, schrittweise draufzahlen. Zumindest für all jene, die bei ihrem Verbrauch den Klimaschutz außer Acht lassen. Bis ins Jahr 2050 soll die Abgabe auf 190 Euro pro Tonne ansteigen und einen "Sparwettbewerb" auslösen. Energieerzeuger, Intensivverbraucher und Haushalte sollen animiert werden, in umweltfreundliche Technologien zu investieren.

Fossile Stromimporte verteuern

Dem viel zitierten Einwand, steigende Energienebenkosten könnten für das Abwandern großer Industrieunternehmen sorgen und die deutsche Wirtschaft schwächen, begegnet die Studie mit Vorschlägen zu flankierenden Maßnahmen. Auf Importe von Kohle- oder Atomstrom sollen künftig ähnlich hohe Abgaben wie die CO2-Abgabe erhoben werden und so einen möglichen Wettbewerbsnachteil ausgleichen. Für die großen Kohlereviere soll die Politik entsprechende Maßnahmen zur Strukturförderung und Umqualifizierung umsetzen. Außerdem müsse die Bundesregierung Wettbewerbsverzerrungen dadurch begegnen, dass sie möglichst viele Staaten von einer nationalen CO2-Bepreisung überzeugt, so die Forderung des Autorenteams. (ls)

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