Stark gestiegene CO2-Preise im europäischen Emissionshandel haben dem deutschen Staat im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen beschert. So wurden allein dort 6,8 Mrd. Euro erlöst – ein Plus von mehr als einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr.
Insgesamt zählte das zuständige Umweltbundesamt Einnahmen von rund 13,2 Mrd. Euro aus dem Verkauf von CO2-Verschmutzungsrechten – "so viel wie noch nie", wie die Behörde bekanntgab. Im Vorjahr waren es 12,5 Mrd. Euro gewesen.
Geld fließt in Klimafonds
Das Geld fließt in den sogenannten Klima- und Transformationsfonds. Aus dem Sondervermögen würden aktuell Programme wie die Bundesförderung im Gebäudebereich, die Weiterentwicklung der Elektromobilität inklusive des Ausbaus der Ladeinfrastruktur, der Aufbau der Wasserstoffindustrie oder die Förderung der Energieeffizienz gefördert, teilt das Amt mit.
Der europäische Emissionshandel umfasst Treibhausgasemissionen aus Kraftwerken, großen Industrieanlagen und dem innereuropäischen Luftverkehr. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Preis für CO2-Zertifikate demnach bei 80,32 Euro.
Preis verdreifacht sich in zwei Jahren
Im Vorjahr waren es noch 52,50 Euro gewesen. Im Vergleich zum Jahr 2020 verdreifachte sich der durchschnittliche Erlös sogar.
Ein neuer Höchststand bei einer deutschen Auktion wurde am 19. August erzielt. Zu diesem Zeitpunkt lag der CO2-Preis bei 96,87 Euro.
Ambitioniertere EU-Klimaziele
Die starken Preissteigerungen führt das Umweltbundesamt insbesondere auf ambitioniertere EU-Klimaziele bis 2030 zurück. "Die Marktteilnehmer haben erkannt, dass die politischen Rahmenbedingungen auf mehr Klimaschutz ausgerichtet werden", heißt es. "Das setzt die erforderlichen ökonomischen Anreize für Investitionen in klimaschonende Technologien und Produktionsweisen."
Weniger Einnahmen als im Vorjahr kamen im nationalen Emissionshandel zusammen, das den Wärme- und Verkehrssektor umfasst. Statt wie im Vorjahr 7,2 Mrd. Euro wurden diesmal lediglich 6,4 Mrd. Euro erzielt.
Rückgang bei Zertifikateverkauf
Nach Angaben der Bundesbehörde wurden vergangenes Jahr insgesamt 198 Mio. CO2-Zertfiiakte im nationalen Emissionshandel zu einem Festpreis von 30 Euro verkauft. Dies entspricht einem Gesamtwert von 5,9 Mrd. Euro.
Weitere knapp 18,5 Mio. Zertifikate wurden im Rahmen einer begrenzten Nachkaufmöglichkeit von Zertifikaten zum Vorjahresfestpreis in Höhe von 25 Euro veräußert. Der Gesamtwert hierbei lag bei rund einer halben Mrd. Euro.
Gründe für Verkaufsrückgang
Insgesamt seien im vergangenen Jahr deutlich weniger Zertifikate als im Vorjahr verkauft worden, schreibt die Bundesbehörde. Dies sei jedoch nicht auf sinkende Emissionen im Verkehrs- und Gebäudebereich zurückzuführen.
"Ursächlich ist vielmehr der Beschluss des Gesetzgebers, die ursprünglich für 2023 vorgesehene CO₂-Preissteigerung auf 35 Euro um ein Jahr zu verschieben", heißt es. "Damit kosten Zertifikate in den Jahren 2022 und 2023 einheitlich 30 Euro."
Plädoyer für Klimaprämie
Einige Unternehmen hätten den Erwerb ihrer Zertifikate daher nach 2023 verschoben. Die 2022er Emissionen können nämlich auch mit Zertifikaten des Jahres 2023 abgegolten werden.
Geht es nach Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, sollten die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung für die Einführung einer sogenannten Klimaprämie genutzt werden. Heißt: Einnahmen aus der CO2-Bepreisung der privaten Haushalte im Bereich Verkehr und Wärme sollten wieder an die Bürger zurückfließen. Die Entlastung soll vor allem Haushalten mit niedrigen Einkommen helfen. (aba)



