Die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie haben zu erheblichen Folgen für Digitalisierung und Umwelt geführt. Dazu gehören weniger Verkehr, mehr Datenvolumen und ein verändertes Einkaufsverhalten. Das ist das Ergebnis einer Datenrecherche, die das Wuppertal-Institut und Ernst & Young (EY) im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführt haben und die Bundesumweltministerin Svenja Schulze am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat.
Der Personenverkehr ging durch die Corona-bedingten Einschränkungen deutlich zurück, so die Zwischenbilanz der beiden Forschungsinstitute. Ein Viertel aller Arbeitnehmer arbeitete demnach zeitweise im Homeoffice. In einer Umfrage erwarten jeweils rund ein Drittel der Befragten, dass Meetings auch in den kommenden Jahren durch Videokonferenzen ersetzt werden und dass weniger berufliche Reisen stattfinden werden. Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich der gesamte Personenverkehr um bis zu acht Prozent reduzieren lasse, wenn Homeoffice und virtuelle Arbeitsformen gefördert werden.
Mehr Abschreibungsmöglichkeiten für Digitalisierung
"Weniger Pendelverkehre und weniger Geschäftsreisen sind auch eine Chance für Lebensqualität und Umwelt“, kommentierte Schulze. „Darum habe ich mich als Umweltministerin im Rahmen des Konjunkturpakets dafür eingesetzt, die Abschreibungsmöglichkeiten für die Digitalisierung der Wirtschaft zu erweitern. Damit wollen wir Anreize setzen für Investitionen in die digitale Infrastruktur und die Ausstattung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist das Wachstum beim Online-Shopping. Umfragen zeigen zwar ein erhöhtes Interesse an regionalen Produkten. Allerdings fehlt hier noch häufig der Online-Zugang. Die Studienautoren sehen daher ein Potenzial in der Förderung regionaler digitaler Plattformen. Durch die stärkere Internetnutzung ist das Datenvolumen während der Corona-Zeit um rund zehn Prozent angestiegen – getrieben vor allem durch Streaming und Videokonferenzen. Ohne flankierende Maßnahmen dürfte dieser Anstieg auch zu einem höheren Energieverbrauch führen.
Pläne für eine „Green Cloud“
„Im Konjunkturpaket habe ich Wert auf die Feststellung gelegt, dass der Digitalisierungsschub in Verwaltung und Wirtschaft mit Blick auf den Energieverbrauch nachhaltig sein muss“, sagte die Bundesumweltministerin. „Hierzu haben wir konkrete Ideen, etwa ein Investitionsprogramm Green Cloud.“ Ziel sei der Ausbau von energieeffizienten und besonders klimafreundlichen Cloud-Infrastrukturen für Verwaltungen, den Bildungsbereich und Unternehmen.
"Wir erleben in diesen Monaten der Pandemie einen Bruch mit vielen Routinen, die wir vor Corona hatten“, bilanzierte Schulze. „Viele von uns reisen weniger, verbringen mehr Zeit in Videokonferenzen oder kaufen häufiger online ein. Niemand will, dass das Leben auf Dauer so bleibt, wie es in der Pandemie war. Aber manche neue Routine sollten wir uns erhalten, weil es Umwelt und Lebensqualität dient.“ Deutschland habe während des Corona-Lockdowns einen echten Digitalisierungsschub erlebt. Für die Umwelt biete das Chancen und Risiken. Jetzt komme es darauf an, durch kluge Politik die Chancen für den Umweltschutz zu nutzen und die Risiken zu minimieren. (hp)



