Stoßen denn die Verteilnetze in Hamburg aufgrund des Ausbaus der Ladeinfrastruktur, von Wärmepumpen und anderen flexiblen Verbrauchern jetzt schon an ihre Grenzen?
Aktuell haben wir noch keine Probleme. Aber unsere Netzplanung berücksichtigt natürlich die künftige Entwicklung. Wir haben dazu 2016 schon mal eine sehr umfängliche Studie erstellt, wo wir ausgehend von der Umstellung der Busbetriebe auch den Ausbau der privaten Elektromobilität bis 2030 betrachteten. 2030 sehen wir geringfügige Engpässe. Konkret würden demnach 3 von unseren 55 Umspannwerken in Hamburg an ihre Grenze kommen. Allerdings setzen wir bei dieser Prognose voraus, dass intelligent geladen wird. Schon jetzt hat jede große Ladeinfrastruktur, die wir in Hamburg haben, wie beispielsweise die Busbetriebshöfe oder Logistikunternehmen, auch ein Lademanagement.
Es ging ja auch immer um die Kostendimensionen, das ist ja der entscheidende Punkt. Können Sie nochmals erläutern, was der zusätzliche Netzausbau kosten würde, wenn man auf die vorgesehene Spitzenglättung verzichten würde?
Ein normaler Hausanschluss hat auf der Niederspannungsebene kann ca. 1,5 kW bei Gleichzeitigkeit 1. Entsprechend sind die Ortsnetzstationen und das vorgelagerte Netz dimensioniert. Wenn man nun an jedem Hausanschluss 11 kW zur Verfügung stellen müsste, zeitgleich, wäre das schon ein Faktor über 7. Wir sind also schon bei einem Vielfachen, was man zusätzlich an Hardware und an Geld bräuchte, unabhängig davon, dass dies in dieser Größenordnung gar nicht realisierbar ist. Wir können nicht jeden Versorgungsbereich auf diese Dimension aufrüsten. Und es ist auch gar nicht erforderlich. Mit Spitzenlastglättung können wir aus der vorhandenen Niederspannungsinfrastruktur Elektromobilität im großen Umfang ermöglichen, ohne dass die Kunden, für die das Fahren zählt, Einschränkungen haben.
Der Verband der Automobilindustrie und der Verbraucherzentrale-Bundesverband forderten, statt der Möglichkeit des steuernden Eingreifens der Netzbetreiber, marktliche Anreize wie zeitvariable Netzentgelte, um die Netze in Spitzenzeiten zu entlasten und E-Automobilisten nicht vor den Kopf zu stoßen. Eine sinnvolle Alternative?
Das Thema zeit- und lastvariable Tarife wird schon seit längerem diskutiert, dafür benötigen die Verbraucher auch die intelligenten Messsysteme. Wenn wir jetzt aber auch noch die Netzentgelte dynamisch gestalten, wird es im Ganzen noch komplizierter. Wir sehen das sehr skeptisch. Und der Hebel ist sehr überschaubar. Die Netzentgelte machen lediglich 25 Prozent des Strompreises aus.
Sollte also das zurückgezogene Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz in der neuen Legislaturperiode wieder auf den Tisch?
Ja, auf alle Fälle, das muss wieder thematisiert werden. Da muss eine Regelung her.
Das Interview führten Klaus Hinkel und Hans-Christoph Neidlein.
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