Von Julian Korb
Der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen in Deutschland schreitet weiter voran. Vor allem bei Freiflächen-Anlagen – sogenannten Solarparks – und großen PV-Anlagen auf Dächern beschleunigte sich der Zubau im ersten Quartal nochmal leicht. Bei privaten Aufdachanlagen war das Wachstum jedoch gut 20 Prozent schwächer als im Vorjahresquartal, wie Zahlen des Bundesverbandes der Solarwirtschaft (BSW Solar) zeigen.
Es ist der erste Dämpfer nach vielen Boomjahren für die Solarbranche. Bislang waren vor allem die Haushalte ein wichtiger Treiber des PV-Ausbaus. Denn die Corona-Pandemie und die Energiepreiskrise hatten gerade bei vielen Haushalten, aber auch bei Geschäftskunden, den Wunsch nach mehr Autarkie geweckt.
Solarleistung verdreifacht
Die Folge war ein nie dagewesener Solarboom. Der Zubau der Solarleistung verdreifachte sich innerhalb von drei Jahren – von 5,7 Gigawatt (GW) an neuen Anlagen im Jahr 2021 auf 17,5 GW Neuanlagen im Jahr 2024.
Ende 2024 waren dann erstmals 100 GW an Photovoltaik-Leistung in Deutschland installiert. Mittlerweile sollen es nach Angaben des BSW Solar sogar mehr als 105 GW sein. "Wir haben inzwischen über 9 Millionen Solaranlagen in Deutschland am Netz", so der Hauptgeschäftsführer von BSW Solar Carsten Körnig.
Vor allem sogenannte Balkonkraftwerke – richtigerweise Steckersolargeräte – treiben diese Zahlen hoch. Mehr als 800.000 solcher Geräte sind nach Angaben der Bundesnetzagentur bereits installiert – Tendenz deutlich steigend. Allerdings machen diese Mini-PV-Anlagen weiterhin nur einen kleinen Teil des PV-Marktes aus.
Sondereffekte bei Haushaltskunden
Beinahe verdreifacht hat sich zwischen 2021 und 2024 auch der Zubau von Gewerbedachanlagen. Bei großen PV-Freiflächenanlagen gab es in den vergangenen Jahren zudem stets mehr Gebote, als die Bundesnetzagentur ausschrieb. Die Folge: Die Gebotspreise sinken kontinuierlich. "Für rund 5 Cent die Kilowattstunde kann man heute bereits Solarstrom in Deutschland erzeugen", so Verbandsvertreter Körnig.
Sorgenkind war im bisherigen Jahresverlauf nun aber ausgerechnet das Heimsegment, der bisher wichtigste Treiber des Solarausbaus. Körnig sprach von "Sondereffekten" wegen der Corona-Pandemie und der Energiekrise durch den Russland-Ukraine-Krieg. "2025 erwarten wir einen Wachstumsrückgang bei PV-Dachanlagen und eine Seitwärtsbewegung bei Gewerbe- und Industrieanlagen."
Einen Zusammenhang mit der Baukrise in Deutschland sieht der Verbandsvertreter nicht. So würden die meisten privaten Aufdachanlagen derzeit auf Bestandsgebäuden errichtet.
Trend zu Anlagenkombinationen
Die Schwäche im Heimsegment zeigt sich derweil auch bei Stromspeichern. Auch hier fällt das Wachstum im Vergleich zum Jahr bisher schwächer aus. Bereits 2024 hatte sich der Zubau von Heimspeichern gegenüber dem Vorjahr abgekühlt, wenn auch mit rund 50 Prozent weiterhin auf hohem Niveau.
Laut dem Branchenverband zeigt sich bei Privatkunden ein Trend zu Anlagenkombinationen. Speicher seien hier inzwischen "Standard". Rund 80 Prozent der PV-Anlagen im Heimsegment würden mittlerweile mit Stromspeichern kombiniert.
Zulegen konnten dagegen Kleinst-Batteriespeicher für Balkonkraftwerke und Gewerbespeicher. Das mit Abstand größte Wachstum verzeichneten allerdings Großbatteriespeicher. Der Kapazitätszuwachs war im ersten Quartal fast dreimal so groß wie im Vorjahr. Der Verband hält eine Verfünffachung der Groß-Batteriespeicher-Kapazität bis 2026 für möglich. Das wären mehr als 10 Gigawattstunden (GWh).
Zustimmung in der Bevölkerung
Für den weiteren Zubau der Solarenergie zeigte sich BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Körnig zuversichtlich. Eine Umfrage, die der Verband in Auftrag gegeben hat, beweise die große Zustimmung in der Bevölkerung – vor allem für PV-Aufdachanlagen und Balkonkraftwerke, die mehr als 60 Prozent der Befragten als positiv empfanden.
Ein ähnlicher Teil der Bevölkerung könne sich vorstellen, selbst eine Solaranlage zu erwerben. Rund ein Achtel der Befragten sagten in einer anderen Studie, sie planten, noch dieses Jahr eine PV-Anlage anzuschaffen.
Mit Blick auf den Koalitionsvertrag sprach Körnig außerdem von einem "klaren Commitment" der künftigen Bundesregierung für den Ausbau der Erneuerbaren. Auch an den Klimazielen würde festgehalten.
Branche vorsichtig optimistisch
So zeigt sich laut einer Umfrage des Verbandes auch in der Solarbranche eine vorsichtig optimistische Stimmung. Knapp die Hälfte der Befragten erwarten im laufenden Jahr ähnliche Bedingungen wie im Vorjahr. Rund ein Viertel rechnen jeweils mit leicht schlechteren, beziehungsweise leicht besseren Geschäften.
Verbandschef Körnig appelierte an die neue Bundesregierung, die Hürden für den Bau von Batteriespeichern zu beseitigen und den Fokus auf die Digitalisierung des Energiesystems zu legen. So sollen etwa die Marktprozesse zwischen Anlagen-Betreibern, Netzbetreibern und Direktvermarktern vereinfacht und standardisiert werden. Um die Ausbauziele von 215 Gigawatt installierter Leistung bis 2030 zu erreichen, müsse das Ausbautempo zudem nochmal gesteigert werden.
Körnig hob auch die Bedeutung der Solarbranche für die deutsche Wirtschaft hervor. Nach Angaben des Verbandes beschäftigt die Solarbranche in Deutschland rund 150.000 Beschäftigte, beziehungsweise 120.000 Vollzeitäquivalente.



