Ein gut verbundenes Radwegenetz ist Teil des Karlsruher Klimaschutzkonzepts.

Ein gut verbundenes Radwegenetz ist Teil des Karlsruher Klimaschutzkonzepts.

Bild: © Stadt Karlsruhe

Städte wie Karlsruhe sind wichtige Treiber beim kommunalen Klimaschutz. Was konnte dort im Rahmen der Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes schon erreicht werden?

Lisbach: Als Stadt sind wir uns unserer Vorbildfunktion bewusst, und wir sehen auch schon ein deutlich gesteigertes Bewusstsein für den Klimaschutz. Seit dem ersten Klimaschutzkonzept 2009 haben wir die CO2-Emissionen bereits um 20 Prozent reduziert, müssen aber deutlich an Tempo zulegen. Unser neues Klimaschutzkonzept ist ein ehrgeiziger nächster Schritt: Es sieht vor, dass wir bis 2030 im Stadtgebiet die CO2-Emissionen um mindestens 58 Prozent, bezogen auf den Stand von 2010, senken. Das ist notwendig, denn die kommenden zehn Jahre werden entscheidend sein, wollen wir das große Ziel „Klimaneutralität 2050“ erreichen. Aktuell nimmt die Arbeitsgruppe für klimaneutrale Mobilität ihre Tätigkeit auf. Im Gemeinderat haben wir unlängst Richtlinien zum klimaneutralen Bauen verabschiedet mit konkreten Vorgaben für städtebauliche und andere Verträge, die die Stadt mit Bauinteressierten schließt. Energetische Sanierungen städtischer Liegenschaften werden verstärkt angepackt. Bereits in den kommenden Monaten werden mehr Photovoltaik-Anlagen auf unseren öffentlichen Liegenschaften zu sehen sein.

ZfK: Was sind die Erfolgsfaktoren für die Umsetzung?

Kienzlen: Der politische Wille zahlt sich aus: So ist Karlsruhe dank frühzeitiger Förderung Bundeshauptstadt des Carsharings; erst kürzlich wurden mehr Parkplätze umgewidmet und teilweise mit E-Ladestationen ausgestattet. Auch der Karlsruher Radverkehr wurde mit einem 20 Punkte-Programm erfolgreich ausgebaut. Eine Nahverkehrsabgabe könnte nun helfen, die nötigen Mittel aufzubringen, um den ÖPNV noch attraktiver zu machen. Alternative Energien bleiben wichtig: mehr Windkraft, Ausbau der Fernwärme, und das Potenzial der tiefen Geothermie erschließen. Wie Frau Lisbach engagieren auch wir uns für einen angemessenen CO2-Preis. Eine weitere wichtige Stellschraube ist die Altbausanierung: Hier besteht viel Potenzial für Energieeinsparungen.

ZfK: Welche Rolle spielen die Stadtwerke?

Lisbach: Die Stadtwerke sind bereits in Sachen erneuerbare Energien aktiv und haben dazu verschiedene Angebote im Programm. Wir brauchen sie beim Klimaschutz als wichtigen Partner, beispielsweise für Mieterstromangebote, Pachtmodelle für PV-Anlagen und bei der Umsetzung energetisch optimierter Quartierslösungen. Neben den Stadtwerken spielt auch die regionale Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur KEK eine wichtige Rolle, wenn es um Sanierungsplanungen sowie Beratung und Vermittlung alternativer Energien geht.

ZfK: Wie unterstützt die KEA-BW solche kommunalen Klimaschutzinitiativen?

Kienzlen: Wir verstehen uns als Partner aller Akteure und vermitteln zwischen Kommunen, Umsetzern und Entscheidern. Mit unserem Netzwerk decken wir alle Bereiche des Klimaschutzes ab, es geht also sowohl um Energieeffizienz als auch um erneuerbare Energien, und Energieeinsparungen. Wir beraten zur Altbausanierung ebenso wie zum Wärmenetz. Unsere fünf Kompetenzzentren mit ihren Wissensportalen stehen beratend zur Seite. Als Landesgeschäftsstelle des European Energy Awards eea ermöglichen wir es den Kommunen zudem, sich in Sachen Klimaschutz selbst zu verorten. Dies wirkt sehr motivierend.

ZfK: Wie wichtig ist die Eigeninitiative der Wirtschaft sowie von Privatleuten?

Lisbach: Klimaschutz ist die große Herausforderung unserer Zeit. Die Corona-Pandemie hat leider dazu geführt, dass der Klimaschutz ein wenig aus dem Fokus gerückt ist. Die Klimakrise ist aber nicht kleiner geworden. Als Stadt müssen wir weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen, das heißt nachhaltig und gleichzeitig klimafreundlich wirtschaften. Die kommunalen Liegenschaften und städtische Einrichtungen sind für etwa zwei Prozent der Emissionen in Karlsruhe verantwortlich. Das Potenzial für Wirtschaft und Verbraucher ist also riesig. Vielen Unternehmen ist mittlerweile bewusst, dass klimaschützende Produkte und klimaverträgliche Produktion langfristig rentabel sind und dass sich beispielsweise die Photovoltaik wieder lohnt. Auch in der Gesellschaft muss sich diese Dynamik weiterentwickeln. Mit unserer Öffentlichkeitsarbeit müssen wir gezielt auch diejenigen erreichen, die sich bislang wenig für den Klimaschutz interessieren.

(Die Fragen stellte Hans-Christoph Neidlein.)

Die Karlsruher Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach und Volker Kienzlen stellten das Klimaschutzkonzept der Stadt am gestrigen Dienstag im Rahmen der Webinar-Reihe "Klimaschutz konkret online" der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) vor. Weitere Webinare und Veranstaltungen der KEA-BW finden Sie hier

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