Ziele verfehlt: Die Bundesregierung muss zugeben, dass sich der CO2-Ausstoß in den nächsten 20 Jahren nicht so stark verringert, wie die EU fordert. Im Bild das RWE-Kohlekraftwerk in Eschweiler und Photovoltaikanlagen.

Ziele verfehlt: Die Bundesregierung muss zugeben, dass sich der CO2-Ausstoß in den nächsten 20 Jahren nicht so stark verringert, wie die EU fordert. Im Bild das RWE-Kohlekraftwerk in Eschweiler und Photovoltaikanlagen.

Bild: © Roberto Pfeil/dpa

Deutschland verfehlt einem aktuellen Berichtsentwurf zufolge seine Klimaziele für 2030 und 2040 deutlich. Das geht aus dem «Projektionsbericht 2021» hervor, der sich derzeit noch in der Ressortabstimmung befindet und den das Bundesumweltministerium am Donnerstag als Reaktion auf einen Medienbericht öffentlich gemacht hat.

Das «Handelsblatt» hatte zunächst über den Entwurf berichtet, den die Bundesregierung nach den EU-Vorgaben demnächst an die Europäische Kommission übermitteln muss. Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, alle zwei Jahre eine Projektion vorzunehmen, die die Entwicklung der Treibhausgasemissionen der nächsten 20 Jahre berechnet.

 „Klimapakt“ ist nicht berücksichtigt

Für die gesamten Treibhausgasemissionen ergibt sich demnach «im Zeitraum 1990 bis 2030 eine Minderung um 49 Prozent, und bis 2040 wird eine Minderung von 67 Prozent erreicht», heißt es in dem Entwurf. Nach dem vor einigen Wochen erneuerten Klimaschutzgesetz müssten die Treibhausgasemissionen aber bis 2030 um 65 Prozent sinken, bis 2040 um 88 Prozent. Der Bericht berücksichtigt allerdings nur die bis Ende August 2020 getroffenen Maßnahmen zum Klimaschutz.

Das Bundesumweltministerium betonte in einer Stellungnahme, dass die Aussagekraft der Inhalte «sehr begrenzt» sei. Seit Ende August 2020 habe sich «beim Klimaschutz so viel getan, dass der Projektionsbericht mit Blick auf 2030 als veraltet angesehen werden kann», teilt das Ministerium mit. So berücksichtige der Bericht etwa nicht die Maßnahmen, die die Bundesregierung diesen Sommer mit dem «Klimapakt» verabschiedet habe. Auch das Nachsteuern bei den Emissionen im Gebäudesektor, die Erholung nach der Pandemie und der «rasant gestiegene» Emissionszertifikate-Preis seien nicht Teil der Kalkulation. Ebenso wenig werde das Mitte Juli verabschiedete Klimapaket der EU-Kommission in die Betrachtungen einbezogen.

Die Annahmen in dem Bericht

Laut „Handelsblatt“ gehen die Autoren des Berichts davon aus, dass im Jahr 2030 in Deutschland 8,4 Mio. Elektroautos zugelassen sind. Außerdem unterstellt die Projektion einen CO2-Preis in den Sektoren Verkehr und Gebäude von 125 Euro im Jahr 2030 und von 200 Euro im Jahr 2035.
 
Dem Bericht zufolge wird sich die installierte Windkraftleistung an Land im Jahr 2030 von derzeit rund 54 Gigawatt (GW) auf 71 GW erhöht haben, die installierte Photovoltaik-Leistung von derzeit 54 GW auf 100 Gigawatt. Das entspricht auch den aktuell von der Bundesregierung beschlossenen Ausbauzielen für 2030. Höhere Ausbauziele für erneuerbare Energien über 2022 hinaus hat sich die Koalition trotz hochgeschraubter Klimaziele nicht gesetzt. (dpa/hp)

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