Die Zukunft des PPA-Marktes beschäftigt die Branche. Denn mit der EEG-Förderung könnten sich auch die Bedingungen für Stromabnahmeverträge (engl. Power Purchase Agreement, PPA) grundlegend ändern. "Es ist wichtig, dass der künftige CfD-Mechanismus den PPA-Markt nicht kaputt macht“, warnte Katrin Fuhrmann, Leiterin Origination bei Engie in der Jahreskonferenz 2024 der Marktoffensive Erneuerbare.
Ein monatlicher Wechsel müsse zwar nicht sein. "Aber die Frage ist: Wie gebe ich eine Möglichkeit, zehn Jahre ein PPA zu haben und dann noch eine Förderung hintenraus?" Die Nachfrage nach Grünstrom dürfe nicht ausgebremst werden.
Keine Wechsel mehr
Der Hintergrund: Mit der neuen EEG-Förderung ab 2027 ändern sich auch für Stromabnahmeverträge die Rahmenbedingungen. Denn der deutsche Gesetzgeber muss in die künftige Erneuerbaren-Förderung einen Abschöpfungsmechanismus für sogenannte Übergewinne einbauen. Im Englischen nennt sich dies "claw back", also "zurückholen".
In der Folge dürfte es künftig nicht mehr möglich sein, aus der staatlichen Förderung und einem ungeförderten PPA hin- und herzuwechseln. Der Grund: Wäre es dann weiterhin wie bislang möglich, kurzfristig aus der Förderung auszusteigen und ein PPA abzuschließen, ließe sich diese Abschöpfung bei hohen Marktpreisen umgehen.
Markt für kurzfristige PPA
"Ich glaube nicht, dass wir einen Weg finden können, der es ermöglicht, mit einer geförderten Anlage in ein PPA zu wechseln oder zurück", erklärte dazu der Energiemarktexperte Christoph Maurer, Geschäftsführer der Beratung Consentec. "Das führt zu einem Cherry-Picking. Wenn man für ein CfD ein Gebot abgibt, bleibt man über die Förderdauer in diesem Mechanismus." Erst nach der Förderung könne ein Betreiber dann wieder ein PPA abschließen.
Dadurch ändere sich der PPA-Markt. Langfristige PPAs würden attraktiver. "Wenn sie sich für ein PPA statt für eine Förderung entschließen, muss das entsprechend langfristig sein, um die Anlage abzusichern und finanzieren." Das werde den Markt für kurzfristige PPAs "abdämpfen" und die kurzfristige Optimierung in der jetzigen Form verhindern.
Mehrgewinne abführen
Eine ZfK-Umfrage unter Direktvermaktern von erneuerbaren Energien in Deutschland zeigte, dass viele die Sorge teilen. "Die Gefahr besteht, dass durch die Umstellung des Förderregimes der PPA-Markt komplett abgewürgt wird", sagt etwa Claus Urbanke, Leiter der Wind-, Solar- und Batteriespeicherentwicklung beim Projektentwickler und Direktvermarkter Statkraft. "Denn wenn der Claw-Back-Mechanismus kommt, müssten Sie bei PPAs in der Zukunft die Mehrgewinne an den Netzbetreiber wieder abführen. In so einem System gibt es keine Logik dafür, ein PPA abzuschließen."
Einer der Hauptnachteile davon wäre, dass die starke Nachfrage aus der Industrie nach Grünstromlieferungen nicht bedient werden könne. Zwar könnten Ü20-Windanlagen auch in Zukunft noch solche PPAs abschließen, neue Solarparks aber eher nicht.
Mittlere Frist fällt weg
Ähnlich äußert sich Alexander Krautz, Head of Product Development & Management beim Direktvermarkter Next Kraftwerke. "Diese Überlegungen führen unserer Ansicht nach zu einer kritischen Einschränkung der Vermarktungsmöglichkeiten für Anlagenbetreiber." Der freie Markt biete in der Regel keine ausreichende Sicherheit. "Es sei denn, es werden PPAs mit 10 Jahren Laufzeit abgeschlossen, was jedoch nur für wenige Großkonzerne in Betracht kommen wird."
Daher werde es faktisch keine PPAs mit mittleren Laufzeiten mehr geben. "Dies stellt für Anlagenbetreiber einen klaren Nachteil gegenüber dem bestehenden System dar."
Einmaliger Ausstieg aus der Förderung
Wie viele Branchenvertreter fordert deshalb Oliver Felthaus, Head of Sales bei der Handelstochter von Baywa r.e., dass es im künftigen Fördersystem möglich sein muss, mit einem PPA in den Markt zu starten und erst später die Förderung zu nutzen. Damit können Betreiber die Nachfrage von Industriekunden befriedigen, ohne das Risiko einzugehen, nach dem Ende solcher Verträge keinen Absatz mehr zu finden, weil bis dahin die Marktpreise zu stark abgesunken seien.
Laut Felthaus sollte es zudem eine einmalige Möglichkeit geben, aus dem Fördersystem auszusteigen. "Ein solcher Ausstieg wäre dann endgültig, das heißt ohne Rückkehroption." Die genauen Bedingungen wären noch zu diskutieren.
Kleine und mittlere Kunden
Klar ist schon jetzt, dass PPAs wohl noch komplizierter werden. "DieKomplexität gerade für mittlere und kleine Unternehmen ist enorm, das beschäftigt Heerscharen von Juristen", sagte Tobias Stäb, Director Partnering & Joint Venture Management bei der Erneuerbaren-Tochter der BASF bei der Tagung der Marktoffensive. Er dürfte damit vielen Industriekunden aus der Seele sprechen.
Immerhin kündigte Energiestaatssekretär Philipp Nimmermann an, dass das Wirtschaftsministerium auch kleine und mittlere Kunden auf dem Zettel hat. "Wir wollen für kleine und für größere Abnehmer unterschiedliche Lösungen haben", kündigte er an. (jk)



