In Norddeutschland will man die Sektorenkopplung mit einer industriellen Wasserstoffproduktion vorantreiben. Das BMWi fördert das Großprojekt.

In Norddeutschland will man die Sektorenkopplung mit einer industriellen Wasserstoffproduktion vorantreiben. Das BMWi fördert das Großprojekt.

Bild: © malp/Adobe Stock

Sollten die Bündnisgrünen ab Herbst mitregieren, könnte das die von der Erneuerbaren- Branche viel geforderten Änderungen im Strommarkt bringen. So sollen künftig flexible Verbraucher und Erzeuger endlich entlohnt werden, von Netzentgelten profitieren und der Strommarkt dadurch möglichst schnell 100 Prozent erneuerbar werden.

Allen voran wollen die Grünen die Erhöhung des CO2-Preises auf 60 Euro bereits auf das Jahr 2023 vorziehen, so steht es in ihrem Wahlprogramm. Das wiederum soll helfen, dass der Preis an der Strombörse in Stunden mit viel Erneuerbaren deutlich günstiger ist als in Zeiten mit viel Kohlestrom. Das soll Verbraucher und Betreiber von PtX-Technologien anreizen, „grünen“ Strom genau dann zu verbrauchen, wenn er tatsächlich auch produziert wird.

CO-Preis nicht mit Emissionshandel zusammenführen

Zudem sollte der CO2-Preis für Wärme und Mobilität vorerst nicht mit dem Emissionshandel für Strom und Industrie zusammengeführt werden. Zu unterschiedlich sind die Kosten der Emissionsreduktion: In den Sektoren Verkehr und Wärme würde jahrelang nichts passieren, während Stromsektor und Industrie überfordert würden, heißt es in dem Positionspapier der Bundestagsfraktion.

Erst wenn sich die Kosten in den Sektoren angeglichen haben könne man über ein Zusammenführen der Sektoren in einem gemeinsamen Emissionshandel nachdenken, heißt es weiter.

CO2-arme Technologien dürften im ETS nicht schlechter gestellt werden

Um Carbon Leakage zu vermeiden, soll die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten beendet werden, wenn es einen funktionierenden Klimazoll gibt. Kurzfristig soll sichergestellt werden, dass CO2-arme oder CO2-freie Verfahren im ETS nicht schlechter gestellt werden, weil sie gegenüber konventionellen Verfahren weniger kostenlose CO2-Zertifikate erhalten. Die Besserstellung klimaschädlicher Produktion im derzeitigen Zuteilungssystem müsse beendet und die Benchmarks für die freie Zuteilung von Zertifikaten entsprechend angepasst werden, so die Grünen.

Für weitere Preissignale am Strommarkt soll eine reduzierte EEG-Umlage für erneuerbaren Strom sorgen. So soll die Umlage bei Kunden mit intelligenten Stromzählern nicht mehr starr berechnet, sondern dann reduziert werden, wenn Wind und Sonn viel Strom einspeisen. Davon sollen vor allem Technologien profitieren, die flexibel auf die Erzeugungsspitzen der Erneuerbaren reagieren können. Letztlich werde dadurch das Gesamtsystem günstiger und die Strompreise sinken für alle. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass der steigende Strombedarf durch die Sektorenkopplung nicht über Kohlestrom gedeckt werden muss.

Netzentgelte für Sektorenkopplung senken

Da die Sektorenkopplung dazu beiträgt den Erneuerbaren-Anteil im Netz zu erhöhen und gleichzeitig die Netzstabilität gewährleistet, wollen die Grünen für solche Technologien variable Netzentgelte einführen und das netzdienliche Verhalten vergüten. Dynamische Verteilnetzentgelte sollen einen Anreiz bieten, den Verbrauch an die Erzeugung anzupassen. Zudem sollen große Anlagen der Sektorenkopplung technologieunabhängig von den Netzentgelten befreit werden, solange sie keinen Netzengpass verstärken oder verursachen.

Umgekehrt sollen Anlagen, wie Elektrolyseure oder große Wärmepumpen schon vor dem Redispatch vom Netz genommen werden, um so am Netzausbau zu sparen. Wer dennoch bei einem großen Engpass Strom beziehen will, muss laut dem Positionspapier erhöhte Netzentgelte für diese Stunden bezahlen. Im Übrigen sieht das Positionspapier fünf weitere Punkte vor, darunter Differenzverträge und die Umstrukturierung von Sonderregeln für Großverbraucher und Kraftwerke. (lm)

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