"Grundsätzlich haben wir es mit einem polarisierten Klimadiskurs in Deutschland zu tun", betont Fritz Reusswig, Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenfoschung (PIK). Die Mehrheit der Gesellschaft akzeptiere den Klimawandel, aber sie verstehe nicht alle Maßnahmen, fährt der Wissenschaftler in einer Veranstaltung bei den Berliner Energietagen fort. Das Kernproblem: "Populismus ist nicht nur eine Denkhaltung, es ist eine Strategie." Und zwar eine, die auf Diffamierung, Herabwürdigung der Meinung anderer und des Status abzielt.
Dies macht auch Rosaria Di Nucci, Projektleiterin im Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin, in ihrem Beitrag deutlich. "Populisten bezweifeln die Klimaschutz-Effekte und sie bezweifeln die Wissenschaftliche Befunde, die die Energiewende verteidigen." Argumentativ würden sie sich auf Wissenschaftlichkeit stützen. "Sie nehmen aber nur jene Studien, die ihre Thesen untermauern oder verzerren diese", so Di Nucci. Die Projektleiterin warnt zudem davor, dass Kommunen sich nicht nur auf reine Bürgerbeteiligung ausruhen könnten. "Diese Beteiligungsform schafft per se nicht automatisch Akzeptanz für die Themen wie Windenergie."
Roadshow: Was Energiewende alles positives leistet
Sowohl Reusswig als auch Di Nucci zeigen in ihren Vorträgen Ansätze und Gegenstrategien auf: "Neben einer starken öffentlichen Debatte müssen wir auch die kommunalen Akteure stärken. Beispielsweise durch eine Roadshow im Land", so der Wissenschaftler. Die Roadshow solle aufzeigen, was die Energiewende für positive Effekte auf den Klimaschutz habe. Außerdem solle sie dabei helfen Fakten voranzutreiben. "Gefährlich ist das Halbwissen, welches argumentativ von vielen Populisten verbreitet wird. Gerade auf politischer Ebene müssen die Bürgermeister ein Instrument haben, um ihren Bürgern die Fakten vermitteln zu können und auch bei Diskussionen gegenhalten zu können", betont Reusswig. Darüber hinaus sollten Regionen, die von den fossilen Energieträgern profitiert haben oder gar "abgehängt sind", Energiewende-Projekte als Chance erhalten. Durch monetäre Beteiligung und politische Partizipation könne dort Akzeptanz geschaffen werden.
Erfolgreiche Energie-Beispiele präsentieren
Di Nucci ergänzt in ihrem Vortrag, dass es sehr hilfreich sei, positive Beispiele als Visualisierung in petto zu haben. "Die anfängliche Abwehrhaltung der Bürger ist nicht gleich Populismus. Oft spiegeln sich Sorgen um die Landschaftsästhetik oder die Gesundheit wider." Deshalb sind erfolgreiche Energieprojekte eine Gelegenheit, um die Verunsicherten und Gegner zu überzeugen. "Wichtig ist auch, immer die lokale Wertschöpfungskette und die Bedeutung der Projekte für die Gemeinde hervorzuheben", so Di Nucci.
Bürgerinitiativen beleuchten
Einen praktischen Hinweis, der in eine andere Kerbe schlägt, liefert Manfred Redelfs. Der Leiter für Recherchen bei Greenpeace zeigt in seinem Beitrag auf, dass sich ein "gefährlicher" Trend aus Amerika auch hierzulande bereits kanalisiert habe. "Wir haben vermeintliche Bürgerinitiativen, die sich exemplarisch gegen ein Windkraft-Projekt stellen. Nur in der Realität stecken dahinter Industrieverbände", so Redelfs. Diese würden die "Tarnung" nutzen, um einen Glaubwürdigkeitsbonus zu erhalten und gegen die Projekte vor Ort mobil zu machen. (gun)



