Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Bild: © Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Klar ist, dass ein ganzes Bündel von Maßnahmen ergriffen werden muss, sei es bei Gebäuden oder Industrie, und es auch neuer Ansätze bedarf, um Energieeffizienzpotentiale noch besser zu heben. Darüber waren sich die Teilnehmer eines Panels „Energieeffizienz: Visionen 2050“ beim Energiewende-Kongress der Dena einig.

Bisher setzt die Bundesregierung vor allem auf einen Mix von staatlicher Förderung, marktbasierten Maßnahmen wie Ausschreibunge sowie der 2021 beginnenden CO2-Bepreisung, um Energieeffizienzziele zu erreichen, führte Barbara Schlomann vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe, aus. So soll der Primärenergieverbrauch in Deutschland bis 2030 im Vergleich zu 2008 um mindestens 30 Prozent sinken, die EU strebt noch schärfere Ziele an.

Erfahrungen aus dem europäischen Ausland nutzen

Um dies zu erreichen, gilt es noch einen Zahn zuzulegen, unterstrich Schlomann, die seit Anfang September auch Mitglied des neu gegründeten Expertenrats für Klimafragen der Bundesregierung ist. Grundsätzlich sind allerdings weitere Einsparmaßnahmen im Bereich der Industrie, beispielsweise bei der Prozesswärme, kostengünstiger als im Gebäudebereich, so Schlomann.

Sie plädierte dafür, bei entsprechenden weiteren Maßnahmen, die in Deutschland zwar diskutiert, aber noch nicht eingeführt wurden, auch Erfahrungen aus dem europäischen Ausland mit einzubeziehen. So gibt es in 18 EU-Länder Einsparverpflichtungen. Länder wie Frankreich nutzen laut Schlomann erfolgreich Bonus-Malus-Systeme für den Gebäudebereich sowie Pkw. In Irland und Großbritannien gibt es beschleunigte Abschreibungsmöglichkeiten für hocheffiziente Maschinen, vor allem im Industriebereich.

Auch Senkung des Endenergieverbrauchs im Blick haben

Die Notwendigkeit eines Maßnahmenmixes unterstrich Sybille Braungardt vom Freiburger Öko-Institut, dazu zähle auch der Infrastrukturbereich. Wichtig sei sich darüber klar zu sein, dass vor allem im Gebäudesektor Investitionsentscheidungen von heute, beispielsweise zur Art der Heizung, langfristige Auswirkungen habe und bis 2050 wirkten. Notwendige Innovationen müssten also schon heute erfolgen.

Auf grundsätzliche Aspekte einer „Roadmap Energieeffizienz 2050“, die derzeit von der Dena mitorganisiert wird, ging Thorsten Herdan vom Bundeswirtschaftsministerium ein. Er sprach sich dafür aus, künftig nicht nur Einsparungen beim Primärenergieverbrauch, sondern auch beim Endenergieverbrauch im Blick zu haben. Zudem stelle sich grundsätzlich die Frage, ob man Klimaschutzziele ohne stärker verpflichtende Maßnahmen erreichen könne.

Innovationen stärker voranbringen

Auch müsse es darum gehen noch stärker als bisher Innovationen voranzubringen, was jedoch auch eine Umstellung ganzer Prozesse bedeuten könne, beispielsweise bei der Umstellung der Bereitstellung von Gebäudewärme ohne die Erhitzung von Wasser.

Neue Möglichkeiten biete auch die Digitalisierung und der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, welche jedoch die Bewertung der Energieeffizienz in neuem Licht erscheinen lasse. Hier gelte es auch grundsätzlich zu debattieren, wie man Energieeffizienz künftig definiere, so Herdan.

Informationsdefizite bei Wärmepumpentechnik

Eine Lanze für die Wärmepumpentechnik brach Jürgen Fischer von Danfoss. Denn die Technik sei sehr effizient und vielseitig einsetzbar, beispielsweise auch als Großwärmepumpen bei der Einbindung von Geothermie in Nah- und Fernwärmesysteme.

Ein Problem sei jedoch der Informations- und Ausbildungsstand von Installateuren und Planern, die häufig nicht über die ganze Bandbreite von Effizienztechnologien wie der Wärmepumpen kennen würden, betonte Fischer. (hcn)

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