Knapp 15.900 Euro pro Megawattstunde müssen betroffene Bilanzkreisverantwortliche in der Spitze als Ausgleichsenergiepreise für den Monat Dezember bezahlen.

Knapp 15.900 Euro pro Megawattstunde müssen betroffene Bilanzkreisverantwortliche in der Spitze als Ausgleichsenergiepreise für den Monat Dezember bezahlen.

Bild: © Federico Gambarini/dpa

Hohe Strom- und Gaspreise treiben immer mehr Endkunden um und rufen einmal mehr den Branchenverband BDEW auf den Plan.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt haben sich von Anfang Januar bis Mai im Vergleich zum Vorjahr die Anfragen verdoppelt, bei denen es um den Einbau neuer Heizungen geht. Auch die Zahl der Energiechecks, bei denen Verbraucher von Experten zu Hause beraten würden, habe bei der Verbraucherzentrale zugenommen. Thema sei insbesondere der Einbau von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen.

"Leitungen laufen heiß"

Derzeit liefen die "Leitungen heiß", um Beratungstermine zu buchen, sagte eine Sprecherin der Verbraucherzentrale. "Seit Anfang dieses Jahres hatten wir 640 Beratungen zum Thema Energieeinsparung und -verträge." 2021 seien es im selben Zeitraum "nur" 100 gewesen.

Die Verbraucherzentrale rechnet bei den tatsächlichen Energiekosten für die Verbraucher mit dem "bösen Erwachen" Ende 2022 oder Anfang 2023 – wenn die Jahresabrechnung für die Nebenkosten für Mieter oder die Gas- sowie Stromrechnung für die Wohneigentümer im Briefkasten steckt. Davon geht auch der Deutsche Mieterbund Sachsen-Anhalt aus. "Zum Jahresende kommt dann der große Hammer", hieß es von dort.

Stromsteuer und Mehrwertsteuer

Der BDEW nimmt deshalb nun erneut die Bundesregierung in Pflicht. Sie müsse nach der Abschaffung der EEG-Umlage weitere Maßnahmen ergreifen, um die Belastung der Bürger nachhaltig zu dämpfen, fordert Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. "So sollte die Bundesregierung zum Beispiel die Senkung der Stromsteuer auf das europäisch zulässige Mindestmaß und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom und Gas von 19 auf 7 Prozent prüfen."

Auch das im Koalitionsvertrag angekündigte Klimageld solle weiter vorangetrieben und durch eine Energiekostenkomponente ergänzt werden, fügte die Verbandschefin hinzu.

Gaspreis hat sich verdoppelt

Gleichzeitig sollte die Bundesregierung stärker darüber informieren, wie Haushalte effizienter mit Energie umgehen und so Strom und Gas einsparen können, sagt Andreae. "Energiesparen senkt nicht nur die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern trägt auch dazu bei, dass unsere Gasspeicher befüllt werden und damit für eine Engpasssituation vorgesorgt werden kann."

Laut BDEW-Analyse ist für Privatkunden  die durchschnittliche Kilowattstunde Strom im bisherigen Jahresmittel um 15,5 Prozent teurer geworden und kostet bislang 37,14 Cent. Der Preis für Gas hat sich für Privatkunden dagegen in etwa verdoppelt (13,77 Cent pro kWh).

VKI ruft zum Energiesparen auf

Noch deutlicher fällt der Preissprung demnach bei kleinen und mittleren Industriekunden aus. Sie zahlen im Durchschnitt bislang 31,36 Cent pro kWh Strom. Das sind fast 50 Prozent als im vergangenen Jahr.

Zum Energiesparen rief zuletzt auch der Verband der Industriellen Energie und Kraftwirtschaft auf. Er fordert angesichts des Krieges in der Ukraine, bei der Stromerzeugung in Deutschland alle Ersatzmöglichkeiten für Erdgas zu nutzen. Es bestehe die dringende Notwendigkeit, den Erdgasverbrauch unverzüglich zu reduzieren, um die Vorräte zu schonen und das Ziel möglichst hoher Speicherfüllstände im Herbst 2022 zu erreichen.

Längere Laufzeiten für Kohlekraftwerke

VKI-Geschäftsführer Christian Seyfert nannte den Aufschub weiterer Stilllegungsauktionen für Steinkohle als Beispiel. Zudem sollten sämtliche derzeit auf behördlicher oder gesetzlicher Grundlage in Reserve befindlichen Kraftwerke bis auf Weiteres die Möglichkeit erhalten, ihre Kapazitäten zu vermarkten. Ferner sollten die gesetzlich festgelegten Stilllegungstermine für Braunkohlekraftwerke 2021, 2022 und 2023 einheitlich auf Ende 2024 verschoben werden. (aba/dpa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper