Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt für sich in Anspruch, die Energiewende wieder auf Kurs gebracht zu haben. Viele Unternehmenschefs machen sich trotzdem Sorgen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt für sich in Anspruch, die Energiewende wieder auf Kurs gebracht zu haben. Viele Unternehmenschefs machen sich trotzdem Sorgen.

Bild: © Kay Nietfeld/dpa

Mehr als zweieinhalb Jahre ist die Ampel nun hauptsächlich für den deutschen Energiewendekurs verantwortlich. Seitdem ist von höheren Erneuerbaren-Ausbauzielen über Solar-Boom bis hin zu verstärktem Netzausbau viel geschehen.

Für viele Unternehmenschefs ist trotzdem weiterhin viel Luft nach oben. Das belegt eine frisch veröffentlichte Umfrage des Beratungsunternehmens Atreus. Befragt wurden nach eigenen Angaben etwa 600 Spitzenführungskräfte, darunter Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte aus verschiedenen Branchen.

Energiewende-Tempo spaltet Gemüter

Mehr als die Hälfte der Befragten finden kaum oder gar nicht, dass der Gesetzgeber inhaltlich die richtigen Schwerpunkte setzt. Mehr als zwei Dritteln fehlt ein klares ganzheitliches Energiekonzept. Und nahezu 90 Prozent halten die aktuellen politischen Rahmenbedingungen für verbesserungswürdig.

"Es zeigt sich eindeutig, dass es Deutschland an einem klaren und zusammenhängenden, für alle Akteure nachvollziehbaren Energiekonzept fehlt", kommentiert Atreus-Energieexperte Martin Schulz, der die Studie mit auf den Weg gebracht hat. "Die aktuellen Maßnahmen sind teils widersprüchlich, klare Prioritäten fehlen."

Sorgen um Wettbewerbsfähigkeit

Bemerkenswerte Resultate gibt es zur Umsetzungsgeschwindigkeit. Einem Drittel ist die Energiewende zu langsam, einem weiteren Drittel sogar viel zu langsam. Ein Viertel hält das Tempo hingegen für zu schnell. Für lediglich sieben Prozent ist die aktuelle Geschwindigkeit angemessen.

Diejenigen Führungskräfte, denen die Energiewende zu schnell vorankommt, fürchten fast geschlossen, dass die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet wird. Immerhin noch 88 Prozent finden, dass ein "ideologisch getriebenes Vorgehen" den Blick auf Machbares und Sinnvolles verstelle.

Vorreiterrolle und Nachhaltigkeit

Eine Mehrheit vertritt zudem die Ansicht, dass Energiepreise durch eine schnellere Energiewende stiegen, Deutschland technologisch nicht vorbereitet sei und die Energieversorgung nicht flächendeckend in ausreichender Kapazität gesichert sei.

Unter dem deutlich größeren Anteil der Spitzenmanager, denen die Energiewende nicht schnell genug vorankommt, fürchten zwei Drittel, dass die deutsche Vorreiterrolle im Bereich Innovation und Nachhaltigkeit gefährdet werde. Rund die Hälfte hat Sorge, dass Deutschland seine Klimaziele nicht erreiche.

Hauptbaustelle Bürokratieabbau

Die größten Baustellen sehen die Befragten bei Genehmigungspraxis und Bürokratieabbau. 96 Prozent wünschen sich hier mehr Tempo. 81 Prozent halten die Genehmigungsprozesse sogar für viel zu langsam.

93 Prozent geben an, dass der Ausbau der Strom- und Wasserstoffnetze zu langsam oder viel zu langsam vorangehe. Entsprechend sehen die Befragten in beiden Bereichen großen Handlungsbedarf.

Bedeutung von Wasserstoff

Die Studie zeigt einmal mehr, für wie bedeutend die deutsche Wirtschaft den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft hält. 62 Prozent der Befragten stimmen zu, dass der Energieträger "einer der wesentlichen Bausteine" für das Gelingen der Energiewende sei.

Breite Mehrheiten finden, dass die Produktionskapazität für grünen Wasserstoff in Deutschland massiv ausgebaut werden müsse und das Wasserstoff-Kernnetz für das Gelingen der Energiewende eine wesentliche Voraussetzung sei.

Wasserstoff: Kernnetzantrag eingereicht

In der vergangenen Woche hatten die Fernleitungsnetzbetreiber einen gemeinsamen Wasserstoff-Kernnetzantrag mit rund 9700 Kilometern Länge eingereicht.

Zuvor hatte die Bundesregierung feierlich Förderbescheide für mehrere Wasserstoff-Großprojekte übergeben.

Energiewende-Fragen meistens Chefsache

Gute Noten verteilen die Manager sich selbst. Knapp 60 Prozent der Befragten sehen ihr Unternehmen gut oder sehr gut auf die Herausforderungen der Energiewende vorbereitet.

Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die Energiewende in Betrieben zumeist Chefsache ist. Ganze 85 Prozent gaben an, dass Energiefragen in ihrem Unternehmen auf Vorstands- oder Geschäftsfühungsebene entschieden würden. (aba)

Die ganze Studie können Sie über diese Seite herunterladen.

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