"Das ist das neue Deutschland-Tempo", versprach Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), als er in Wilhelmshaven das erste Flüssigerdgas-Terminal Deutschlands eröffnete. Warum geht der Ausbau der erneuerbaren Energien (EE) dann nicht auch so schnell? Darum drehte sich das Panel "Ausbau Erneuerbarer Energien: Wie kommen wir jetzt zu Ergebnissen?" beim Energie-Gipfel 2023 des Handelsblattes.
"In Niedersachsen haben wir bisher keine Beschleunigung erlebt", sorgte EWE-Chef Dohler sogleich für Ernüchterung. "Wir haben mehr Genehmigungen bei Onshore-Wind gesehen, in der Umsetzung hapert es aber noch. Der Flaschenhals, das sind die Flächen, die Genehmigungen und der finanzierbare Rahmen. Überall gibt es Defizite."
Flächen in Niedersachsen verdoppeln
Große Anstrengungen versprach dagegen der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne). "Wir setzen die Vorgaben des Bundes zum Ausbau der Erneuerbaren ganz schnell um. Wir werden die Flächen in Niedersachsen bis 2026 auf dann 2,2 Prozent verdoppeln."
Der Minister kündigte auch an, eine Taskforce zur Beschleunigung von Genehmigungen zu schaffen. "Bei Wind liegen wir in Niedersachsen bereits auf Platz eins. Es muss möglich sein, ein Windrad in einem Jahr zu genehmigen." So wolle das Bundesland einen Ausbau von 1,5 GW Windkraft pro Jahr erreichen.
Zentralisierung könnte helfen
Warum die Branche dennoch keine "Deutschland-Geschwindigkeit" bei den Erneuerbaren erwarte, erläuterte EWE-Chef Dohler. Es blieben zu viele offene Fragen, etwa der Einfluss von betroffenen Bürgern oder auch die Kapazitäten der Kommunen, die bereits jetzt überlastet seien.
"Die Kommunen müssen besser ausgestattet werden", so Dohler. "Vielleicht hilft auch eine Zentralisierung der Aufgaben, obwohl die Kommunen das nicht mögen."
Versorger sollen schon mal bauen
Aus der Politik erhielt er dafür Zustimmung. "Wir brauchen besser ausgestattete Behörden", betonte Umweltminister Meyer. "Wir müssen Verfahren auch zusammenziehen."
Der Grünenpolitiker sprach sich etwa dafür aus, Denkmalprüfungen zu bündeln. Außerdem seien die LNG-Terminals gebaut worden, bevor die Genehmigung erteilt waren. "Das könnte eine Blaupause für Energieversorger sein, schon mal zu bauen, wenn die Genehmigung erteilt ist, und nicht erst alle Klagen abzuwarten", so Meyer. Darüber, wie sich Schadensfälle versichern ließe, könne man noch sprechen.
"Jedes Bundesland hat andere Vorgaben"
Die "gute deutsche Leitz-Ordner-Kultur" rügte auch Wolfgang Gründinger, Chief Evangelist beim Solar-Startup Enpal. "Wir beschäftigen 70 Leute, die nichts anderes tun, als Netzanschlussanträge auszufüllen. Jedes Bundesland hat andere Vorgaben."
"Wir brauchen eine bundeseinheitliche Planung bei Windanlagen", stimmte Meyer zu. "Ja, und zwar bitte in Deutschland-Geschwindigkeit", ergänzte Gründinger. (jk)



