Es sieht aus, als würde die Verordnung zur Verlängerung der Energiepreisbremsen den Bundestag in den nächsten beiden Sitzungswochen passieren.

Es sieht aus, als würde die Verordnung zur Verlängerung der Energiepreisbremsen den Bundestag in den nächsten beiden Sitzungswochen passieren.

Bild: © Christian Müller/AdobeStock

Die Branche sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf am von der Bundesregierung vorgelegten Finanzierungsrahmen für das Wasserstoff-Kernnetz. Die geladenen Experten waren sich bei einer Anhörung im Bundestag zur 3. Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) einig, dass die Netzbetreiber erhebliche Investitionen tätigen müssen. Ohne die Mobilisierung von privatem Kapital werde es nicht gehen, betonte Markus Baumgärtner, Leiter Wertschöpfungskette Gas bei der EnBW. Man befinde sich in einem harten Wettbewerb, in dem man gegen andere Investitionsmöglichkeiten bestehen müsse. Für ihn steht fest: Der Selbstbehalt muss auf maximal 15 Prozent abgesenkt werden – auch weil die Netzbetreiber keinen Einfluss auf den Hochlauf von Wasserstoff haben.

 

Ähnlich argumentierte Gabriël Clemens, Geschäftsführer von Eon Hydrogen und CEO von Green Gas Eon. „Die geplante Verzinsung ist nicht hoch genug im Vergleich zum Stromnetz“, kritisiert er. „Warum sollten Investoren Geld für das Wasserstoff-Kernnetz bereitstellen, wenn die Rendite im Strombereich höher ist – und das bei geringerem Risiko?“, fragte er in die Runde. Der Selbstbehalt von 24 Prozent sei viel zu hoch. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Netzbetreiber in Mithaftung genommen werden für Bedingungen, die außerhalb ihres Einflussbereichs seien, gab Clemens Baumgärtner Recht.

Dümpelmann: Verteilnetze berücksichtigen

Auch 8KU-Chef Matthias Dümpelmann ist der Selbstbehalt zu hoch. Insgesamt habe er den Eindruck, dass die Ampel sich mit ihren Plänen nicht so richtig traue, beim Thema Wasserstoff die Handbremse zu lösen. „Ja, ich will eigentlich, aber ich will nicht so richtig“, fasste er zusammen. Sein Hauptkritikpunkt: Die Bundesregierung vernachlässige die zentrale Rolle der Verteilnetze, die für die Anbindung der Wasserstoffkunden unerlässlich seien. Nach wie vor sei unklar, wie das Verteilnetz umgerüstet werden soll und was mit den Netzen passieren soll, die nicht umgerüstet werden können oder sollen.  

Barbara Fischer, Chefin der FNB Gas, und Thomas Gößmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Thyssengas, waren sich einig, dass die Bundesregierung für eine gute und verlässliche Balance von Chancen und Risiken für Kapitalgeber sorgen muss. Beim Wasserstoff gebe es anders als beim Strom viele Fragezeichen und damit Unsicherheiten für Investoren. Das gelte es beim Finanzierungsrahmen transparent abzubilden, so Gößmann. Neben der Absenkung des Selbstbehaltes auf 15 Prozent sei auch die Herausnahme der Umstellungsleitungen aus der Selbstbehaltsregelung entscheidend für eine erfolgreiche Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes. „Mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag würde die Rechtssicherheit erhöht werden“, so die FNB Gas.

GTP verpflichtend einbeziehen

Einen anderen Aspekt rückte der DVGW ins Zentrum der Debatte: Nach Überzeugung des Verbands ist es dringend geboten, die Gasverteilnetzbetreiber besser an den Planungsprozessen zu beteiligen. „Ihre Gasnetzgebietstransformationspläne müssen in die integrierte Netzentwicklungsplanung der Fernleitungsnetzbetreiber zwingend mit einbezogen werden, um einen reibungslosen Umstellungsprozess zu ermöglichen und die lokalen Wasserstoffbedarfe korrekt zu erfassen.“

Handlungsbedarf gebe es auch bei der Systementwicklungsstrategie. Die Verteilnetz- und Fernleitungsnetzbetreiber müssen nach Überzeugung des DVGW direkt und eng in den Strategieprozess und die Szenarienerstellung eingebunden werden, um kostspieligen und klimaschädlichen Fehlplanungen vorzubeugen.

KWK-Anlagen nicht aus dem Blick verlieren

Auch der BDEW will, dass die Bundesregierung zügig die finanziellen Rahmenbedingungen für Leitungen schafft, die sich an das H2-Kernnetz anschließen. Ebenso müssten wasserstofffähige KWK-Anlagen Beachtung finden. Darüber hinaus seien ebenso die im Rahmen der Kraftwerksstrategie vorgesehenen H2-Ready-Kraftwerke und weitere Bedarfe an klimaneutralen gesicherten Stromerzeugungskapazitäten zu berücksichtigen.

Eine engere Einbindung der Kommunen sowie Berücksichtigung der kommunalen Wärmeplanung forderte Klaus Ritgen als Vertreter der kommunalen Spitzenverbände ein.

Pfluger sieht "mehr Staat" kritisch

Benjamin Pfluger von der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) wiederum warnte davor, mögliche Risiken rund um das Wasserstoff-Kernnetz weiter „in Richtung Staat“ zu verlagern. Zielführender sei es, die Risiken insgesamt zu minimieren.

Aus Sicht der Speicherbetreiber warnte Ines-Chef Sebastian Heinermann vor einer zu starken Fixierung auf die Frage der Anschlussmöglichkeiten in der politischen Debatte. Die Frage, welches Netzentgelt zu entrichten sei, gerate dadurch in den Hintergrund. Heinermanns Plädoyer: „Wir sollten stärker die Kosteneffizienz betrachten und dabei auch die Frage in den Blick nehmen, wo es weniger Netz sein könnte.“ (amo)

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