Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind im Schnitt zuletzt weiter gesunken.

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind im Schnitt zuletzt weiter gesunken.

Bild: © Jens Büttner/dpa

Wenn die Sondersitzung des Bundestag-Energieausschusses mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Dienstagabend etwas brachte, dann das: Das Bundeswirtschaftsministerium wird für diesen Winter nicht mehr im großen Stil Gas einkaufen, um die sich leerenden Gasspeicher wieder zu füllen.

Es bestehe keine Notwendigkeit für einen Markteingriff, hieß es aus Ministeriumskreisen. Die Wintervorsorge sei und bleibe Aufgabe der Lieferanten und Händler, der Markt übernehme Verantwortung.

Günstigerer Sommer-Winter-Spread

Auch für den kommenden Winter sieht das Ministerium Deutschland offenbar gut gerüstet. 60 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten seien bereits vermarktet, hieß es. Das sei mehr als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt. Und: Der Sommer-Winter-Spread stehe besser da als vor einem Jahr. Gemeint ist, dass es derzeit für Gasspeichernutzer wieder wirtschaftlicher ist, im Sommer ein- und im Winter wieder auszuspeichern. Tatsächlich liegt der Gaspreis für den kommenden Winter am wichtigsten europäischen Handelspunkt TTF aktuell etwas über dem Sommerpreis.

Fakt ist aber auch, dass die Gasspeicherfüllstände zurzeit historisch niedrig sind. Am Dienstagmorgen waren die Anlagen im Durchschnitt nur noch zu 23 Prozent voll. Im Vergleich zum Vortag wurde ein weiterer halber Prozentpunkt netto ausgespeist. Mit dem jetzigen Füllstand wurden bereits die Energiekrisenwinter 2021 und 2022 unterboten.

Noch tiefer lagen die Füllstände zuletzt 2018. Damals wurde die 30-Prozent-Marke allerdings erst Ende Februar unterschritten. Anfang April waren die Speicher dann nur noch zu 14 Prozent voll. Der Unterschied zu heute: Damals konnte Deutschland noch kein Flüssigerdgas über eigene Terminals kurzfristig ordern.

Füllstände in bayerischen Speichern besonders niedrig

Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass in diesem Jahr die Füllstandsvorgabe für Februar noch eingehalten wurde. Demnach mussten die Gasspeicher zu mindestens 30 Prozent voll sein. Selbst jetzt würden die meisten Gasspeicher noch Füllstände von mindestens 20 Prozent aufweisen.

13 Gasspeicheranlagen waren Stand Dienstagmorgen allerdings in einer Zone, die die Transparenzplattform AGSI rot einfärbt. Dabei handelte es sich um die Anlagen Frankenthal, Peissen, EWE-H-Gas-Zone, Rüdersdorf, MET Epe, Stockstadt/Haehnlein, Inzenham, Rehden, Lesum, Schmidhausen, Uelsen, Breitbrunn und Wolfersberg. Sie alle wiesen einen Füllstand von weniger als 20 Prozent auf. Auffällig: Nur einer der fünf bayerischen Gasspeicher – Bierwang – liegt über der roten Zone.

Keine klare Position zu strategischer Gasreserve

Wer von Reiche am Dienstag eine klare Position zur künftigen Gasspeicherabsicherung erwartete, wurde übrigens enttäuscht. Auch hier blieb die Wirtschaftsministerin vage. Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller, der ebenfalls der Sondersitzung beiwohnte, hatte sich schon im Januar für eine strategische Gasreserve ausgesprochen. Die Unionsfraktion hält dies zumindest für prüfenswert.

Klar sei: Ein staatlicher Eingriff solle nur dann erfolgen, wenn er die Versorgungssicherheit nachhaltig erhöhe, kosteneffizient ausgestaltet werden könne und die Marktakteure nicht aus der Verantwortung nehme, hieß es in Ministeriumskreisen. Man wolle sich auf europäischer Ebene für ein modernes Speicherregime einsetzen, das den modernen Anforderungen besser entspreche als starre Regelungen.

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