Ove Petersen, Gründer und Geschäftsführer von GP Joule, warnt in einem offenen Brief davor, dass die geplante Verordnung des Wirtschafts- und Energieministeriums zur Definition von „grünem Wasserstoff“ drohe, ihren Zweck zu verfehlen. Konkret sieht der Manager mit dem Vorstoß des Hauses von Peter Altmaier die Glaubwürdigkeit des grünen Wasserstoffs in Gefahr.
Das im Dezember 2020 novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht unter anderem vor, dass Strom aus erneuerbaren Quellen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff eingesetzt werden soll. Um das zu ermöglichen, wird auf diesen Strom keine bzw. eine geringere EEG-Umlage erhoben. Die genauen Kriterien für den grünen Wasserstoff soll das Wirtschafts- und Energieministerium bis Ende Juni durch eine Verordnung festlegen. Diese sollen laut Gesetz den Markthochlauf für grünen Wasserstoff fördern, einen glaubhaften Bezug von Strom aus erneuerbaren Quellen sichern und einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Energiesystems leisten – Ziele, die Petersen mit dem nun vorgestellten Eckpunktepapier nicht verwirklich sieht. „Das Wirtschaftsministerium versucht, den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen. Doch das geschieht durch zu wenig ambitionierte Kriterien für grünen Wasserstoff. Damit wird Minister Altmaier der Energiewende und dem Klimaschutz unterm Strich nicht nutzen, sondern schaden“, kritisiert der CEO in einer Pressemitteilung.
Keine Chance für Greenwashing
Ihm geht gegen den Strich, dass mit dem Eckpunktepapier der Bezug von Grünstrom für die Wasserstofferzeugung durch Zertifikate nachgewiesen werden soll. Dabei würden allerdings nur die Strommengen betrachtet, nicht der genaue Zeitraum, in denen sie erzeugt wurden. Genau das ist nach Überzeugung von Petersen aber entscheidend, denn die Produktion von Wind- und Solarstrom schwankt bekanntlich. Um sicherzustellen, dass Wasserstoff wirklich mit grünem Strom erzeugt worden sei, müssten Erzeugungs- und Verbrauchsmengen im Viertelstundentakt ausbalanciert werden. Diese Kopplung an echten Grünstrom sei allerdings teurer als das im Eckpunktepapier vorgesehene Zertifikatemodell. „Nach den aktuellen Eckpunkten wäre es möglich, Wasserstoff faktisch mit Graustrom zu erzeugen und für einen minimalen Aufpreis mit Zertifikaten zu begrünen“, ärgert sich Petersen. Billiger Greenwashing-Wasserstoff wäre so von echtem grünem Wasserstoff nicht zu unterscheiden und würde diesen verdrängen. „Ein Markt für Wasserstoff, der tatsächlich aus Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, kann sich dadurch nicht entwickeln.“
Doch mit der Zertifikateregelung gerät nicht nur der Markthochlauf für grünen Wasserstoff in Gefahr, sondern auch das zweite gesetzlich festgelegte Ziel der Verordnung. Laut § 93 EEG muss der Wasserstoff nämlich „glaubhaft“ mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt worden sein. „Die Verbindung über die Herkunftsnachweise erfüllt dieses Kriterium nicht und ist damit letztlich rechtswidrig“, erklärt Petersen in der Mitteilung weiter. Er fordert in seinem Brief an Wirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier deshalb eine schnelle Korrektur der Eckpunkte. (amo)



