Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen)

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen)

Bild: © Michael Kappeler/dpa

Gehen die Pläne des grün geführten Bundeswirtschaftsministeriums auf, ist die deutsche Braunkohlereserve nur noch diesen Winter nötig. "So wird es sein", sagte Robert Habeck in der ARD-Talkshow "Maischberger" und verwies auf die Verfügbarkeit von dann drei weiteren LNG-Terminals bei Rügen sowie in Wilhelmshaven und Stade. "Damit haben wir genug Infrastruktur geschaffen, um [für die Zeit danach] ein fossiles Polster zu haben."

Zuvor aber müsse man achtsam sein, mahnte der Minister. "Deshalb haben wir noch immer Netze gespannt."

"Danach sind wir sicherlich durch"

Ähnlich hatte Habeck bereits argumentiert, als er eine Verlängerung der Energiepreisbremsen bis ins Frühjahr 2024 ins Spiel brachte. Der beste Fall sei, wenn diese zwar da seien, aber nicht gebraucht würden.

"Es wird noch ein Jahr oder anderthalb Jahre dauern, bis die Preise wieder auf das normale Maß runtergehen werden", sagte der Minister Ende Juli der "Augsburger Allgemeinen". Wenn es noch so etwas wie eine kritische Phase geben würde, dann im kommenden Winter. "Danach sind wir sicherlich durch."

Blick auf Energiemärkte

Tatsächlich deckt sich die Erwartung, dass sich die Lage nach diesem Winter entspannen würde, nicht mit den aktuellen Marktprognosen. Seit Monaten liegen die Gaspreise auf Europas liquidestem Handelsplatz TTF für den Winter 2024/25 höher als die Vergleichsprodukte für die aktuelle Wintersaison.

Am Donnerstagvormittag wurde eine Megawattstunde (MWh) für das erste Quartal 2024 für 53 Euro gehandelt. Für das erste Quartal kostete die MWh sogar 55 Euro.

IEA: Entspannung erst ab 2026

Ein ähnliches Bild ergibt sich an der Strombörse EEX. Wer am Donnerstagvormittag für das erste Quartal 2024 Strom einkaufen wollte, zahlte 135 Euro pro MWh. Für das erste Quartal 2025 waren es acht Euro mehr.

Auch die Internationale Energie-Agentur geht erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts von einer deutlichen Entspannung auf den globalen Gasmärkten aus. Dann könne ein stark wachsendes LNG-Angebot in Katar und Nordamerika Marktspannungen und moderate Versorgungssicherheitsrisiken lindern, schrieb sie in ihrem kürzlich veröffentlichten Mittelfristausblick.

Gasstopp über Ukraine

Die deutschen LNG-Kapazitäten dürften sich durch die Inbetriebnahme von neuen Regasifizierungsanlagen bei Rügen sowie in Wilhelmshaven und Stade weiter erhöhen. Dem stehen aber wahrscheinliche Versorgungseinbrüche über die Ukraine-Transitroute spätestens Ende 2024 gegenüber. Der ukrainische Energiekonzern Naftogaz hat bereits angekündigt, den auslaufenden Vertrag mit dem russischen Gasriesen Gazprom nicht mehr zu verlängern.

Deutschland selbst erhält praktisch keine Gaslieferungen mehr über die Ukraine-Route, müsste aber in diesem Fall wohl stärker Gas in Nachbarländer wie Österreich exportieren, um dort auftretende Versorgungslücken zu schließen.

Fünf Braunkohlemeiler zurück

Anfang Oktober hatte die Bundesregierung beschlossen, die Braunkohlereserve für die aktuelle Heizperiode, sprich bis 31. März, zu reaktivieren. Konkret sollen fünf Kraftwerksblöcke betriebsbereit gehalten werden. Zwei davon stehen am Standort Jänschwalde in Brandenburg, zwei im rheinischen Niederaußem und einer in Neurath. Zusammen verfügen sie über eine Leistung von knapp zwei Gigawatt (GW).

Mit Blick auf den Winter 2024/25 ließ sich Habeck am Ende übrigens doch ein kleines Türchen offen. Es könne immer sein, dass etwas Unvorhersehbares passiere, führte er aus. "Eigentlich müssen wir immer damit rechnen, dass irgendetwas passiert." Dann, so die unausgesprochene Konsequenz, wäre wohl auch ein neuerliches Braunkohle-Wintercomeback nicht gänzlich ausgeschlossen. (aba)

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