Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Bild: © Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Die deutsche Energiewirtschaft sollte sich von dem Gedanken einer nationalen Autarkie und Versorgungssicherheit beim Strom verabschieden, erklärte Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik im Bundeswirtschaftsministerium, am Montag beim Führungstreffen Energie zum Auftakt der E-World in Essen. "Es macht absolut keinen Sinn, sich innerhalb Europas allein versorgen zu wollen", betonte Herdan. Bei der Gasversorgung sei es seit Jahrzehnten akzeptierte Realität, dass Deutschland auf mehrere Bezugsquellen aus dem Ausland angewiesen sei.

Angesichts des geplanten Ausstiegs aus der Kohleverstromung und damit einhergehend deutlich weniger gesicherter Leistung hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bereits angedeutet, dass für eine gesicherte Versorgung künftig der Strombezug aus den europäischen Nachbarstaaten eine größere Rolle spielen soll. In der Branche gibt es allerdings Bedenken, ob angesichts größerer Stilllegungspläne auch im Ausland die Erzeugungskapazitäten dafür ausreichen.

Klares Signal, 2038 "den Sack zuzumachen"

Die Energiebranche forderte Herdan zudem auf, die von der Kohlekommission in ihrem Abschlussbericht vorgelegten Ergebnisse und Empfehlungen zu akzeptieren und zügig umzusetzen. "Es wäre gefährlich, das, was dort erreicht wurde, wieder kaputt zu machen und zu zerreden", betonte der Abteilungsleiter. "Wir haben ein klares Signal bekommen, bis 2038 den Sack zuzumachen", betonte Herdan. Deutschland müsse auch nach außen deutlich machen, "dass wir die einzigen sind, die in einem hoch industrialisierten Land diesen Doppelweg gehen wollen und können", erklärte der Energieexperte.

In der Konsequenz liege die Anforderung auf dem Tisch, ab dem Jahr 2038 den Strombedarf komplett aus Erneuerbaren, Gas und durch Stromimport zu decken. "Dafür müssen wie jetzt die Rahmenbedingungen schaffen", so Herdan. Wichtig sei, für den künftigen Netzausbau Strom- und Gasinfrastruktur "zusammen zu denken". Auch der Prüfauftrag der Kohlekommission, eine Reform der Abgaben und Entgelte auf den Stromverbrauch in den Blick zu nehmen, müsse ernst genommen werden. "Klar ist, dass wir mit den derzeitigen hohen Abgaben bei der Sektorenkopplung nicht um die Ecke kommen", betonte Herdan.

Bei KWK "stromgetriebene Brille" ablegen

Gleiches gelte für eine CO2-Besteuerung im Gebäude- oder Verkehrssektor, die notwendig sei, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. "Schaffen wir es nicht, drohen uns Strafzahlungen von 20 bis 60 Milliarden Euro. Die fehlen uns dann bei den Investitionen für die Energieinfrastruktur", erklärte der BMWi-Abteilungsleiter. Bei der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) über 2025 hinaus müsse es einen "Switch in den Wärmebereich" geben. Da müsse die Branche die "stromgetriebene Brille" ablegen“, so Herdan. Die Produktion von Wärme durch KWK auf Basis von Gas und durch Erneuerbare bleibe im Fokus. "Denn Wärme ist schwer zu importieren." (hil)  

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