Vor zu viel Euphorie bezüglich des Energieträgers Wasserstoff hat der hessische Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) gewarnt. „Ich bin überrascht, wer jetzt so alles das Wasserstoffzeitalter ausruft“, sagte Al-Wazir am Donnerstag auf der digitalen VKU-Landesgruppenversammlung Hessen. Der Einsatz von Wasserstoff solle auf ausgewählte Bereiche wie die Dekarbonisierung von Produktionsprozessen in der Industrie, etwa der Stahlbranche, beschränkt sein. Für die Sektoren Verkehr und Wärme eigne sich Wasserstoff unter den gegenwärtigen Voraussetzungen aufgrund der mangelnden Effizienz nicht.
So sehe er etwa eine Beimischung von Wasserstoff in die Erdgasnetze skeptisch. „Das wäre so, als wenn man einen Fingerhut Champagner einer Flasche Billigsekt beimengen würde“, erklärte der Ressortchef. Das hessische Energieministerium werde aber noch im laufenden Jahr eine Wasserstoffstrategie für das Land vorlegen, kündigte Al-Wazir an. Die internen Konsultationen dazu würden bis Ende April abgeschlossen sein. So werden momentan etwa Gespräche mit dem Chemiekonzern Evonik geführt.
Fokus auf Ausbau der Übertragungsnetze
Statt sich zu stark auf Wasserstoff zu konzentrieren, müsse der Fokus wieder deutlicher auf den Ausbau der Stromübertragungsnetze gelegt werden, forderte der Grünen-Politiker. So habe sich der Bau der Thüringer Strombrücke bereits nach zwei Jahren amortisiert, weil die entsprechenden Kosten für das Einspeisemanagement weggefallen seien. „Die Idee einer stärkeren Vernetzung zwischen Nord und Süd ist weiterhin richtig“, sagte Al-Wazir.
Dies gelte umso mehr, als der Stromverbrauch künftig kontinuierlich ansteige werden. Die Zeiten, in denen in Hessen der Strombedarf von Jahr zu Jahr gesunken sei, gehörten der Vergangenheit an. Die Elektrifizierung des Verkehrs, industrielle Prozesse, die digitale Kommunikation und die Wärmewende seien die Treiber eines steigenden Bedarfs. Zudem werde Erdgas noch auf längere Zeit eine wichtige Rolle für die Energieversorgung spielen. „Wir werden Gas noch deutlich länger benutzen als jetzt diskutiert wird“, betonte Al-Wazir.
Viertel des Stromverbrauchs durch Erneuerbare
Für den Erneuerbaren-Ausbau in Hessen zog der Landesminister ein positives Fazit. So sei 2019 in Hessen erstmals mehr Strom mit Erneuerbaren erzeugt worden als mit konventionellen Energieträgern. Der Stromverbrauch des Bundeslandes werde aber nur zu einem Viertel durch erneuerbare Energien gedeckt, da nach wie vor etwa die Hälfte des Bedarfs aus anderen Ländern kommt. Zuletzt sei es gelungen, den erheblich ins Stocken geratenen Zubau der Windkraftkapazitäten wieder etwas in Gang zu bringen. So wurden im vergangenen Jahr knapp 90 MW zugebaut, bei der Photovoltaik waren es rund 200 MW. (hil)



