Auch bei der Kohle ist Russland für Deutschland nach wie vor einer der wichtigsten Lieferanten: 2021 kamen 57 Prozent der eingeführten Hartkohle und Hartkohleprodukte wie Briketts oder Koks dorther.

Auch bei der Kohle ist Russland für Deutschland nach wie vor einer der wichtigsten Lieferanten: 2021 kamen 57 Prozent der eingeführten Hartkohle und Hartkohleprodukte wie Briketts oder Koks dorther.

Bild: © Parilov/Adobestock

Die deutschen Kohlenimporteure halten bis zum Jahresende einen vollständigen Verzicht auf russische Kohle für möglich. «Die russische Steinkohle kann durch Kohle aus anderen Ländern wie USA, Südafrika, Australien, Kolumbien, Mosambik und Indonesien ersetzt werden», sagte Alexander Bethe, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Kohlenimporteure, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). Ähnlich hatte er sich bereits Anfang März in einem Interview mit der ZfK geäußert.

Der komplette Verzicht auf russische Kohle soll laut dem aktuellen Interview von Bethe bis zum nächsten Winter möglich sein. Allerdings drohten höhere Preise.

 

Die EU-Kommission plant eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Unter anderem ist ein Importstopp für Kohle vorgesehen. Offen ist, ab wann er gelten soll. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte erklärt, bis zum Herbst könne Deutschland unabhängig von russischer Kohle sein. Ob die Sanktionen wie vorgeschlagen verhängt werden, müssen nun die 27 EU-Staaten entscheiden.

Suche nach Alternativen zu russischer Kohle läuft bereits seit Längerem

Die Kohlenimporteure seien nicht unvorbereitet, sagte Bethe. Schon seit dem Herbst 2021 komme es bei russischer Kohle zu Lieferengpässen. «Seitdem suchen Handel und Verbraucher nach Alternativen.» Es gebe einen gut funktionierenden Weltmarkt mit etwa einer Milliarde Tonnen Steinkohle. Deutschland habe im vergangenen Jahr rund 18 Millionen Tonnen Steinkohle aus Russland importiert.

Ende März hatte sich bereits die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, mit Blick auf Alternativen zu Steinkohle aus Russland optimistisch gezeigt.

Industrie: "Umsetzung der Sanktionen ist nicht einfach, aber Entscheidung ist nachvollziehbar"

Die deutsche Industrie steht hinter dem Sanktionskurs der Bundesregierung und der Europäischen Union gegen Russland. «Die Gräueltaten in Butscha verlangen nach einer entschiedenen, unmissverständlichen Reaktion des Westens», sagte Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

«Ein vollständiges, europaweit abgestimmtes Embargo auf russische Kohle geht über die von den Unternehmen bereits umgesetzte Reduzierung russischer Kohlelieferungen noch einmal deutlich hinaus. Die Umsetzung ist nicht einfach und hat ihren Preis, aber die Entscheidung ist vor dem Hintergrund der Eskalation der Gewalt mehr als nachvollziehbar.»

BDI-Präsident: "Neue logistische Herausforderungen ohne wirtschaftliche Schäden bewältigen"

Industriepräsident Russwurm sagte mit Blick auf Russland: «Es braucht zielgenaue und langfristig durchhaltbare Sanktionen, die den Aggressor stärker bestrafen als uns Europäer. Für Kohle trifft das zu: Sie lässt sich auf dem Weltmarkt durch Lieferungen aus anderen Ländern ersetzen und prinzipiell mit der vorhandenen Transport-Infrastruktur zu den Nutzern bringen.»

Die Bundesregierung müsse nun gemeinsam mit den europäischen Partnern dafür sorgen, die logistischen Herausforderungen, die sich durch den Verzicht auf russische Kohleimporte ergeben, ohne wirtschaftliche Schäden zu bewältigen.

Völlig anders sei die Situation beim Gas, so Russwurm: «Ein Komplettausfall russischer Gaslieferungen, die andere Lieferanten nicht kurzfristig ersetzen können, wäre ein gewaltiger Stresstest für die EU - mit unabsehbaren Folgen für Versorgungssicherheit, Wachstum, Beschäftigung und unsere politische Handlungsfähigkeit.» Auch die Bundesregierung lehnt ein Embargo russischer Gasimporte ab und warnt vor schweren Schäden für die Wirtschaft. (dpa/hoe)

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