Uniper will mit dem Kraftwerksstandort Staudinger ins Rennen gehen.

Uniper will mit dem Kraftwerksstandort Staudinger ins Rennen gehen.

Bild: © Oliver Berg/dpa

Wenn es so kommt, wie es sich die Bundesregierung vorstellt, findet in gut drei Monaten die erste Ausschreibung im Rahmen des Kraftwerksgesetzes (StromVKG) statt. Die zweite Ausschreibung soll im Dezember folgen. Für Interessenten heißt das: Die heiße Phase steht bevor.

Eine der großen Fragen ist: Wer nimmt alles teil? Eine ZFK-Umfrage bei ausgewählten Unternehmen zeigt: Potenzielle Kandidaten aus dem kommunalen Umfeld halten sich noch bedeckt oder winken bereits ab.

Enervie hat bereits konkreten Standort im Blick

Abwarten will beispielsweise noch der Hagener Regionalversorger Enervie. "Ob und zu welchem Zeitpunkt wir an den Auktionen teilnehmen, hängt von den konkreten Inhalten des noch zu verabschiedenden Strom-VK-Gesetzes und unserer Bewertung dazu ab", teilte ein Unternehmenssprecher mit. Prinzipiell zeigte Enervie schon früh Interesse und verfügt mit dem Standort Hagen-Kabel über eine geeignete Liegenschaft.

Eigene Kraftwerksstandorte haben auch die Hamburger Energiewerke. Sie könnten sich perspektivisch vorstellen, an den Auktionen teilzunehmen, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. "Konkrete Planungen für eine Teilnahme noch in diesem Jahr bestehen derzeit jedoch nicht."

Stadtwerke-Tochter KMW prüft Teilnahme aktiv

Zurückhaltend zeigt sich auch die Nürnberger N-Ergie. "Wir werden die Ausschreibungen zunächst im Detail analysieren", teilte der Versorger mit. "Auf dieser Grundlage werden wir anschließend bewerten, ob und in welcher Form eine Beteiligung für unser Unternehmen sinnvoll ist."

Offensiver kommunizieren die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW). Das Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Mainz und der Wiesbadener ESWE prüft aktiv eine Beteiligung an beiden Ausschreibungsrunden. KMW sei prinzipiell bereit zu investieren, schreibt das Unternehmen. "Was jetzt zählt, sind klare, verlässliche und praxistaugliche Regeln."

Trianel will noch keine konkrete Aussage treffen

Konkrete Pläne zum Bau eines neuen Gaskraftwerks gibt es bei der Aachener Stadtwerke-Kooperation Trianel schon länger. Der Standort steht ebenfalls fest: Hamm in Nordrhein-Westfalen, wo das Unternehmen bereits zwei Gasblöcke in Betrieb hat.

Auf Anfrage will Trianel aber "aktuell noch keine konkrete Aussage zu einer Beteiligung an Ausschreibungen in diesem Jahr treffen". Grundsätzlich sei entscheidend, dass das Kraftwerksgesetz im parlamentarischen Verfahren so ausgestaltet werde, "dass kommunale Unternehmen und weitere kleinere Akteure realistische Teilnahmechancen haben". 

Den größten Änderungsbedarf sieht Trianel bei den Sicherheitsleistungen und Pönalen: Sie bänden zu viel Kapital und verlagerten Risiken stark auf die Investoren. Das sei insbesondere für kommunale Unternehmen ein Problem: Sie bräuchten dieses Geld auch für Netzausbau und Wärmeplanung.

Zudem teilt Trianel die Wettbewerbsbedenken des Bundeskartellamts: Ohne Mengenbegrenzung drohe eine Konzentration großer Kapazitätsanteile bei wenigen kapitalstarken Anbietern.

Das Bundeskartellamt hatte eine Begrenzung auf zehn Prozent der auszuschreibenden Menge vorgeschlagen. Die Stadtwerke-Kooperation könnte sich auch eine Obergrenze von 20 Prozent vorstellen.

Statkraft nimmt dieses Jahr nicht teil

Ein klares Nein zu einer Teilnahme noch in diesem Jahr kommt von Statkraft. Der norwegische Staatskonzern hatte noch zu Ampelzeiten durchaus Interesse signalisiert.

Andere Unternehmen dürften dagegen gesetzt sein. Der Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber Uniper zum Beispiel will auf rund zwei Gigawatt mitbieten. Die Gaskraftwerke in Gelsenkirchen-Scholven und Staudinger bei Hanau mit jeweils rund einem Gigawatt befänden sich im "fortgeschrittenen Planungsstadium".  

Auch der Karlsruher Energiekonzern EnBW will teilnehmen. Die konkreten Rahmenbedingungen seien aber ausschlaggebend, ob sich Investitionen wirtschaftlich rechnen. So sieht der Gesetzentwurf vor, dass Neubauten ständig eine Momentanreserve vorhalten müssen. Diese kann bei Störungen die Netzfrequenz unverzüglich stabilisieren. Der Konzern kritisiert, dass die vorgesehene Vergütung dafür die Kosten nicht wirtschaftlich abdecke: "Die EnBW setzt sich daher zumindest für die Reduzierung der umfangreichen technischen Anforderungen ein." Außerdem mahnt das Unternehmen einen größeren zeitlichen Abstand zwischen den beiden Auktionen an. Die zweite Runde solle von Dezember 2026 auf Anfang 2027 verschoben werden.

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