Der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass  Atom- und Gaskraftwerke unter bestimmten Voraussetzungen als «grüne» Investitionen eingestuft werden.

Der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass Atom- und Gaskraftwerke unter bestimmten Voraussetzungen als «grüne» Investitionen eingestuft werden.

Bild: © Hans und Christa Ede/Adobestock

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) plädiert angesichts der Energiekrise für eine längere Laufzeit des Atomkraftwerks Isar 2. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke habe ihn am Donnerstag aufgefordert, bei der Bundesregierung die gesetzlichen Voraussetzungen für einen sogenannten Streckbetrieb einzufordern, teilte Reiter mit. Damit könnte der Meiler mit den bestehenden Brennelementen noch bis längstens Mitte nächsten Jahres weiterlaufen.

«Damit würde zumindest ein Beitrag geleistet, um auch im Fall einer weiteren Verschärfung der Situation die Versorgungslage der Münchner Bürgerinnen und Bürger zu entspannen», begründete Reiter den Schritt.

Ungelöste Endlagerproblematik steht weiterem Betrieb im Weg

Von Seiten der Union wurde der Vorschlag abgelehnt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte bei einer Klausurtagung im oberfränkischen Kloster Banz, ein Streckbetrieb würde keine Vergrößerung der gewonnenen Strommenge bedeuten - und sei damit nutzlos.

CDU-Chef Merz: "Die Dinger müssen weiter laufen"

CDU-Chef Friedrich Merz sagte im Kloster Banz, der Streckbetrieb mache nur dann Sinn, wenn die gewonnene Zeit dazu genutzt werde, über den Winter neue Brennelemente für eine verlängerte Laufzeit zu beschaffen. Frankreich gelinge es, Brennstäbe für mehr als 50 Kernkraftwerke zu besorgen.

Die Frage sei, ob Deutschland dies für drei Anlagen gelänge. «Technisch geht es, juristisch ist es möglich, politisch muss es gewollt werden», sagte Merz. «Ob mit oder ohne Streckbetrieb ehrlich gesagt ist mir wurscht. Die Dinger müssen weiter laufen.»

Auch bei anderen Kraftwerken wird über Laufzeitverlängerung diskutiert

Während der nahe der niederbayerischen Stadt Landshut gelegene Kraftwerksblock Isar 1 im Rahmen des beschlossenen Ausstiegs Deutschlands aus der Atomenergie bereits abgeschaltet wurde, verliert Isar 2 regulär Ende dieses Jahres seine Berechtigung zum Leistungsbetrieb.

Im Zuge des Überfalls Russlands auf die Ukraine und der damit einhergehenden Turbulenzen auf dem Gasmarkt wird allerdings derzeit auch bei anderen Kraftwerken über eine mögliche Verlängerung der Laufzeit diskutiert.

OB Reiter gegen weitergehende Verlängerung

Länger als bis höchstens Mitte 2023 soll Isar 2 allerdings nach dem Willen Reiters nicht laufen. «Eine weitergehende Verlängerung unter Einsatz neuer Brennelemente kommt für mich nach wie vor aufgrund der völlig ungelösten Endlagerproblematik keinesfalls in Betracht. Der Vorschlag der CSU, die Laufzeit der Kernkraftwerke generell zu verlängern und die AKW mit dem Kauf neuer Brennstäbe weiter zu betreiben, kommt für mich daher nicht Frage», betonte Reiter. Die Stadtwerke München sind mit 25 Prozent an Isar 2 beteiligt, den Rest hält die Betreiberin PreussenElektra.  (dpa/lm)

 

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