Die Intensiv-Landwirtschaft mit ausgeräumten Böden und hochspezialisierten Pflanzen sei zu anfällig und belaste die Umwelt massiv, so der NABU.

Die Intensiv-Landwirtschaft mit ausgeräumten Böden und hochspezialisierten Pflanzen sei zu anfällig und belaste die Umwelt massiv, so der NABU.

Bild: © Dusan Kostic/AdobeStock

Der Frust war NABU-Präsident Olaf Tschimpke anlässlich der heutigen Vorstellung des Jahresberichts des mitgliederstärksten deutschen Umweltverbands deutlich anzumerken. "Seit Jahren machen wir Vorschläge für eine Neuausrichtung der Landnutzungs- und Klimapolitik, doch es fehlt der politische Wille für Strukturveränderungen", sagte er. Gefordert sei auch mehr politische Führung und verbesserte Koordination der oft widersprüchlichen Aktivitäten der verschiedenen Ministerien durch die "ehemalige Klimakanzlerin" schrieb Tschimpke Angelika Merkel ins Stammbuch. Sich immer nur an Bremsern zu orientieren bringe Deutschland nicht voran.

"Wir brauchen mehr politische Tatkraft und substanzielle Veränderungen statt symbolische Aktionen und Nothilfeprogramme", forderte der NABU Präsident. Denn der Handlungsdruck für ein Umsteuern bei der Klima- und Agrarpolitik sei angesichts der zunehmenden Erderwärmung und der derzeitigen Rekordhitze offensichtlich. "Es ist jedoch falsch, immer nur die Symptome einer fehlgeleiteten Landwirtschaft zu lindern, wenn es möglich ist, die Ursachen zu bekämpfen", so der NABU-Präsident.

Agrarmittel umschichten – mehr PV statt Energiepflanzen

Die Intensiv-Landwirtschaft mit ausgeräumten Böden und hochspezialisierten Pflanzen sei zu anfällig und belaste die Umwelt massiv. Hilfszahlungen müssten an Bedingungen für eine umwelt- und klimaverträglichere Wirtschaftsweise wie vielfältigere Fruchtarten, die Schaffung von Naturschutzflächen, Bio-Anbau, Insektenschutz oder die Reduktion klimaschädlicher Emissionen geknüpft werden. Die künftige Gemeinsame Agrarpolitik der EU müsse mindestens 15 Milliarden Euro von ihrem 60 Milliarden Euro schweren Budget so umschichten, dass attraktive Anreize geschaffen würden, im Einklang mit der Natur zu produzieren.

Den Anbau von Energiepflanzen für Biogas- und Biomassenutzung sieht der NABU-Präsident aus Flächenschutzgründen kritisch. "Wir sollten uns bei der energetischen Biomassenutzung auf die Reststoffnutzung konzentrieren", so Tschimpke. Zudem seien ja Windkraft und Photovoltaik mittlerweile weit günstiger. Eine Lanze brach er vor allem für die Photovoltaik, "hier passiert noch viel zu wenig, auch in Städten wie Berlin", sagte er.

Kohleausstieg hilft auch überhitzten Flüssen

Mehr Tempo fordert er auch beim Kohleausstieg. "Jetzt soll es wieder eine Kommission richten, dabei wissen wir seit Jahren, dass wir uns mehr um die zwei betroffenen Regionen, die Lausitz und das Ruhrgebiet kümmern müssen, dies hätten wir längst angehen können", so Tschimpke. Er verwies darauf, dass der Ausstieg aus der Kohle nicht nur dem Klima, sondern auch der Natur helfe. Denn dann würden aktuellen Ausnahmegenehmigungen für Kraftwerke, Flüsse über den erlaubten Grenzwert hinaus zu überhitzen, überflüssig. Darüber hinaus müssten Flüsse wieder naturnah gestaltet werden. Deren guter ökologischer Zustand könne dazu beitragen, Folgen von Dürre oder Starkregen abzupuffern. Flankiert werden müsse dies von mehr Laubwäldern, die Feuchtigkeit besser halten als Fichten-Monokulturen sowie einer Wiedervernässung von Mooren, forderte Tschimpke.

Erfreuliches konnte er in puncto Verbandsentwicklung berichten. So vergrößerte sich die Zahl der Mitglieder und Förderer des NABU im vergangenen Jahr um 40.000 auf mehr als 660.000. Bundesweit setzen sich laut Tschimpke in 2.000 Orts- und Kreisgruppen insgesamt 40.000 NABU-Mitglieder aktiv für die Natur ein. (hcn)

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