Die VNG-Biogastochter ist auf Wachstumskurs (Symbolbild).

Die VNG-Biogastochter ist auf Wachstumskurs (Symbolbild).

Bild: © Adobe Stock/LianeM

Die Bioenergie-Branche begrüßt Robert Habecks Ankündigung, im Herbst ein umfassendes Biomassepaket auf den Weg zu bringen. Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie, mahnt angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die Branche stehe, zur Eile.

Die Ampel habe die Biomasse in den vergangenen Jahren zu oft vernachlässigt, moniert sie. Der Plan des Bundeswirtschaftsministers, die Bioenergie nun endlich stärker in den Blick nehmen zu wollen, sei ein wichtiges, wenn auch längst überfälliges Signal an tausende Biomasseanlagenbetreiber, die aktuell einer ungewissen Zukunft entgegenblicken, ebenso wie an diejenigen, die neu investieren wollen. Für viele Biomasseanlagen ende nach 20 Jahren die Förderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Außerdem werde im EEG viel zu wenig Volumen für einen Weiterbetrieb der Anlagen ausgeschrieben.

Ausschreibungsvolumen anheben

Rosteks Forderung: Damit die Anlagen die auch von Habeck erkannte Funktion des Ausgleichs der schwankenden Stromerzeugung aus Wind und Sonne übernehmen können, müsse das Ausschreibungsvolumen im EEG schleunigst massiv angehoben werden. "Andernfalls gehen tausende Anlagen in den kommenden Jahren vom Netz. Damit entfiele auch ihr Beitrag für die Strom- und Wärmewende in Deutschland."

Es sei zudem richtig, die geplante Reform auf eine stärkere Flexibilisierung des Anlagenbetriebs bei Biogasanlagen auszurichten, damit die Bioenergie ihre Stärken voll ausspielen könne. "Hierzu liegt seit Langem unser Vorschlag auf dem Tisch, den so genannten Flexibilitätszuschlag auf 120 Euro pro [Kilowatt] zu erhöhen, um Biogasanlagen in die Lage zu versetzen, durch zusätzliche Gasspeicher und Blockheizkraftwerke ihre Produktion zu speichern und genau dann einzuspeisen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht", erläutert Rostek.

Vielfalt der Wärmeversorgung abbilden

Erfreulich sei, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Bedeutung der Wärmebereitstellung aus Biomasse erkannt habe. Etwaige Anpassungen in der Förderung müssten aber berücksichtigen, dass Bioenergieanlagen nicht nur Nahwärme- und Gebäudenetze versorgen, sondern auch beispielsweise größere Industriekunden, Schwimmbäder oder andere kommunale Einrichtungen. "Die Vielfalt der Wärmeversorgung durch Bioenergieanlagen muss vollumfänglich abgebildet werden", stellt Rostek klar.

Zudem sei es entscheidend, dass das geplante Biomassepaket zu einer nachhaltigen sowie ideologie- und vorurteilsfreien Mobilisierung aller Biomassepotentiale führe. "Um die Ziele der Energie- und Klimawende zu erreichen, müssen wir erneuerbare Energien ausbauen und nicht abschalten. Entscheidend ist aber, dass den Worten des Ministers nun auch zeitnah Taten folgen!"

Hat die Ampel die Biomasse zu lang ignoriert?

Habeck müsse nun schnell "Nägel mit Köpfen machen", fordert auch Stefan Rauh, Geschäftsführer im Fachverband Biogas. Er spricht von einem "positiven Beben in Berlin", spart aber auch nicht mit Kritik an der Ampel. "Lange hatte es den Anschein, als plane die Bundesregierung und vor allem das Wirtschaftsministerium die Energiewende ohne Biomasse." Umso erfreulicher sei es, dass Minister Robert Habeck endlich die Bedeutung von Biogas für eine sichere Strom- und Wärmeversorgung erkannt habe. Insbesondere die Anlagen aus den Jahren 2004 bis 2011 bräuchten nun eine Perspektive.

Auch BEE-Chefin Simone Peter atmet angesichts der Habeck-Ankündigung auf. Nun werde es auf die Ausgestaltung der Details ankommen.

Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft

Im ersten Halbjahr 2024 stammten nur 9,6 Prozent des hier erzeugten Strom aus Biomasse. Die Technologie bleibe damit hinter ihren Möglichkeiten, kritisiert Peter. Einer der Gründe sei das geringe verfügbare Volumen bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur. "Die erste Ausschreibung für Biomasse-Anlagen im laufenden Jahr war, wie bereits im Vorjahr, stark überzeichnet. In der Folge erhielten im Schnitt rund zwei von drei Anlagen keinen Zuschlag. Eine Steigerung der verfügbaren Ausschreibungsmenge tut Not - nicht nur um Flexibilitätsoptionen im Stromsystem zu erhalten, sondern auch um den wichtigen Beitrag der Biomasse bei der Wärmeversorgung nicht zu verlieren", so die BEE-Präsidentin. Und auch als Moleküllieferant stehe Biomasse zur Verfügung. "Die Zeit drängt. Ein nennenswerter Teil des dringend benötigten Bioenergie-Anlagenparks hat im aktuellen gesetzlichen Rahmen keine Zukunft mehr. Für viele Betreiber ist es schon längst nicht mehr fünf vor, sondern bereits nach Zwölf."

Es braucht jetzt kurzfristig konkrete gesetzliche Änderungen, um das perspektivische Aus hunderter Anlagen zum Jahresende noch aufzuhalten. "Wenn es der Regierung ernst damit ist, der Realität eines erneuerbaren Energiemixes Rechnung zu tragen, müssen konkrete Maßnahmen unverzüglich mit dem Ende der parlamentarischen Sommerpause auf den Tisch. Die Bioenergie braucht dringend eine konkrete Perspektive", macht Peter unmissverständlich klar.

Union bleibt misstrauisch

Für die Union äußerte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion Steffen Bilger sein Erstaunen, dass Habeck kurz vor wichtigen Landtagswahlen seine Sympathie für Biomasse entdecke. Das sei unglaubwürdig.

Es sei höchste Zeit, dass die Grünen das überholte Feindbild, das sie von der Bioenergie pflegen, endlich ablegen, so Bilger. Zuletzt offengelegt habe dieses der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes im Verantwortungsbereich des grünen Bundesumweltministeriums. Dort werde Heizen mit Holz auf einmal und wissenschaftlich nicht haltbar zum Klimasünder abgestempelt. Auch beim Einsatz von Biokraftstoffen seien die Grünen, allen voran Bundesumweltministerin Lemke, verlässlich die Bremser vom Dienst. 

"Solange Habeck in seiner Partei nicht für einen grundlegenden Haltungswandel gegenüber der Bioenergie sorgt, sind die Land- und Forstwirte in Deutschland zurecht misstrauisch gegenüber seinen wohlklingenden Ankündigungen", so Bilger. (amo)

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