Die EEG-Umlage wird laut Prognosen bis 2030 deutlich sinken.

Die EEG-Umlage wird laut Prognosen bis 2030 deutlich sinken.

Bild: © Agora Energiewende

Jetzt erfolgen in der Energiewirtschaft die Weichenstellungen für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Aus diesem Grund fordert Patrick Graichen, Direktor des Think Tank Agora Energiewende: „Diese Legislaturperiode muss eine Legislaturperiode der Netze werden. Dabei geht es darum, dass wir die Netze so ertüchtigen, dass bis 2030 zwei Drittel und bis 2040 etwa 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien aufgenommen werden kann.“ Von alleine kämen diese Ertüchtigung jedoch nicht. „Hier sind der Bundeswirtschaftsminister, die Bundesnetzagentur und die vier Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam in der Pflicht. Sie haben in der Hand, ob es gelingt – oder nicht“, so Graichen.

Agora Energiewende hat am Freitag (6.Juli) deshalb ein Zwölf-Punkte-Maßnahmenpaket im Rahmen der Studie „Stromnetze für 65 Prozent Erneuerbare bis 2030“ präsentiert. Mit diesem Maßnahmenpaket ist auch der Ausbau der erneuerbaren Energien bis auf 65 Prozent im Jahr 2030 möglich. Da die erneuerbaren Energien immer kostengünstiger werden, seien die Kosten für den beschleunigten Zubau sehr moderat. Bei einem Anstieg der Börsenstrompreise auf beispielsweise 5,6 Cent pro kWh im Jahr 2030 liege die EEG-Umlage bei einem 65-Prozent-Szenario bei etwa 5,5 Cent pro kWh.

Vier GW Windenergie und fünf GW PV

Zur Ausbaugeschwindigkeit der Erneuerbaren bis 2030: Bei einem Stromverbrauch auf heutigem Niveau sind dazu jährliche Neuinstallationen von mindestens vier GW Windkraft an Land und fünf GW Photovoltaik (PV) nötig, heißt es bei Agora. Dies entspreche in etwa dem jetzigen Ausbau der Windkraft onshore und einer Verdoppelung des PV-Zubaus.  Zusätzlich zu diesen Technologien sollte zudem das Ziel für die installierte Leistung von Windkraft auf See von 15 auf 20 GW im Jahr 2030 erhöht werden.

Ein wichtiges Element für die Erreichung der 2030er Ziele sei zudem der Abbau der derzeit hohen Mindesterzeugung (Must-Run-Kapazitäten) in Höhe von 15 bis 30 GW. Trotz einiger technischer Fortschritte bei der Flexibilisierung konventioneller Kraftwerke verändert sich die Größenordnung der sogenannten Mindesterzeugung in den letzten Jahren kaum mehr, heißt es in der Studie.

Graichen: "Andere Länder bauen Erneuerbare aggressiv aus"

„Erneuerbare Energien sind nicht nur immer kostengünstiger geworden, neue Anlagen produzieren inzwischen auch deutlich billiger Strom als neue konventionelle Kraftwerke. Andere Länder haben das erkannt und bauen inzwischen erneuerbare Energien aggressiv zu. Denn mit der Umstellung auf erneuerbare Energien ist nicht nur Klimaschutz verbunden, es geht dabei auch um eine international wettbewerbsfähige Stromerzeugung. Diese Denke wünsche ich mir auch wieder für Deutschland“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.

Im zweiten Teil listet die Studie zwölf Maßnahmen zur künftigen Integration der erneuerbaren Energien in die Stromnetze auf. Viele Maßnahmen dienen einer wesentlich verbesserten Auslastung der bestehenden Netze. Das ist bereits mit der heute verfügbaren Technik möglich. Hierbei zählen das flächendeckende Temperatur-Monitoring von Leiterseilen an Hochspannungsmasten und der Ersatz vorhandener Leiterseile durch Hochtemperaturleiterseile.

Regionale Quoten bei Ausschreibungen

Ähnlich schnell lässt sich der Vorschlag umsetzen, die Ausschreibungen für Windstromanlagen entlang regionaler Quoten vorzunehmen, was zu weniger Netzengpässen führt. Eine weitere Option zur besseren Verteilung der Strommengen im Netz kann mit dem Einbau aktiver Steuerungstechnik in Umspannwerke erfolgen, womit Stromflüsse von hoch belasteten auf weniger belastete Teile des Netzes umgelenkt werden. Schließlich empfiehlt das Papier, das Stromnetz schon in den kommenden Jahren für die Zeit nach 2030 vorzurüsten: Beim Bau der großen Nord-Süd-Stromautobahnen (HGÜ-Leitungen) bis Mitte der 2020er-Jahre sollten bereits Leerrohre beziehungsweise zusätzliche Kabel auf Vorrat verlegt werden, um zusätzliche Netzgroßprojekte nach 2030 zu vermeiden. Mittelfristig kann das Übertragungsnetz Dank der Digitalisierung auf einen zunehmend automatisierten Betrieb umgestellt werden.

Die Analyse „Stromnetze für 65 Prozent Erneuerbare bis 2030“ steht unter www.agora-energiewende.de zum kostenfreien Download bereit. (al)

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