Zusammen mit einem breiten Bündnis von Verbänden hat Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck zum Energiesparen aufgerufen. Der Grünen-Politiker betonte, dass die Kampagne getrieben sei von einer ernsten Situation. Neben der Notwendigkeit, CO2 einzusparen, gehe es auch darum, nicht länger Putins Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
Energiesparen sei aber auch wichtig, da die stark gestiegenen Preise insbesondere Menschen mit kleinem Geldbeutel belasten. „Deshalb wollen wir die Aufmerksamkeit für das Thema noch mal erhöhen und mit Tipps, Hinweisen und Beispielen Energiesparen so leicht wie möglich machen“, erläuterte der Minister. Es handele sich um eine „Kampagne von Deutschland für Deutschland“. Man adressiere die privaten Haushalte genauso wie die Unternehmen. Aber auch die Politik müsse sich an die eigene Nase fassen.
Andreae: Neues Bewusstsein schaffen
Für den BDEW betonte Kerstin Andreae, dass das energiepolitische Dreieck aktuell in allen Bereichen – Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit – massiv unter Druck stehe. „Wir müssen unsere Haltung zur Energie verändern und uns klar machen, dass Energie eine wertvolle Ressource ist“, so die Verbandschefin.
Jutta Gurkmann, die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) berichtete, dass das Interesse der Bürger an einer Energieberatung größer sei denn je. „Die Menschen rennen uns regelrecht die Türen ein.“ Nachgefragt würden Tipps zum Energiesparen, aber auch der Heizungstausch sei ein großes Thema. „Der Wille der Bürger ist da, nun muss die Politik den richtigen Rahmen setzen und dabei die Menschen unterstützen, die sich die Maßnahmen nicht leisten können“, mahnte sie.
Naturschutzring: Ordnungsrecht statt Appelle
Ähnlich argumentierte auch Tobias Pforte-von Randow vom Deutschen Naturschutzring. Ohne einen vernünftigen ordnungsrechtlichen Rahmen sei Fortschritt nicht möglich. „Die Politik muss den gesamten Instrumentenkasten auspacken“, forderte er – und meinte damit unter anderem die Einführung eines Tempolimits und den zügigen Ausstieg aus Öl und Gas.
Mit der Kampagne will das Bundeswirtschaftsministerium praktische Tipps zum Energiesparen geben - auf digitalen Screens in Städten, auf Online-Portalen mit hohen Reichweiten und den sozialen Netzwerken. Als zentrale Plattform steht www.energiewechsel.de bereit. Geplant sind aber auch Veranstaltungen und Beratungsangebote. Mehrfach betonte Habeck, dass man die Deutschen dabei nicht mit erhobenem Zeigefinger ermahnen, sondern zum Mitmachen einladen wolle. „Es geht darum, uns gegenseitig klüger zu machen, statt uns gegenseitig zu maßregeln.“
Im Ministerium geht das Licht aus
Habecks Haus geht dabei selbst mit gutem Beispiel voran. So wolle das BMWK durch verschiedene Maßnahmen im Sommer 40 Prozent der Energie für die Raumkühlung seiner Gebäude einsparen. Bei der Heizung sollen es ab Herbst 15 Prozent werden. Komplett abgeschaltet wird die Fassaden-Beleuchtung des Ministeriums, wie Habeck bekanntgab.
Für den Deutschen Städtetag regte der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer an, dass die Kommunen ihren eigenen Gebäudebestand in den Blick nehmen und entsprechend aktiv werden sollten. Als Herausforderung bezeichnete der SPD-Politiker die „Immer-mehr-Mentalität“ vieler Menschen. Die Autos, Fernseher und Wohnungen vieler Bürger würden immer größer. Hier brauche es einen Mentalitätswandel.
Ebling: Von Russland unabhängig machen
Michael Ebling, Oberbürgermeister der Stadt Mainz und VKU-Präsident, begrüßte die Kampagne im Namen der Kommunalwirtschaft. „Klar ist: Wir werden unabhängiger von russischen Energieimporten und erreichen die Klimaziele nur, wenn wir unseren Energieverbrauch erheblich absenken. Hierbei kann die Steigerung der Energieeffizienz eine zentrale Rolle einnehmen“, so der SPD-Politiker.
Für die Stadtwerke könne er sagen, dass Daseinsvorsorge in diesen Zeiten große Anstrengungen erfordere. Deswegen sei es wichtig, nicht nur die Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz zu steigern, sondern auch einen bewussteren Umgang mit unserem Energieverbrauch zu pflegen. „Wir müssen alle jetzt schon damit beginnen, Energie einzusparen. Jede Kilowattstunde Gas, die wir jetzt nicht verbrauchen, könnte eingespeichert werden.“
KWK als Back-up
Zugleich müsse es auch darum gehen, in der Krise vorausschauend zu handeln: Vor allem durch den beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren und ihre verlässliche Besicherung. Kraftwärmekopplung und Kraftwerke auf Wasserstoffbasis seien hierbei sinnvolle Ansätze. „Diese sollten wir stärken, damit sie künftig die Volatilität von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen können und den Ausbau der Fernwärme ermöglichen.“
Ebling kündigte an, dass der VKU in einer Toolbox mögliche Einsparmaßnahmen aufzeigen und die Homepage mit Best-Practice-Beispielen aufladen werde. In der Online-Kommunikation will der Verband Energieeinsparmöglichkeiten klar und prominent platzieren. „Die Initiierung weiterer Energieeffizienz- und Klimaschutznetzwerke werden wir weiterhin aktiv unterstützen“, so der VKU-Präsident.
Umwelthilfe: Habeck wirft Nebelkerzen
Kritik kam von der Deutschen Umwelthilfe. "Die Energiespar-Kampagne von Robert Habeck ist eine Nebelkerze: Anstatt dass er selbst tätig wird, verschiebt er die Verantwortung vor allem auf die Verbraucherinnen und Verbraucher und gibt Duschkopf-Tipps“,ärgert sich Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH.
Was wirklich viel Energie spare, sei die Sanierung von Gebäuden, sei die Wärmewende. „Dazu braucht es aber keine Appelle, sondern starke staatliche Vorgaben und mehr Förderung. Doch auch heute hat der Minister wieder keine einzige Maßnahme dafür eingeleitet.“ Es brauche ein sofortiges Einbauverbot für Gasheizungen im Neubau und ab 2024 im Bestand, eine schnellstmögliche Anhebung der Effizienzstandards im Gebäudeenergiegesetz sowie die Einführung von Mindesteffizienzstandards. „All das ist überfällig und braucht keine schicken Plakate, sondern politisches Handeln.“ Habeck müsse nun endlich liefern. (amo)



