Die Datenbanken wecken die Befürchtungen von Verbraucherschützern, dass Kunden künftig diskriminiert werden könnten.

Die Datenbanken wecken die Befürchtungen von Verbraucherschützern, dass Kunden künftig diskriminiert werden könnten.

Bild: © Eisenhans/AdobeStock

Wollen Energieversorger Kunden ausbremsen, die häufig ihren Vertrag kündigen, um zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln? Pläne von Wirtschaftsauskunfteien für Datenbanken über Strom- und Gasverbraucher haben solche Befürchtungen ausgelöst.

"Der Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt lebt vom Wechsel des Anbieters. Wir sehen es kritisch, wenn versucht wird, den Wechsel von Kunden zu erschweren", sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur am Dienstag.

Wechselmöglichkeiten sollen nicht gestört werden

Der NDR und die "Süddeutsche Zeitung" hatten berichtet, die Auskunfteien Schufa und Crifbürgel entwickelten Datenbanken, in denen offenbar branchenweit Vertragsdaten möglichst vieler Kunden gespeichert werden sollten.

Ein Schufa-Sprecher betonte, der noch nicht zur Marktreife entwickelte Datenpool habe nicht das Ziel, "Vielwechsler zu identifizieren, um diese an der Möglichkeit des Wechsels ihres Energieversorgers zu hindern". Crifbürgel teilte mit, man biete derzeit keinen Datenpool für Energieversorger an.

Kritik an den Datenbanken

Bisher dürfen nur Daten von Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen oder die betrügen, branchenweit ausgetauscht werden. Verbraucherschützer befürchten, die Energieunternehmen könnten die Datenbanken nutzen, um Kunden abzulehnen, die häufig den Lieferanten wechselten.

Schon jetzt gebe es immer wieder Beschwerden von Verbrauchern, die von Schwierigkeiten beim Wechsel des Anbieters berichteten. Ihnen werde so ein Wechsel- oder Neuvertragsbonus verweigert. Wie viele wechselwillige Verbraucher von einem Versorger keinen Vertrag erhalten, ist nicht bekannt. Die Unternehmen müssen für eine Ablehnung auch keine Gründe nennen.

Bundesnetzagentur hat keine Möglichkeit einzugreifen

Die Bundesnetzagentur hat nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, solche Datenbanken zu untersagen. "Eine rechtliche Handhabe, den Ausbau von Datenpools besonders wechselwilliger Kunden zu begrenzen, hat die Bundesnetzagentur leider nicht", sagte der Sprecher. Die Datenschützer von Bund und Ländern wollen sich Anfang November mit den Plänen der Auskunfteien befassen, wie ein Sprecher der NRW-Behörde bestätigte.

Die Schufa hatte auf einer inzwischen gelöschten Web-Seite über ihren "E-Pool" geschrieben, die Lieferanten könnten durch die "Informationen zu dem bestehenden Energiekonto und der bisherigen Laufzeit wertvolle Hinweise" erhalten. Nach Angaben des Schufa-Sprechers sollen die Informationen den Versorgern helfen, auch Verbrauchern ohne ausreichende Bonitätsbewertung einen Vertrag anbieten zu können.

Datenschutzbehörden scheinbar uneins

Im November wollen die zuständigen Behörden beraten, wie es mit diesen Datenbanken weitergehen soll. Unterstützung könnte von der für die Schufa zuständigen hessischen Datenschutzbehörde kommen, die es für rechtmäßig hält, dass solche Vertragsdaten in einer gemeinsamen Datenbank gespeichert werden.

"Wenn ich sehe, dass im Markt der Energieversorger schon die ein oder andere Insolvenz passiert ist - hauptsächlich aufgrund nutzloser Akquisitionskosten - dann muss ich dieses legitime Interesse einfach anerkennen", so Behördenvertreter Michael Kaiser. Vertreter anderer Datenschutzbehörden sagten NDR und SZ dagegen, sie sähen eine solche Speicherung eher kritisch.

Die Realität: "Nur" zehn Prozent wechseln

In Deutschland wechselt nur ein geringer Teil der Verbraucher den Strom- und Gasanbieter. Nach Angaben der Bundesnetzagentur bezogen 2018 – 20 Jahre nach der Liberalisierung – noch gut zwei Drittel aller Haushalte Strom vom angestammten örtlichen Versorger. Pro Jahr wechseln nur rund zehn Prozent der Haushalte ihren Stromanbieter.  (gun/dpa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper